Eine kleine Geschichte des Fernsehens

Vor 75 Jahren begannen die ersten Fernsehversuche in Deutschland

Das Fernsehen hat in Deutschland eine lange Tradition und Entwicklungsgeschichte. Zahlreiche maßgebliche Entwicklungen stammen aus Deutschland und viele deutsche Unternehmen haben auf dem Gebiet der Fernsehtechnik Pionierarbeit geleistet. Zwei Jubiläen lassen sich in diesem Jahr feiern: 1926 - vor 80 Jahren - führte das Telegraphentechnische Reichsamt erste Fernsehversuche in Deutschland durch und 1931 - vor 75 Jahren -präsentierte Manfred von Ardenne (1907-1997) auf der 8. Funkausstellung in Berlin zum weltweit ersten Mal der Öffentlichkeit das vollelektronische Fernsehen.

Für uns ist das Fernsehen heute so alltäglich wie unser Essen und als gebräuchliches Informationsmedium kaum noch wegzudenken. Der Ursprung der Fernsehtechnik ist weit vor dem 70jährigen Fernseh-Jubiläum anzusiedeln, beginnend mit dem Franzosen Constantin Senlecq im Jahre 1880, der die Idee einer seriellen Bildsignalübertragung in der Schrift "Le Télectroscope" publizierte - im selben Jahr, in der der Amerikaner Thomas Alva Edison ein Basispatent auf seine Glühbirnenerfindung mit Kohleglühfaden erhielt. Senlecq hatte die Idee, hinter einer Platte mit den photoelektrischen Elementen einen rotierenden elektrischen Kontakt anzubringen, der die photoelektrischen Elemente zeilenweise abtastet. Im Wiedergabegerät befand sich eine Platte mit Lampen, die ebenfalls durch einen synchron gesteuerten elektrischen Kontakt helligkeitsgesteuert werden.

Die Zeit der Erfinder: Fernsehtechnik und Glühbirne

Während Constantin Senlecq sozusagen die theoretischen Grundlagen der zeilenweisen Abtastung bewegter Bilder beschrieb, gelang es dem deutschen Wissenschaftler Paul Julius Gottlieb Nipkow mit seiner Spirallochscheibe, eine sehr viel einfachere Bildabtastung zu realisieren. Ihm soll die Idee mit der gelochten Scheibe während der Weihnachtszeit im Jahre 1883 in den Sinn gekommen sein. Diese ermöglicht das Abtasten eines Bildes mit einem photosensitiven Punkt, der zeilenförmig von oben nach unten wandert. Die Scheibe muss sich dabei so schnell drehen, dass die Zeilen- und Bildwechsel bedingt durch die Trägheit des Auges nicht mehr wahrgenommen werden. Dieses Fernsehverfahren wird "mechanisches Fernsehen" genannt, weil die Bildabtastung - im Gegensatz zum elektronischen Fernsehen mit Kamera- und Bildröhren - mechanisch mit Hilfe einer Lochscheibe erfolgt. Die Bildqualität war allerdings, aus unserer heutigen Sicht gesehen, sehr schlecht - bei 12 Bildwechseln pro Sekunde flimmert es sehr stark, und mit ca. 24 bis 60 Zeilen Auflösung waren nur grobe Details gut erkennbar.

Deutscher Fernseh-Einheitsempfänger E 1 von Telefunken, Baujahr 1939 (Bild: Eckhard Etzold)

Genau genommen ist das Prinzip der zeilenweisen Bildabtastung allerdings schon vor Nipkow entdeckt worden. Im Jahre 1843 wurde das "Faxgerät" durch den schottischen Uhrmacher Alexander Bain (1811-1877) erfunden, der die Grundlagen der elektronischen Bildzerlegung entwickelte.

Revolutionierende neue Techniken

Im Jahre 1897 gab es einen neuen Durchbruch in der Fernseh-Technik: Der deutsche Physiker und Nobelpreisträger Karl Ferdinand Braun (1850-1918) entwickelte die sogenannte "Braunsche Röhre" (Kathodenstrahlröhre). Diese zu einem Bildschirm geformte Röhre ermöglichte mit magnetischer Ablenkung (Ablenkplatten) die genaue Fokussierung des Elektronikstrahls. Auf der Innenseite der Röhre war Phosphor, der -durch den Elektronenstrahl angeregt - Lichtpunkte erzeugte. Durch die hohe Geschwindigkeit, mit der sich der Elektronenstrahl bewegte, nahm man keine einzelnen Punkte, sondern ganze Bilder wahr. Dadurch konnte man sich auf der Empfängerseite die Nipkowscheibe ersparen.

Nachbau des Funktionsprinzips der Nipkowschen Scheibe (Bild: Eckhard Etzold)

Genauso reichte im Jahre 1923 der russische Physiker Vladimir Kosma Zworykin ein Patent auf einen elektronischen Bildabtaster (Ikonoskop-Röhre) zur elektronischen Abtastung und Zerlegung von Bildern ein, der allerdings erst 1933 praktisch funktioniert haben soll. 1929 folgte die Kineskop-Röhre zur elektronischen Wiedergabe dieser Bilder. Der Amerikaner Philo T. Farnsworth (Das Fernsehen brachte seinem Erfinder kein Glück) hatte dagegen bereits 1920 die Vision des zeilenweise abgetasteten elektronischen Fernsehens und konnte am 7. September 1927 die erste Übertragung erfolgreich vorführen. Gemeinsam lösten diese neuen Techniken das bis dato bestehende mechanische Fernsehen ab.

Von der Mechanik zur Elektronik

Ab 1930 erfolgte der Übergang von der Mechanik zur Elektronik. Der deutsche Naturwissenschaftler Manfred von Ardenne (1907 - 1997) zeigte im Dezember 1930 zum ersten Mal vollelektronisches Fernsehen mit einem Raster von 100 Zeilen bei 20 Bildwechseln pro Sekunde im Labor und präsentierte es 1931 während der Großen Funkausstellung erstmals öffentlich. Sogar auf der anderen Seite des Atlantiks galt dieser Technik-Durchbruch als Sensation. Die "New York Times" kündigte sie bereits im Vorfeld der Messe, am 16. August 1931, in einem großen Artikel an.

Innenleben des E1: Für das UKW-Eingangsteil und die ZF-Stufen und die Videoendstufe wurde die EF 14 verwendet, eine Stahlröhre. Im Gegensatz zu den Radioempfängern gab es für den Benutzer keine Möglichkeit der Senderwahl. Der Einheitsempfänger war fest auf einen Sender eingestellt. (Bild: Eckhard Etzold)

Ardenne griff hierbei lediglich auf bereits bekannte Komponenten wie die Braunschen Röhren zurück. Röhren verwendete er auch zur Aufnahme des Fernsehbildes. Das Geniale und Visionäre an seiner Versuchsanordnung aber war die Auswahl und Optimierung der Komponenten, die in der Folge eine unproblematische und stetige Verbesserung der Bildqualität erlaubten.

Darauf folgten mehrere Patente, darunter für das vom deutschen Physiker Fritz Schröter (1886 - 1973) erfundene Zeilensprungverfahren, sowie zahlreiche Versuchssendungen. Am 22. März 1935 war es dann soweit: Im Berliner Haus des Rundfunks wurde das erste regelmäßige öffentliche Fernsehprogramm der Welt eröffnet. Die Mischung aus Live-Programm vom Studio und Filmausschnitten konnte die Mehrzahl der Zuschauer damals allerdings nur in den so genannten "Fernsehstuben" verfolgen.

Vom Luxusgut zum Volksgut

Mit dem deutschen Einheitsempfänger E1, eine Gemeinschaftsentwicklung der deutschen Industrie unter Leitung der Forschungsanstalt der Deutschen Reichspost, wurde ein preiswerter Fernseh-Rundfunkempfänger entwickelt, um die Neuentwicklung einer breiten Bevölkerungsschicht zugänglich zu machen. Er wurde 1939 als großer Durchbruch auf der Funkausstellung gefeiert. Er stellte nicht nur die Krönung der deutschen Fernsehentwicklung vor dem Kriege dar, sondern war weltweit der am weitesten entwickelte Fernsehempfänger. Der Ladenpreis betrug 650 Reichsmark.

Schwarzweiß-Fernseher Emerson 610, Baujahr 1949 (Bild: Eckhard Etzold)

Das Gerät war technisch ausgereift und von einer überraschend hohen Bildqualität, wie sie erst wieder nach vielen Jahrzehnten in der Fernsehentwicklung erreicht werden konnte. Die erste Serie sollte 10 000 Geräte umfassen und war für den Großraum Berlin bestimmt. Ende des Jahres 1939 sollte mit der Auslieferung der Geräte begonnen werden. Doch der Kriegsausbruch im September 1939 machte diese Pläne zunichte. Insgesamt wurden nicht mehr als 50 Geräte produziert, von denen die meisten verschollen sind, und die Geschichte der Fernsehtechnik in Deutschland geriet für viele Jahre in Vergessenheit, weil die Menschen mit ganz anderen Sorgen zu kämpfen hatten.

Fernsehen hält Einzug in "Großmutters TV-Stube"

Damals wie heute sind die Großveranstaltungen des Sports auch Highlights für das Fernsehen. Aus dem Olympiastadion in Berlin kamen 1936 die Wettkämpfe live in die "Fernsehstuben". Der Krieg forderte danach eine Zwangspause, doch bereits 1950 gab es vom NWDR (Nordwestdeutscher Rundfunk) aus Hamburg wieder erste Fernsehbilder. Auf der "Fernsehstraße" der Industrieausstellung in Berlin stellten zwölf Firmen 40 unterschiedliche Fernsehgeräte vor.

Farbfernseher RCA 21-CT-7855U "The Aldrich", Chassis ctc5 (Bild: Eckhard Etzold)

Am 25. Dezember 1952 startete dann das ständige Programm mit einem Fernsehspiel. 1954 war es wieder der Sport, der für ein weiteres Highlight der TV-Geschichte sorgte: die Übertragung des Endspiels der Fußball-Weltmeisterschaft aus Bern. Danach ging es Schlag auf Schlag: 1954 wurden Kabel-Fernbedienungen eingeführt, 1956 konnten schon eine halbe Millionen Zuschauer das Programm empfangen, die Halbleitertechnik löste die Röhre als maßgebliches Bauelement ab. 1957 wurde die Millionengrenze der angemeldeten Fernseher überschritten, 1958 fiel der Beschluss für ein zweites Fernsehprogramm.

Aus Schwarz/Weiß wird Farbe

1954 hielt das Farbfernsehen im NTSC-Verfahren in den USA seinen Einzug, stieß aber zuerst auf breite Ablehnung in der Bevölkerung, da die Geräte zu teuer (ca.1000 Dollar) und die Bildschirme zu klein (15 und 19 Zoll) waren. Um das Geschäft anzukurbeln entschied man sich, einen günstigen Massenfernseher zu bauen, der im Herbst 1956 unter der Bezeichnung "Aldrich" für unter 500 Dollar auf den amerikanischen Markt kam. Er ist zwar ein Tischgerät, hatte aber die Ausmaße eines Kühlschranks und wog ca. 100 kg. Neben dem VHF-Tuner besaß er auch schon einen UHF-Tuner. 1956 wurde er nach Kanada exportiert, da die Kanadier keine eigenen Farbfernseher hatten.

Farbfernsehen in Deutschland: Später aber besser

Der Start des Farbfernsehens in Deutschland ließ auf sich warten - fast 10 Jahre später kamen auch die Deutschen in den Genuss des Farbfernsehens - dafür aber mit wesentlich besserer Bildqualität in der Fernsehnorm PAL (Phase Alternating Line-Verfahren) - ohne die störenden Farbtonfehler des amerikanischen NTSC-Verfahrens. Das Jahr 1963 steht für den Sendebeginn des ZDF, 1964 sind schon zehn Millionen Geräte angemeldet und auf der 25. Großen Deutschen Funkausstellung startete Willy Brandt 1967 das Zeitalter der bunten Fernsehbilder. Noch vor 1967 kooperierten Telefunken, Blaupunkt, Nordmende und Siemens, um unter der Federführung von Telefunken ein gemeinsames "Einheitschassis" zu entwickeln, das in Hybridtechnik gefertigt wurde, d.h. sowohl mit Röhren als auch mit Transistoren).

Farbfernseher Telefunken "PALcolor 708 T" von 1970 (Bild: Eckhard Etzold)

Während die Eigenentwicklungen von Phillips und Saba mit jeweils 27 bzw. 28 Röhren auf dem Markt erschienen, benötigten die Geräte mit dem Einheitschassis nur noch 14 Röhren und kamen mit einem Zeilentrafo aus, der zugleich auch die Hochspannung für die Versorgung der Bildröhre lieferte. Die Geräte von Saba, Grundig, Metz, Loewe und Graetz enthielten getrennt einen Zeilen- und einen Hochspannungstrafo mit den jeweiligen Leistungsröhren, die frühen Apparate von Philips eine sogenannte Pumpschaltung mit zwei Zeilenendröhren an einem Zeilentrafo. Bereits in der zweiten Generation, ca. ab 1968 bis 1970 kamen die Geräte nur noch mit fünf Röhren aus. 1970 begründete ein Patent zweier Schweizer Physiker (M. Schadt und W. Helfrich) die Ära der Flüssigkristall-Bildschirme, die sich heute anschicken, die altgediente Bildröhre abzulösen. Seit 1975 ist eine Fernbedienung für TV-Geräte serienmäßig. 1977 wurde der Videotext von ARD und ZDF eingeführt.

Stereo und mehr

Ein zweiter Tonkanal erlaubte ab 1981 die Übertragung von Stereosendungen. Und zeitgleich mit dem Kabel-Pilotprojekt starteten 1984 auch die ersten privaten Programme. Zusammen mit den 1985 präsentierten Geräten für den direkten Empfang von Satelliten-Fernsehen waren dies die Voraussetzungen für die heutige Programmvielfalt. 1988 wurden erstmals mehr als vier Millionen Fernsehgeräte pro Jahr abgesetzt, 1989 mehr als fünf Millionen. Im November 1990 wurde die Nationale HDTV-Plattform Deutschland gegründet, mit dem Ziel, die Einführung des hoch auflösenden Fernsehens HDTV in Deutschland zu koordinieren. Dieses Projekt endete zunächst in der analogen Sackgasse. Aktuell läuft die HDTV-Einführung, diesmal unter digitalen Vorzeichen, auf vollen Touren (Schnee sat(t), digital und in HDTV, IMAX-Kino für zuhause, Jetzt treibt es das Fernsehen noch bunter!).

Aktueller Flachbildschirm aus dem Jahre 2006 (Bild: Panasonic)

September 1993 ist das Datum für die Gründung des europäischen DVB-Projekts (DVB = Digital Video Broadcasting). Der in diesem Kreis entwickelte technische Standard für digitales Fernsehen wurde 1995 für die ersten Ausstrahlungen verwendet, 1996 startete der erste Regelbetrieb in Deutschland. Mittlerweile ist er mit seinen Spezifikationen für Kabel, Satellit und die terrestrische Übertragung weltweit im Einsatz. Heute haben rund 98 % der deutschen Haushalte mindestens ein Fernsehgerät, 40 % davon besitzen sogar zwei oder mehr Geräte. Insgesamt rechnet die GFU mit rund 55 Millionen TV-Geräten in den deutschen Haushalten.

Die Menschen sehen heute im Durchschnitt pro Tag 232 Minuten fern (Die Welt glotzt in die Röhre). Die flachen Bildschirmtechnologien Plasma und LCD machen der Röhre ihren Platz im Wohnzimmer streitig. Das Fernsehen folgt der allgemeinen Digitalisierung der Medien. Es bietet heute ein breites Spektrum vom hoch auflösenden Fernsehen (HDTV) (Analog, Digital - sch...egal, Hauptsache TV-Gucken wird illegal!) bis zum Mobil-TV (Statt Gameboy: Zukünftig Fernsehen unter der Schulbank und im Büro?). Auch der Übertragung von Fernsehsignalen mittels Internet-Protokoll (IPTV) kommt langsam wachsende Bedeutung zu und spült ab Januar 2007 von ganz alleine Geld in die Kassen von ARD & ZDF (Das Internet wird gebührenpflichtig!,Was zahlt man ARD und ZDF ab 2007 für den Zugang zum Internet?).

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