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Die dümmsten Sicherheitsmaßnahmen

"Wer Freiheit für Sicherheit opfert..." In den letzten Jahren wird zunehmend nicht nur die Freiheit, sondern auch die Logik geopfert, wenn es um (Schein)Sicherheit geht. "Welche Sicherheitsmaßnahmen sind so dumm, dass sie einen Preis verdienen?", fragt nun eine britische Bürgerrechtsorganisation.

Im Jahr 2003 war es eine der Schlagzeilen in Bezug auf Sicherheitsmaßnahmen: Im JFK Airport auf den Flug wartend, musste eine Mutter ihre im Fläschchen mitgebrachte Muttermilch probieren, um zu demonstrieren, dass in der Flüssigkeit keinerlei Gift oder Sprengstoff enthalten war. Diese Antiterror-Maßnahme schaffte es 2003 auch prompt, einen Preis für die dümmste Sicherheitsmaßnahme zu erhalten. Die britische Bürgerrechtsorganisation Privacy International, die auch (fast) jährlich zum amerikanischen Big Brother Award aufruft, hatte den "Stupic Security Award" ins Leben gerufen um aufzuzeigen, welche Hysterie hinter dem Gedanken, Sicherheit zu schaffen, oftmals steckt.

Schon die Nominierungen zeigten, wie panisch auf Verhaltensweisen, die ihrerseits nur Reaktionen auf Sicherheitsmaßnahmen waren, reagiert wurde. So sprühte ein 22jähriger Fluggast sein Parfum erst auf sich selbst und dann auf zwei Sicherheitsangestellte, um zu zeigen, dass es sich wirklich lediglich um Parfum handelte. Dies führte aber zu einem Alarm wegen möglicher Biowaffen und dazu, dass auch die Geschäfte, in denen sich die angesprühten Sicherheitskräfte aufhielten, geschlossen wurden. Das Gesamtergebnis lässt sich auf der Seite von Privacy International nachlesen.

In den letzten Jahren hat die Anzahl der "Sicherheitsmaßnahmen" zugenommen und ihre Sinnhaftigkeit wird oft nur von jenen angezweifelt, die dann im allgemeinen Sprachgebrauch gerne als paranoid bezeichnet werden. Die Verhältnismäßigkeit der Mittel sowie die Überlegung, wie eine solche Maßnahme überhaupt aufrechterhalten werden soll, bleiben außen vor. Nachdem man in Großbritannien davon ausging, dass Attentäter vorhatten, mittels Flüssigsprengstoff sowie Zündern in Elektrogeräten Flugzeuge zu sprengen, wurden nicht nur Flüssigkeiten jeglicher Art nicht mehr zur Mitnahme ins Flugzeug, sondern auch Handys, Laptops etc. als Handgepäck verboten. Für etliche Fluggäste ist dies ein Grund, nunmehr auf Flugreisen zu verzichten - nicht zuletzt auch deshalb, weil Elektrogeräte, welche als normales Gepäck behandelt werden, oftmals beschädigt oder auch gar nicht mehr wiederzufinden sind. Mittlerweile sind Flüssigkeiten verboten, die elektrischen Geräte dürfen wieder mitgenommen werden, wobei sich dann die Frage stellt, wie eigentlich die mittlerweile auch in Großbritannien beliebten Terroralerts zustandekommen. Wann ist die Gefahr soweit gesunken, dass Flüssigkeiten wieder mitgenommen werden dürfen? Und woran macht sich dies eigentlich fest?

Auch in Deutschland wird spätestens seit den "Kofferbombern" jeder abgestellter herrenloser Koffer zum Terrorverdachtsmoment, so dass auch schon mal die gesamte Innenstadt geräumt. Die Frage ist,: wie weit man in der Angst vor dem Terror gehen will, die nach und nach das gesamte Denken zu bestimmen scheint?

Die Ideen für neue Sicherheitsmaßnahmen reichen von der Abschaltung von Anonymisierungsdiensten in Deutschland oder dem Einsatz von Hartz-IV-Empfängern zur Patrouille in Bussen und Bahnen bis hin zu bewaffneten Zugbegleitern. Daher sollte Privacy International in der nächsten Zeit genug Nominierungen bekommen - denn bereits zum zweiten Mal rufen sie dazu auf, die dümmsten Sicherheitsmaßnahmen mit einem entsprechenden Kreis zu krönen

Ich würde jedenfalls gerne die Abschiebung eines Dönerverkäufers sowie die Verdächtigung meinerselbst vorschlagen, die als Idee von zwei offensichtlich völlig panischen Menschen zeigte, wie weit die Angst vor dem Terror bereits gediehen ist.

Die Nominierung für den "Stupid Security Award" hat gerade begonnen. Es werden Preise in fünf Kategorien verliehen. Nominierungen sind an die Adresse stupidsecurity@privacy.org zu richten.

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Nena, die Bild-Zeitung und der "Feuer-Anschlag"

Es war zwar ein Fehlalarm, aber das macht ja nichts in Terrorzeiten: Lieber einmal zu viel alarmiert und verdächtigt

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