Lust auf Fleisch von Menschenaffen

Florian Rötzer 06.07.2006

Der Handel mit Bushmeat floriert auch in westlichen Großstädten

Bushmeat nennt man das von Menschen verzehrte Fleisch wildlebender Tiere. Die Jagd auf geschützte Tierarten, deren Fleisch mittlerweile auch auf internationalen Märkten verkauft wird, bedroht deren Existenz. Begehrt ist auch das Fleisch von Affen, auch das der Menschenaffen. Offenbar gibt es auch in den westlichen Ländern Menschen, die viel Geld dafür zahlen, um Affenfleisch auf ihren Teller zu bekommen, und die damit erheblich zu deren Aussterben beitragen, wie Nature berichtet.

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Der Ökowissenschaftler Justin Brashares von der University of California, Berkeley, hatte zufällig vor zwei Jahren von einem Taxifahrer aus Ghana erfahren, dass es in New York einen Markt gibt, in dem offen Bushmeat verkauft wird. Entsetzt, dass in Großstädten außerhalb Afrikas möglicherweise große Mengen an Wildfleisch offen verkauft werden, ließ er das Ausmaß des internationalen Handels stichpunktartig durch die Mitarbeit von 15 in den USA lebenden Afrikanern eruieren. Sie besuchten illegale Märkte in Brüssel, Chicago, London, Montreal, New York, Paris und Toronto. Die Menge des zum Verkauf angebotenen Bushmeat wurde jeweils von zwei Beobachtern unabhängig voneinander festgestellt.

Bushmeat - Kopf eines Gorillas, Foto: Ape Alliance

Nach den Erkundungen schätzt Brashares, dass allein in diesen sieben Städten monatlich 6.000 kg Wildfleisch verkauft werden. Dabei dürfte das, was auf die internationalen Märkte gelangt, nur einen winziger Bruchteil dessen ausmachen, was in Afrika selbst verkauft wird. Brashares schätzt den Anteil gerade einmal auf 1 Prozent. In 27 Fällen wurde auf den Märkten der sieben Städte neben dem Fleisch von anderen Affen auch Körperteile wie Köpfe, Hände oder Beine von Schimpansen und Gorillas angeboten. In Afrika werden viele Tierarten bereits stärker durch die Jagd bedroht als durch den Verlust des Lebensraums.

Der Buschfleischhandel kann innerhalb der nächsten zehn Jahre zur Ausrottung der Menschenaffen und anderer gefährdeter Arten führen.

Dr. Jane Goodall

Da das Fleisch der Wildtiere normalerweise - auch in Afrika - weit teurer ist als das des legal verkauften Fleisches ist, stellt es eines Luxusware dar, die vielleicht zu Festessen oder ähnlichen Anlässen verzehrt wird. Das Problem mit dem Wildfleisch ist nicht nur, dass mit der illegalen Jagd das Aussterben von seltenen Arten beschleunigt wird, sondern dass sich damit auch Krankheiten, die wie Ebola, Milzbrand oder Aids von Tieren auf Menschen übertragbar sind, verbreiten können. Besonders riskant ist das natürlich bei Primaten. Meist wird das Fleisch zwar geräuchert angeboten, nach den Beobachtungen von Brashares war aber 27% roh.

http://www.heise.de/tp/artikel/23/23034/1.html
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