Sabotage aus dem Hintergrund

Wolf-Dieter Roth 31.08.2006

Bush-Rede in New Orleans auf CNN live neu abgemischt

Warum gehen Frauen eigentlich immer zu zweit auf die Toilette? Haben sie etwa Angst, dass die Türe klemmt und sie nicht mehr herauskommen? Oder wollen sie vielmehr ungestört über Männer tratschen? Geahnt haben wir ja immer, dass es Letzteres sein muss, nun hat es uns die Stimme der freien Welt bewiesen, der amerikanische Nachrichtensender CNN.

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US-Präsident Bush sprach in New Orleans angesichts des Jahrestags der dem Hurrikan Katrina folgenden Flutkatastrophe, die Ansprache wurde unter anderem landesweit über CNN übertragen. Langwierig und nicht besonders interessant, und so nutzte CNN-Ansagerin Kyra Phillips die günstige Gelegenheit, um mal schnell auf ein gewisses Örtchen zu verschwinden, zu entspannen und ihre vom Scheinwerferlicht glänzend gewordene Nase neu zu pudern.

Fernsehmoderatoren nutzen heutzutage Miniaturmikrofone, die unauffällig am Kragen angeklipst werden und so auch bei heftigen Kopfbewegungen gleichbleibend guten Ton liefern, ohne störend im Bild zu sein. Da es eine Weile dauert, so ein Mikrofon fachgerecht am Mann oder an der Frau zu montieren, werden inzwischen meist Funkmikrofone benutzt, eben damit der Moderator auch mal eine Pinkelpause einlegen kann, ohne erst "entdrahtet" werden zu müssen.

Ungünstig ist es allerdings, wenn beim Austreten das Mikrofon nicht abgeschaltet wird, was bislang vor allem Männern passiert ist. Noch ungünstiger ist es, wenn das Mikrofon außerdem "offen", also auf Sendung ist. Kyra Phillips begann nämlich, mit einer Kollegin ausgiebig über die Männer im Allgemeinen und ihren eigenen im Besonderen zu fachsimpeln. Zu seinem Glück hatte sie über ihren Mann nichts auszusetzen und lobte ihn über alles, wohingegen ihr Bruder dagegen sich von seiner Frau alles gefallen lasse - sie habe in dieser Beziehung eindeutig die Hosen an, klagte Phillips. Untermalt passenderweise von einem Sssst eines schließenden Reißverschlusses.

Eigentlich nichts Dramatisches, derartige Gespräche finden in Damentoiletten landauf landab täglich zu Tausenden statt. Aber: Zwei tratschende Frauen übertönen einen Mann mit Leichtigkeit, selbst wenn dieser der US-Präsident ist und gerade eine Ansprache hält. Weshalb sich der Sender für die Ausstrahlung diese ungeplanten Zusatzinformationen entschuldigen musste – man habe bedauerlicherweise "Probleme mit der Tonqualität gehabt". Und viel Glück, dass nur Familiendetails der Moderatorin über den Sender gingen und nicht etwa Politisches. Schließlich war es doch Aussage genug, dass sie während der Rede des Staatsoberhauptes nicht auf, sondern unter Deck war, oder?

http://www.heise.de/tp/artikel/23/23459/1.html
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