Identifizierung der Wissenselite

Florian Rötzer 12.07.2006

Die britische Regierung hat ein nationales Register für begabte Schüler eingerichtet

In einer Wissensgesellschaft werden kluge Köpfe immer wichtiger. Deren Förderung von früh an ist deswegen schon länger ein Thema, weil man weiß, dass hochbegabte Kinder durch die Schulsysteme blockiert werden können, weil sie beispielsweise durch die langsame Geschwindigkeit des am Lernfortschritt der Allgemeinheit ausgerichteten Lehrplans unterfordert sind. Großbritannien will nun die bislang praktizierte Förderung intensivieren und hat ein Programm gestartet, damit die Lehrer hochbegabte Kinder an ihren Schulen in ein nationales Register eintragen.

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Während auf der einen Seite präventive Maßnahmen stehen, um durch Früherkennung und rechtzeitige Interventionen verhaltensauffällige Kinder auszusortieren, um sie und ihre Eltern fördernden Maßnahmen zu unterziehen (Blair will "antisoziales Verhalten" ausrotten), will die britische Regierung nun die Elitenförderung zur Standortsicherung möglichst früh und vor allem systematisch ansetzen. Die Überwachung, also Beobachtung, Erfassung und Analyse der menschlichen Karrieren, wird damit wieder einmal einen Schritt weiter ausgebaut, auf der anderen Seite ist auch nur so eine höhere Chancengleichheit im Bildungsbereich möglich.

Lehrer an den Schulen der Sekundarstufe werden vom britischen Erziehungsministerium aufgefordert, begabte Schüler in eine Liste bei der National Academy for Gifted and Talented Youth (Nagty) einzutragen. Damit sollen die besten 5% der 11- bis 19-jährigen Schüler erfasst werden, um die "schreckliche Talentverschwendung" zu beenden. Die wird von dem für Schulen zuständigen Staatssekretär Andrew Adonis darauf zurückgeführt, dass Kinder aus unteren Schichten nicht entsprechend gefördert werden. "Unsere klügsten Kinder müssen dabei unterstützt werden, an die Spitze zu gelangen und ihre Begabungen zu nutzen. Die Förderung der herausragenden Klugheit sollten Kindern aus jeder Herkunft, nicht nur einer privilegierten Minderheit offen stehen." Nach einer Untersuchung erhalten nur 20 Prozent der Schüler aus ärmeren Schichten eine höhere Ausbildung, während dies bei den reichsten Schichten die Hälfte erhält.

Nachdem die Lehrer die Schüler gemeldet haben, werden sie anhand ihrer Leistungen und mit Tests überprüft. Die Beobachtung soll die gesamte Schulzeit laufen, da manche Kinder auch erst später ihre Potenziale entwickeln können, sagt das Erziehungsministerium. Sind die Schüler einmal in das Programm aufgenommen, werden sie an ihren Schulen zusätzlich von besonders geschulten Lehrern unterrichtet. Zudem erhalten sie weitere Förderungen über das Internet. Vorgesehen ist die Förderung der begabten Kinder ab 2007 auch in der Grundschule. Die Schulen sollen auch dafür sorgen, dass die soziale Herkunft der gemeldeten Begabten repräsentativ für die gesamte Schülerschaft ist. Bislang sind bei Nagty 100.000 Schüler registriert, das Erziehungsministerium schätzt die Zahl der Begabten aber auf das Doppelte.

Das Problem dabei könnte sein, dass die Konkurrenz und Auslese in den Klassen und Schulen durch solche Maßnahmen weiter zunimmt, zumal vermutlich auch die Universitäten versuchen werden, ihre Studenten aus dem Pool der Begabten und besonders Geförderten auszuwählen. Allerdings steht und fällt das Programm damit, wie der ehemalige leitende Schulinspektor und Pädagogikprofessor Chris Woodhead sagt, ob die Fördermaßnahmen tatsächlich ausreichend durchgeführt werden. Die begabten Schüler nur in ein nationales Register einzutragen, sei nicht das Problem.

http://www.heise.de/tp/artikel/23/23081/1.html
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