"Yallah, Nasrallah"

26.08.2006

Eine palästinensische Band hat mit einem Song über Nasrallah und den Kampf gegen Israel einen Hit gelandet

Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah ist durch den Krieg in der arabischen Welt zu einem angesehenen Helden, zu einer Ikone geworden. Offenbar bewiesen die von Nasrallah geführten Kämpfer, die der technisch hochgerüsteten israelischen Armee durch ihre Taktik und ihre Bewaffnung standhalten konnte, dass die Araber nicht die Verlierer sein müssen, auch wenn sie dies für den Preis von großen Zerstörungen und vielen Toten im Libanon und in Israel gemacht haben.

Hassan Nasrallah. Bild: Al-Manar TV

Nasrallah wurde während des Kriegs auch zu einer Figur, die die verschiedenen Fraktionen der arabischen Region vereinen und zumindest zeitweise, trotz des blutigen Bürgerkriegs im Irak, die Konflikte zwischen Schiiten und Sunniten überwinden konnte. Für die Einheit sorgt seit langem und immer wieder der gemeinsame Feind Israel. Nasrallah überzeugt viele aber auch durch seine Glaubwürdigkeit.

Eigentlich ist die Hisbollah, die Partei Gottes, eine fundamentalistische schiitische Organisation, auch wenn sie im libanesischen Umwelt vorsichtig agierte, während sie das Märtyrertum gegen den "Feind" kultivierte (Strippenzieher oder am Gängelband?). Die Hisbollah und vor allem Nasrallah haben auch in Palästina die Konflikte zwischen der Fatah und der Hamas überbrücken, wenn auch keineswegs beseitigen können. Dabei wird der neue islamische Held, trotz der religiösen Orientierung der Hisbollah, auch von der Popkultur verklärt.

Ein gutes Beispiel für diese neuen politisch-kulturellen Verbindungen in der arabischen Kultur ist die palästinensische Band Firkat Ishaman, die mit einem Song über Nasrallah zu einer Kultband im Westjordanland und dem Gaza-Streifen wurde. Die Gruppe, die aus den Brüdern El Haija besteht und vor dem Krieg vor allem bei Hochzeiten aufspielte, textete angeblich nach der Bombardierung in Kana, bei der über 20 Menschen getötet wurden, den Song The Hawk of Lebanon (Der Falke des Libanon), womit sie offenbar einen Nerv bei den Palästinensern getroffen hat. Die Musik basiert auf einem Song, der von der Hamas handelte. Die Palästinenser sehen sich, so der 28-jährige Sänger Ala Abu El Haija, in derselben Situation wie die von den Israelis angegriffenen Libanesen. Bruder und Boyband-Bandmitglied Nuredin El Haija meint, die Band habe mit ihrem Lied über Nasrallah den Nerv vieler Araber getroffen, die sich nach einem starken Mann sehnen würden, der die muslimische Welt vereint. Gegenwärtig sei dies Nasrallah.

Der Song wurde über den Hisbollah-Sender al-Manar gesendet und wird, wie al-Dschasira berichtet unermüdlich von den Rundfunksendern gespielt. Verbreitet wird der Song auch über das Internet und über Nachahmer. Vermutlich wird er noch attraktiver, weil die israelische Polizei Datenträger, auf denen sich der Song befindet, konfisziert, da er zur Gewalt aufrufe.

Die Boy-Band Firkat Ishaman

Tatsächlich ist der Song, der Nasrallah preist, ein Kriegslied, das vom Krieg der Muslime und vom Sieg über Israel spricht. Der würde mit Gottes Hilfe und dem "tapferen" Nasrallah geschehen, der Reche übt. Das arabische Blut werde immer heißer, heißt es in dem Song, der "islamische Mut" wachse. Und man werde sich niemals ergeben, auch wenn Israel noch so viele Bomben schickt. Von einem Friedensprozess ist hier nicht die Rede, der Song peitscht auf und pflegt die Ressentiments und den muslimischen Narzissmus. Und man spricht Moral und die Befreiung an, die Nasrallah zu bringen verspricht, indem er gegen die Israelis kämpft.

Your rockets in Israel all generations will talk about
And your Katyushas have scared the Zionists
Nasrallah, raise your voice
Our people are used to welcoming death
We do not want money or treasures or wealth
All we want is to live a free life
Blood only brings blood
And I hope we can destroy your life and make you worry
Zionism and Zionists are the biggest poison in Arab land

Die Kultur des Todes, des Kampfes, der Heldenverehrung und der Inszenierung des Feindes, die der Song transportiert, lässt genau das vermissen, was dem Islam fehlt: Aufklärung statt Todes- und Kampfkult, Besinnung statt Ausagieren der Leidenschaften, Selbstreflexion statt Feindbildung.

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