Die Erde zerbricht

Das Rote Meer teilt sich erneut und die Wissenschaftler sind live dabei

Die Erdkruste ist immer in Bewegung, und die Lage der Kontinente hat sich seit ihrer Entstehung stark verändert. Dort wo die Kontinentalplatten aneinander stoßen, bebt immer wieder die Erde und die Oberfläche verändert sich. Eine besondere Störungszone findet sich an der Südspitze des Roten Meeres, denn dort drücken drei Erdplatten gegeneinander. Forschern ist es nun gelungen, die Entstehung eines riesigen Risses direkt zu beobachten.

Die Region gilt als Wiege der Menschheit, denn in der Afar-Senke fanden sich Fossilien verschiedener Menschen- und Hominidenarten (vgl. Neue Affenmenschen), darunter auch die berühmte, bereits aufrecht schreitende und 3,5 Millionen Jahre alte Lucy.

Diese Tiefebene in Äthiopien ist Teil des afrikanischen Grabens, dort stoßen die arabische, die nubische und die somalische Platte aufeinander. Eine unruhige und vulkanisch aktive Gegend, in der sich seit 30 Millionen Jahren immer wieder tiefe Gräben auftun. Das Rote Meer entstand so, als sich die arabische Erdplatte vom afrikanischen Kontinent entfernte (vgl. Plattentektonik).

Topografisches Relief des 60km langen Dabbahu Spalten-Segments in der Afar Senke. Oben rechts ein Schema der auseinander driftenden nubischen (afrikanischen), somalischen und arabischen Erdplatten, Bild: Cynthia Ebinger/Royal Holloway University of London.

Vergangenes Jahr bebte zwischen 14. September und 4. Oktober die Erde in der Afar-Senke und der Vulkan Dabbahu brach aus.

In der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Nature berichten Tim J. Wright von der University of Oxford und Kollegen auch von der University of London (University of London), der Addis Ababa University, der University of Leeds und der University of Rochester über ihre Beobachtungen und Analysen der Vorgänge.

Sie beobachten mithilfe des Satelliten Envisat der European Space Agency, seismischen Instrumenten und Positionssignalen, wie sich in kürzester Zeit ein gewaltiger Riss auftat und dokumentierten seine Form und Veränderungen. Nie zuvor war es Forschern gelungen, ein derartiges geologisches Spektakel dieser Größenordnung live zu verfolgen: Ein 60 km langer Spalt und mehr als vier Meter breiter Spalt öffnete sich in nur vier Wochen. Der Riss öffnete sich ursprünglich während eines Erdbebens in der Region um Boina, 400 km nordöstlich der Hauptstadt Addis Abeba

Ein weiterer Bruch im langen afrikanischen Graben. Die Afar-Senke erlebt ständig heftige topografische Veränderungen, ständig entstehen Spalten und die Erde sank während der Erdbebenperiode im Herbst 2005 teilweise um bis zu 100m ab. Das Gebiet sinkt insgesamt ab und es ist nur eine Frage der Zeit, bis das Wasser des Roten Meeres das noch dazwischen liegende Hochland an der Küste durchbricht und sich ein neuer Ozean bilden wird. Das kann allerdings noch einige Millionen Jahre dauern.

3D-Ansicht der Satellitenradarmessungen von Envisat. Es wird sichtbar, wie sich der Erdboden im September 2006 bewegte. In nur drei Wochen rutschte die Erdkruste auf beiden Seiten der Rift bis zu sechs Meter auseinander, Magma füllte die Spalte zwischen den Platten, Bild von Tim Wright, University of Oxford/Leeds unter Verwendung von Google Earth.

Den Forschern um Tim Wright gelang es zudem zu verfolgen, wie Magma aus großer Tiefe emporstieg, um eine Spalte zu füllen. Möglicherweise haben sie hier die Entstehung eines neuen Stückes Meeresboden beobachtet. Die Afar-Senke ist eine der ganz wenigen Stellen auf der Erde, wo das Auseinanderbrechen der Kontinente auf Landmasse geschieht - und das in einem für Geologen geradezu atemberaubenden Tempo. Co-Autorin Cindy Ebinger ist begeistert:

Es ist toll. Es handelt sich um den ersten großen Vorgang dieser Art in einem Graben-Gebiet, den wir seit der Entstehung der Satellitentechnik, die wir jetzt benutzten, gesehen haben. Diese Techniken geben uns eine hohe Auflösung und ein detailliertes Bild, von dem was wirklich geschieht und wie die Abläufe der Erde funktionieren.

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