Flipper, der Mann, das Schwein, der Hund

Thomas Pany 30.06.2006

Wie programmierbar sind Männer in Beziehungen?

Sie liebt ihren Ehemann. Er ist belesen, schreibt sie, er hat einen Sinn für Abenteuer und er ist ein "Alpha Male". Aber er vergißt Dinge, ist unachtsam, fährt zu schnell, rasiert sich nicht oft genug, lässt die Schmutzwäsche liegen und hängt gerne in der Küche herum, während sie kocht. Kleine, aber bedeutsame Störungen, welche das Glück trüben. Der Paartherapeut hat kein Rezept. Dann die Offenbarung beim Zusehen von Trainern, die Hyänen, Elefanten und Delfinen beibringen, was diese nicht aus freien Stücken tun.

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Zuhause setzt sie bei ihren "alpha male" um, was sie als Grundprinzip der Tierausbildung erfahren hatte: kleine Belohnungen für angenehmes Verhalten, Ignorieren von Verhalten, das sie nicht mag.

Ich wandte an, was Trainer als "Annäherungen" bezeichneten: die Belohnung von kleinen Schritten, die zu einem völlig neuen Verhalten führen: Man kann von einem Pavian nicht erwarten, dass er in einer Trainingsstunde lernt, sich auf Kommando umzudrehen, wie man es von einem amerikanischen Ehemann nicht erwarten kann, dass er damit anfängt, seine schmutzigen Sochen regelmäßig aufzuräumen, wenn man ihn ein einziges Mal dafür lobt, dass er einen einzigen Socken aufgehoben hat.

Amy Sutherland, die Autorin des Artikels, der tagelang die-Liste der meist gemailten Artikel der New York Times anführte, hörte nicht auf damit, ihren Mann für jedes Paar Socken, das er aufhob, zu loben. Jede kleine gute Tat wurde belohnt. Weitere Lektionen folgten:

Ein Delfin-Trainer zeigte mir, was es mit dem "Least Reinforcing Syndrom (L.R.S.)" auf sich hat. Wenn ein Delfin etwas Falsches macht, dann reagiert der Trainer nicht. Er bleibt für einige Augenblicke stehen, sorgfältig darauf bedacht, dass er den Delfin nicht anschaut, dann arbeitet er weiter. Der Gedanke dahinter ist, dass jede Reaktion, sei sie positiv oder negativ, ein Verhalten bestärkt. Wenn ein Verhalten keine Reaktion auslöst, wird es normalerweise aufgegeben.

Seit das Verhalten des Gatten nach den selben Regeln gesteuert wird, die auch bei Delfin "Flipper" zur Anwendung gebracht wurden, hat Amy Sutherland Grund zur Freude. Die Übertragung funktioniert: Der Mann lungert nicht mehr in der Küche herum, sondern nimmt dankbar die im Wohnzimmer platzierten kleinen Schüssel voller Snacks an, apportiert seine Schmutzwäsche peu à peu angespornt von sich steigernden Belohnungen zum Wäschebehälter etc.. Ausbrüche von schlechter Laune werden von der Ehefrau ignoriert.

Sutherlands Anwendung der kleinen Delfinschule auf den Modellgatten zuhause ist nicht die erste Geschichte dieser Art. Im Forum der "Hundefreunde Community Yorkie-rg.net" diskutierte man schon vor einem Jahr über ähnliche Anwendungen - "Mann = Hund" - , die von der amerikanischen Eheberaterin, Michele Weiner Davis stammen.

Deren Tipps, die aus dem Hundetraining stammen, lesen sich wie die Vorlage zu Sutherlands Delfinschule für Ehemänner:

Erwünschte Verhaltensweisen verstärkt fordern.
Leistung belohnen und loben und zwar sofort nach Ausführung.
Selbst die kleinsten Fortschritte anerkennen.
Das Ziel immer fest im Auge behalten.
Falsches Verhalten ignorieren.
Auch bei Zurechtweisungen fair bleiben. Strafen dürfen nicht zu hart ausfallen.
Gehorsam verlangen und zwar prompt, denn zu häufige wiederholte Wünsche werden wirkungslos.

Doch auch Michele Weiner Davis Buch "Jetzt ändere ich meinen Mann", hat einen Vorläufer, allerdings im Fiktion-Genre, einen Roman, verfasst von der amerikanischen Autorin Winifred Wolfe, der bereits 1966 in Deutschland unter dem Titel: "Gefrühstückt wird zu Hause" (Untertitel: Wie man einen Ehemann erzieht) erschien, darin dressiert eine frisch verheiratete Frau ihren Mann nach dem Ratschlag ihrer französischen und sehr lebensklugen Mutter:

Wenn du eine wirklich gute Ehe führen willst, behandle ihn wie einen Hund und zwar nach dem kleinen Ratgeber - wie man des Menschen besten Freund erzieht

Natürlich fehlt in all den Geschichtchen die Pointe nicht, dass die Männer ihrerseits das Spiel umdrehen können. Am Ende werden sie dann aber doch wieder hinter den Ohren gekrault und sind recht zufrieden dabei.

Bleibt die Frage, ob die Zeiten, als der Mann noch ein unerziehbares Schwein war, jetzt wirklich vorbei sind.

http://www.heise.de/tp/artikel/22/22987/1.html
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