Digitales Freischaltungschaos bei Premiere

Ernst Corinth 09.08.2006

Wie ich statt Fußball auf Arena beinahe "Dr. House" auf RTL geguckt hätte

Ja, fast hätte ich am Dienstagabend die wunderbare Serie "Dr. House" auf RTL geguckt. Zwar wollte ich eigentlich auf dem neuen Fußballsender Arena das Abschiedspiel für Giovane Elber sehen, doch das war nicht so einfach, wie gedacht und vorab angekündigt. Eine ganz spezielle Art seine Kunden zu bedienen, hat sich nämlich der Pay-TV-Sender Premiere ausgedacht. Am vergangenen Dienstag sollten nämlich alle, die Arena zukünftig über Kabel und Premiere sehen wollen, für diesen Sender freigeschaltet werden. Doch bei vielen blieb der Bildschirm schwarz. Und sehr viele riefen dann natürlich bei der zuständigen Premiere-Hotline an. Vergeblich, weil unter den angegebenen Nummern den lieben langen Tag lang nur ein Band lief, das die Kunden "auf Grund der vielen Telefonanfragen" auf später vertröstete.

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Selbst die Pressestelle des Senders und die für Journalisten zuständige Hotline konnten (nicht nur) in meinem konkreten Fall nicht helfen und sorgten sogar für zusätzliche Verwirrung. Morgens hieß es noch von der Pressestelle "kein Problem" und notfalls sollte ich mich eben an die Hotline wenden. Die jedoch meldete dann gegen Nachmittag, dass es doch ein Problem mit den Sonderkunden (sprich: Journalisten) gebe, weil sie vermutlich erst aus technischen Gründen am kommenden Freitag freigeschaltet werden könnten.

Diese Aussage wiederum verwirrte dann die Pressestelle so heftig, dass sie sich sofort bei den Service-Leuten ihres Senders erkundigte, um dann auch ein Problem zu entdecken: "Es ist leider so, dass die Freischaltungen alle nacheinander, nicht gleichzeitig, versendet werden, weswegen der eine Kunde es schon hat, der andere noch nicht. Es ist also eine technische Frage, wann Sie Ihr Signal erhalten." Derweil erlebte das Forum von Digitalfernsehen.de einen solchen Ansturm von frustrierten Premiere-Arena-Kunden, dass die entsprechenden Seiten zeitweise nicht mehr erreichbar waren. Ganz ähnlich erging es übrigens auch der Homepage von Premiere.

Doch gegen Abend fand dann dort jemand endlich die Lösung. Er veröffentlichte nämlich im Forum eine Hotline-Nummer (0180-5123400) von Premiere, die offenbar so geheim ist, dass selbst die eigene Pressestelle sie nicht kennt. Und die vor allem schnell erreichbar war und jeden, der dort anrief, in kürzester Zeit für Arena freischalten konnte. Gelohnt hat sich der ganze Aufwand allerdings nicht, das abends gezeigte Abschiedsspiel für Giovane Elber war arg langweilig, wurde zudem im schrecklichen Balkenformat 16:9 ausgestrahlt und der Laberfaktor der Kommentatoren und Experten hatte das üblich hohe TV-Fußball-Niveau. "Dr. House" wäre also wohl doch die bessere und entspanntere Alternative gewesen.

http://www.heise.de/tp/artikel/23/23304/1.html
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