Gates-Stiftung hilft Medienkonzern

Florian Rötzer 21.08.2006

Zusammen mit anderen Geldgebern gewährte die Stiftung einem amerikanischen Konzern einen ungewöhnlichen Kredit zum Aufkauf weiterer Zeitungen

Nachdem Warren Buffet, der zweitreichste Mann der Welt, der Bill & Melinda Gates Foundation kürzlich den Löwenanteil seines Vermögens gespendet hat, ist die Stiftung des reichsten Mannes der Welt mit einem Kapital von nun über 60 Milliarden Dollar endgültig zur wahrscheinlich unüberholbar größten Stiftung geworden.

  • mobil
  • drucken
  • versenden

Kritiker fürchten, dass nun Gates nicht nur mit Microsoft den Software-Markt dominiert, sondern auch auf dem Bereich der Bildung, Gesundheit und Entwicklungshilfe eine Art Monopol anstreben könnte. In vielen Fällen übersteigen die Gelder aus der Stiftung für Hilfsprojekte diejenigen aus anderen Quellen, wie internationalen Organisationen. Das Problem könnte sein, dass mit der Macht der Milliarden auch die Stiftung immer mehr Möglichkeiten haben könnte, in gesellschaftliche Strukturen einzugreifen. Im Zentrum der Stiftung steht die Bekämpfung von Krankheiten wie AIDS, Malaria oder Masern durch Impfungen oder Behandlungen. Andererseits halten Gates und die Stiftung auch Aktien an Pharma-Konzernen, die dagegen kämpfen, dass Medikamente billiger hergestellt werden können.

Andere Schwerpunkte der Gates-Stiftung liegen im Bereich der Bildung, also Förderung von Schulen, Universitäten und Bibliotheken oder Unterstützung von Minderheiten. Das schließt auch die Ausstattung von Schulen oder Bibliotheken mit Computern ein. Geld wird auch für Katastrophenhilfe gegeben. Aber es gibt auch einen Topf für "Special Opportunities", also für Bereiche, die aus der üblichen Tätigkeit der Stiftung herausfallen:

Some of our work falls outside our main areas of giving. Our Special Opportunity grants are typically one-time investments that enable the foundation to respond creatively to issues that are related to but not clearly within defined strategies. They might also respond to unanticipated events or provide opportunities to learn about challenges we face through discussions with experts outside our established networks.

Normalerweise sind das ebenfalls humanitäre Hilfsprojekte. Doch nun wurde bekannt, dass die Gates-Stiftung auch auf anderem Gebiet tätig wurde. Etwas verwundert wird in amerikanischen Medien berichtet, dass die Stiftung zusammen mit anderen Geldgebern wie der Hearst Corp., der General Electric Capital Corp und einigen Banken, der MediaNews Group, der etwa die Denver Post gehört, mindestens 350 Millionen Dollar gegeben hat, um es dem Konzern zu ermöglichen, Zeitungen in Minnesota und in Kalifornien wie die San Jose Mercury News oder Contra Costa Times aufkaufen. Wieviel die Gates-Stiftung dazu beigetragen hat, ist nicht bekannt.

In dem Deal spielt die Hearst Corp. eine besondere Rolle. Der Medienkonzern hatte Anfang August bereits zwei Zeitungen zugekauft und investiert nun 300 Millionen Dollar in MediaNews, die dafür diese Zeitungen von Hearst kaufen. Hearst wiederum erwirbt damit einen Anteil von 30 Prozent an den Zeitungen von Media News außerhalb des Gebiets von San Francisco Bay. Ein wenig ungewöhnlich ist es schon, dass nun die Gates-Stiftung auch Entwicklungshilfe für Medienkonzerne durch Kredite leistet. MediaNews war bereits vor dem Zukauf mit 40 Tageszeitungen einer der größeren Zeitungskonzerne der USA.

http://www.heise.de/tp/artikel/23/23378/1.html
Kommentare lesen (46 Beiträge) mehr...
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Aktive und passive Alien-Artefakte im Sonnensystem

SETA - Spurensuche nach dem extrasolaren Monolithen - Teil 2

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen
Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
FOTOBLOG

Abgefahren

Auch der endgültige Stillstand gehört zur Dromologie

bilder

seen.by


TELEPOLIS