Videohoster im Porträt

Das spektakuläre Comeback von viralen Videos - Teil 2

Als zur Jahrtausendwende ein Großteil der mehreren Hundert Online-Video-Sites, die mit viel Risikokapitel gepowert worden waren, eins nach dem anderen wie Kartenhäuser in sich zusammenfiel, wurden Begriffe wie "Online Video" oder "Web Film" zu roten Tüchern für alle finanziell oder auch kreativ Involvierten. Zunächst schien es so, als ob nur ein Bruchteil überleben würde. Aber seit ca. zwei Jahren mehren sich mit Erfolgsgeschichten von z. B. den Jibjab-Brüdern die Anzeichen dafür, dass zumindest kleine, vom heimischen Wohnzimmer aus geführte Ein- oder Zweimann-Unternehmen durchaus erfolgreich sein können. Auch von den Großen schafften es einige, sich durch Backen kleinerer Brötchen durch schwierige Zeiten zu retten. Nun versucht jedoch eine neue Generation von Videohostern den Markt zu erobern. Nach fünfjähriger Abwesenheit ist die Goldgräberstimmung im Internet zurückgekehrt. Es gibt wieder einen wilden Westen, in dem es etwas zu erobern gilt. Plötzlich ist es hip und schick, "beta" zu sein.

Bei mittlerweile über 240 Videohostern, deren rasant wachsende Entwicklung in Teil 1 aufgezeigt wurde, verliert man schnell den Überblick. Um etwas tiefer in die Materie einzusteigen, folgt nun ein Überblick ausgewählter Anbieter. Prinzipiell unterscheiden sich die Anbieter nicht so sehr bei den Funktionen, sondern vielmehr beim Publikum und der Aufmachung der Seite. Die Angebote sind überwiegend kostenlos und erlauben es nach einer einfachen Registrierung, Videos auf der Seite zu publizieren. Konnten zu Beginn des Booms noch beliebig lange Videos hochgeladen werden, hat sich nun bei den meisten Sites ein Limit von 100 MB pro Video als Maximalgröße durchgesetzt. Bis auf Revver benötigt man für den Upload bei keinem der Dienste eine besondere Software. Die Videos lassen sich einfach über ein Webinterface in einem beliebigen Format hochladen. Die Anbieter codieren die Videos dann für das Abspielen im Internet neu und stellen das Video auf ihre Seite. Je nach Anbieter existieren zusätzlich unterschiedlichste Möglichkeiten, Videos auf externen Seiten einzubinden, diese weiterzuempfehlen und auf diese zu verweisen.

YouTube

Aus der Vielzahl an Video-Anbietern, die um die Gunst der an bewegten Bildern interessierten User konkurrieren und versuchen, ein Stückchen vom Kuchen abzubekommen, sticht einer markant hervor, obwohl er noch gar nicht so lange mitmischt: YouTube

Das häufig auch als "Poster Child" (=Vorzeigekind) bezeichnete Start-Up YouTube (Du-Fernsehen) wurde am 15. Februar 2005 von Chad Hurley, Steve Chen, und Jawed Karim, drei früheren PayPal-Angestellten, in Menlo Park gegründet, um es Usern einfacher zu machen, Filme über das Internet mit anderen zu tauschen. Laut eigener Aussagen hatten sich Chad Hurley und Steve Chen im Januar 2005 auf einer Diner Party getroffen und die Feier auf Video aufgezeichnet. Am nächsten Tag wollten sie die Dateien herumschicken und entdeckten dabei, dass sie viel zu groß waren, um sie per Email herumzuschicken, und dass es keinen Dienst gab, der ihnen diese Aufgabe abnahm. Das inspirierte sie dazu, eine Video-Sharing-Site zu gründen, die Usern alle Arbeit abnimmt und alle Kosten trägt.

Auszug aus der Startseite von YouTube

Bereits im November 2005 investierte das Risikokapital-Unternehmen Sequoia $ 3,5 Millionen in das Portal. Im Dezember 2005 hatte das Portal seinen offiziellen Launch und bereits im gleichen Monat hatte YouTube die Zugriffzahlen von dem bereits seit Ende der 1990er Jahre existierenden iFilm eingeholt, das im Oktober 2005 für $ 49 Millionen von Viacom aufgekauft worden war. Im April 2006 investierte Sequoia Capital weitere $ 8 Millionen in YouTube.

Auf der YouTube-Seite werden laut Zahlen von Mitte Juli 2006 täglich über 100 Millionen Videos am Tag abgespielt und 65.000 neue Videos hochgeladen, insgesamt über 60 Prozent aller Online-Videos werden bei YouTube gesehen. Damit hat YouTube mit Abstand die größte Reichweite aller Videohoster. Die Site verfügt über ausgeklügelte Community-Features, an deren Optimierung ständig gefeilt wird. Dazu gehören Channels, d.h. von Usern verwaltete Video-Playlisten, Kommentare, Freunde und Ratings. Diese Features sorgen auch dafür, dass YouTube sich immer mehr in die Richtung eines sozialen Netzwerks entwickelt.

Gründer von YouTube

Die Site erlebte einen ersten Boom im Dezember 2005, als sie den bekannten "Lazy Sunday"-Clip von Saturday Night Live ausstrahlte. Im Februar forderte der Lizenzinhaber NBC Universal YouTobe auf, eine Reihe von kopiergeschützten NBC Video Clips zu entfernen, darunter auch "Lazy Sunday", Clips von der Olympiade 2006 sowie die Bush-Parodie "Stephen Colbert Goes to Washington". Im Juni 2006 ging NBC allerdings eine Partnerschaft mit dem Unternehmen ein, zukünftig ausgewählte eigene Inhalte und Werbeclips bei YouTube einzuspeisen.

Mögliche Gründe für die Beliebtheit von YouTube trotz der hohen Konkurrenz durch andere Anbieter werden außerdem in der frühen Symbiose mit dem sozialen Netzwerk MySpace, der Verwendung des weit verbreiteten Flash Players, der einprägsamen URL oder auch in den Partnerschaften mit anderen Content Produzenten vermutet.

Gleichzeitig ist das ironische "Bubble 2.0", das auf den Zusammenbruch der Dotcom-Krise um die Jahrtausendwende anspielt, schon in aller Munde. Viele warnen davor, dass angesichts der hohen Traffic-Kosten und der massiven rechtlichen Probleme schnell Schluss sein könnte mit dem Senkrechtstarter. Bereits im April wurden YouTubes Traffic-Kosten auf $ 1.000.000 eingeschätzt, in Zeiten, wo YouTube "nur" 12,7 Millionen verschiedene Besucher hatte. Im Juli 2006 hatte YouTube bereits 20 Millionen verschiedene Besucher pro Monat.

Blip.TV

Etwas beschaulicher geht es bei Blip.TV zu. Dort packen die Gründer schon mal noch selbst mit an beim Support und helfen bei kleineren Problemen. Auch der Fokus von Blip.TV ist ein anderer. Es wird nicht primär die Masse angesprochen, sondern viel mehr die Zielgruppe der Videoblogger. Deshalb werden besondere Uploadmechanismen zur Verfügung gestellt, die Videos werden nicht automatisch in ein anderes Format codiert und auch die Möglichkeiten, die hochgeladenen Videos auf der eigenen Seite einzubinden, sind vielfältiger.

Auszug aus der Startseite von Blip.TV

Die Kontrollmöglichkeiten des Autors über die hochgeladenen Videos sind bei keinem anderen Anbieter so ausgeprägt wie bei Blip.TV. Dieser Ansatz wird zwar von einigen in Frage gestellt, könnte sich aber letztendlich als eine schlaue Entscheidung erweisen, denn Videoblogger sind ein sehr loyales Publikum und vor allem meist Multiplikatoren, die erheblich dazu beitragen können, dass sich Videos in Windeseile verbreiten. Zudem hebt sich Blip.TV mit seiner Nischenausrichtung und der Spezialisierung von der breiten Masse der anderen Videohoster ab.

Revver

Revver hat neben Blip.TV das klarste Profil unter den Videohostern. Nach zwei Jahren in der Betaphase ist es nun demnächst soweit und Revver startet mit seinem Service in den Regelbetrieb. Das Besondere an Revver ist, dass die Videos mit Werbung versehen werden. Nachdem ein Video hochgeladen wurde, kann der Produzent Schlagworte vergeben, die dann beim Anbringen der Werbung beachtet werden. Die Werbung besteht aus einem verlinkten Standbild, das ans Ende des Videos angefügt wird.

Auszug aus der Startseite von Revver

Die Einnahmen aus der Werbung und den Klicks teilt Revver zu 50% mit den Produzenten, die so in Einzelfällen über 30 000 Dollar mit ihren Videos verdient haben. Aber auch Seiten, die regelmäßig Videos von Revver einbinden, profitieren, denn sie erhalten 20% der Werbeeinnahmen, die restlichen 80% werden dann zwischen Produzent und Revver aufgeteilt. Mittlerweile hat Revver einige namhafte Werbepartner wie z.B. Mentos, Microsoft, Universal Pictures oder Warner Bros. gewonnen und erfreut sich wegen der Gewinnbeteiligung vor allem unter ambitionierten Produzenten immer größerer Beliebtheit.

Yahoo! Video

Natürlich haben mittlerweile auch Internet Provider wie AOL und Suchmaschinen wie Google und Yahoo! eigene Videohosting Angebote. Yahoo! hat im Zuge der großen Umgestaltung der gesamten Internetpräsenz auch das Videoangebot überarbeitet und erlaubt es Benutzern, Videos hochzuladen. Das Besondere dabei ist, dass die hochgeladenen Videos neben Fundstücken aus dem Yahoo! Index und syndizierten Videos von anderen Anbietern auf Yahoo! präsentiert werden.

Auszug aus der Startseite von Yahoo!

Yahoo! ist also auch eine Suchmaschine für andere Videohoster, auf der Besucher sich also nicht mit bei den Yahoo! hochgeladenen Videos zufrieden geben müssen, sondern auf eine riesige Auswahl an Internetvideos zurückgreifen können. Ein besonderes Feature erlaubt es Yahoo!-Benutzern, eigene Channels anzulegen, unabhängig davon, ob sie Videos hochgeladen haben oder nicht. Ein zusätzlicher Anreiz für die Produzenten ist, dass Yahoo! ausgewählte Videos auf seiner neuen Startseite präsentiert.

Metacafe

Nach sozialen Netzwerken wie MySpace und Videohostern wie Google Video oder MSN Video ist das israelische Startup Metacafe der stärkste YouTube-Konkurrent.

Auszug aus der Startseite von Metacafé

Anders als andere Anbieter setzt Metacafe mit seinem Service sehr gezielt auf Qualität statt Quantität. Die 20 Millionen wöchentlichen Besucher sehen auf Metacafe nicht unbedingt die Masse an Videos, die YouTube bietet, dafür können sie sich jedoch sicher sein, dass die Inhalte der Videos zuvor auf ihre Verträglichkeit mit den Qualitätskriterien von Metacafé überprüft wurden. Metacafe hat sogar spezielle Filteralgorithmen entwickelt, die das Überprüfen der Videos erleichtern und teilweise automatisieren, um die Qualität der Videos hochzuhalten. Ein weiterer Pluspunkt sind die komplett lokalisierten Seiten in Hebräisch und Japanisch.

Guba

Guba versucht, das Feld der Videohoster von einer anderen Seite aufzurollen. Ursprünglich als Premium-Service mit Videos aus dem Usenet gestartet, hat sich Guba jetzt neu ausgerichtet. Zuerst wurde die Adult-Sparte ausgegliedert und anschließend ein kostenloses Videohosting-Angebot geschaffen. Zuletzt kamen bezahlte Downloads von Hollywoodfilmen hinzu. Entsprechende Vereinbarungen mit Sony und Warner Bros. hat Guba bereits geschlossen und zusätzliche sollen folgen. Ob das Videohosting-Angebot jedoch für sich steht oder der Service lediglich zur Promotion der Premium-Accounts und Filmdownloads dient, ist noch nicht klar.

Auszug aus der Startseite von Guba

Nachdem hier exemplarisch einige Videohoster mit ihren Ansätzen und Funktionalitäten vorgestellt wurden, die entweder Major Player schon sind oder mit interessanten Konzepten aufwarten, werden in Teil 3 die Geschäftsmodelle der Videohoster näher auf ihre Tragfähigkeit hin beleuchtet.

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YouTube und Co.

Karin Wehn 01.07.2006

Das spektakuläre Comeback von viralen Videos

"Viral" ist ein Zauberwort, das schon lange durch die Online-Welt geistert. Wie bei einer Krankheit, die von Freund zu Freund, von Mitgliedern einer Gemeinschaft an ihre Mitmenschen weiter gereicht wird, sollen aus Sicht der Internet-Ökonomie auch die Anhänger der riesigen, weltweit verstreuten und vernetzten Internet Community sich gegenseitig nach dem Schneeballprinzip infizieren, so dass sich innovative Ideen und interessante Projekte auch jenseits klassischer Gatekeeper quasi basisdemokratisch durchsetzen.

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