400 Computer, 200 Handys, 8000 Speichermedien, Tausende von Gigabytes

Florian Rötzer 22.08.2006

Britische Justiz erhebt Anklage gegen 11 Verdächtige im Zusammenhang mit den Anschlagsplänen auf Flugzeuge, gibt aber weiterhin kaum Details über den Stand der Ermittlungen bekannt, die enorm umfangreich seien

In Großbritannien wurde gestern gegen 11 der insgesamt 23 Verdächtigen, die im Rahmen der "vereitelten Anschläge" festgenommen wurden, eine Anklage erhoben. 8 werden wegen Verschwörung zum Mord und der Vorbereitung von Anschlägen angeklagt, für die Sprengstoff in Flugzeuge gebracht und dort gezündet werden sollte. 2 werden beschuldigt, Informationen über Terrorpläne nicht der Polizei gegeben zu haben, ein Siebzehnjähriger soll Gegenstände besessen haben, die zur Ausführung von Terroranschlägen gebraucht werden können: eine Anleitung zum Bauen von Bomben, eine Karte von Afghanistan, die Testamente von denjenigen, die Selbstmordanschläge ausführen wollten, und weitere "suicide notes". Eine Frau wurde freigelassen, 11 Verdächtige bleiben weiter in Haft. Die Ermittlungen seien nicht abgeschlossen, sagt die Polizei, da sie außergewöhnlich umfangreich seien.

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Erstmals bestätigte Peter Clarke, der Leiter der Antiterror-Abteilung, einige Details, die bereits seit einiger Zeit in den Medien zirkulierten. Man habe der Öffentlichkeit nichts verschweigen wollen, sondern deswegen solange gewartet, um soviel wie möglich über den Terroranschlag sagen zu können. Was Clarke mitteilt, ist allerdings auch noch nicht sehr viel, zumindest keine Details. Es gebe Videos und Audio-Aufzeichnungen, die aus der Zeit der Überwachung vor dem 10.August stammen und "sehr bedeutsam" seien. Man habe Videos gefunden, die man als "Märtyrer-Videos bezeichnet". Und man habe Materialien zum Bauen von Bomben gefunden: Chemikalien wie Wasserstoffperoxid, elektrische Komponenten, Dokumente und andere Dinge. Daraus lässt sich wohl schließen, dass die Herstellung des Sprengstoffs noch nicht weit gediehen war. Warum die übrigen nicht angeklagt wurden, gab Clarke nicht bekannt. Auch gab es keine weiteren Informationen darüber, für wann die Anschläge geplant waren und wie sie genau hätten durchgeführt werden sollen.

Deutlich macht seine Erklärung, dass die Behörden unter großem Druck stehen, die ausgelösten Sicherheitsmaßnahmen und die Warnung vor einem unmittelbar drohenden Anschlag zu rechtfertigen. Die Ermittlungen seien noch lange nicht abgeschlossen, weil sie zu umfangreichund komplex seien. Clarke versuchte dies begreifbar zu machen, indem er aufzählte, was alles im Rahmen der Ermittlungen durchsucht wurde und noch werden muss. Es handle sich um 69 Razzien in Häusern, Geschäften, Fahrzeugen und Grundstücken. Bei den Razzien habe man 400 Computer, 200 Handys und 8000 Speichermedien wie CDs, DVDs oder Memory Sticks beschlagnahmt. Allein auf den Computern habe man Dateien in der Größe von 6.000 Gigabytes gefunden. Die Auswertung werde Monate dauern. Zudem müsse man Tausende von forensischen Untersuchungen vornehmen.

Clarke versicherte auch, dass die Polizei alles tun werde, um die Menschen zu schützen, dass aber die Bedrohung durch Terror weiter vorhanden sei: "The threat from terrorism is real, it is here, it is deadly and it is enduring." Die Angeklagten wurden beschuldigt, zwischen dem 1. Januar 2006 und dem 10. August eine Verschwörung zum Mord und die Vorbereitung zu Anschlägen begangen zu haben. Den weiteren drei Angeklagten wurden ihre Vergehen bereits im September bzw. Oktober 2005 vorgeworfen. So hätten zwei der Angeklagten von dem Auftrag von zwei Personen zu Anschlägen gewusst, aber diese Information nicht der Polizei angezeigt. Tayib Rauf, der Bruder von Rashid Rauf, der in Pakistan festgenommen und als Mastermind mit Kontakten zu al-Qaida gehandelt wurde, findet sich nicht unter den bereits Angeklagten. Rashid Rauf, dessen Verhaftung angeblich die Festnahme ausgelöst hatte, wird in Pakistan weiter verhört, angeblich auch von Briten. Von einer Auslieferung ist aber nicht mehr die Rede.

http://www.heise.de/tp/artikel/23/23379/1.html
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