Patent auf Systeme für soziale Netzwerke

Florian Rötzer 09.07.2006

Friendster hat in den USA ein fragwürdiges Patent erhalten, das möglicherweise viele ähnliche, dem Web 2.0 zugerechnete Websites betreffen könnte

Der neue Hype mit dem Web 2.0 setzt vor allem auf die Attraktivität von digitalen Gemeinschaften, die über neuere "soziale Software" durch Vernetzung und Kontaktmöglichkeiten ermöglicht und befördert werden. Damit können Freundschaften entstehen und Netzwerke aus Freunden von Freunden vor Ort und weltweit aufgebaut werden, lassen sich gemeinsame Interessen privat oder geschäftlich vernetzen oder Informationen, Musik, Bilder, Videos etc. schneller und viral verbreiten bzw. erhalten. Eines der ersten dieser sozialen Netzwerke war Friendster, das 2002 gegründet wurde und nun - nach eigenen Angaben - 27 Millionen Mitglieder haben soll, die hier ihre persönlichen Steckbriefe, Blogs und Freunde bekannt machen. Damit ist der Dienst etwa gegenüber MySpace, gegründet 2003, 2005 für 650 Millionen US-Dollar von Rubert Murdoch aufgekauft und über 80 Millionen Mitgliedern, zurückgefallen.

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Aber Friendster hat sich nun möglicherweise durch ein im Juni 2003 eingereichtes Patent, das am 27. Juni vom U.S. Patent and Trademark Office gewährt wurde, einen Vorteil verschafft. Das Patent von Friendster, das den Gründer Jonathan Abrams als Erfinder aufführt, soll nämlich die Erfindung eines Systems schützen, das "zur Entstehung von vielfach übernommenen Systemen Sozialer Netzwerke führte". Das Patent wurden denn auch ziemlich allgemein für "ein System, eine Methode und eine Vorrichtung" gewährt, "um Benutzer in einem Online-Computersystem, das auf ihren Beziehungen innerhalb von sozialen Netzwerken aufbaut, zu verbinden".

Spezieller deckt das Patent ein System ab, das beschreibende Daten unterschiedlicher Nutzer sammelt und diesen ermöglicht, andere Nutzer anzugeben, mit denen sie befreundet sind. Zudem werden davon alle sozialen Beziehungen abgedeckt, die zwei Personen in einem sozialen Netzwerk haben und deren Darstellung auch die Zahl der Abstände einschließt. Die Nutzer können einen optimalen Weg zur Kontaktaufnahme festlegen, das patentierte System regelt auch, wie sich Personen in das soziale Netzwerk einführen oder zur Partizipation eingeladen werden, sich bekannt machen und in direkte Kommunikation mit anderen treten können. Milgrams These von der kleinen Welt, in der alle Menschen in sechs Schritten (Six Degrees of Separation) miteinander verbunden sind, wird im Patentantrag erwähnt. Ein darauf aufbauendes Patent für soziale Netzwerke, das 2001 gewährt und 2003 von LinkedIn und Tribe.net gekauft wurde, scheint dem Friendster-Patent daher nach Ansicht der Gutachter nicht ähnlich zu sein.

Betroffen von dem Patent wäre eine Vielzahl anderer sozialer Netzwerke, die ähnliche Funktionen anbieten. Da Friendster in Schwierigkeiten zu sein scheint und letztes Jahr keinen Käufer fand, als man nach dem Murdoch-Kauf von MySpace entsprechende Erwartungen hegte, könnte das Unternehmen versucht sein, mit dem Patent zu spekulieren, um den Wert zu heben. Friendster-Direktor Kent Lindstrom gab bekannt, es stünden noch einige Patente aus, die soziale Netzwerke betreffen.

http://www.heise.de/tp/artikel/23/23063/1.html
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