Universal Soldier

01.10.2006

Science-Fiction, Kriegskino und Krieg der Zukunft. Teil 2: Der Mensch als Kampfmaschine

Leichensäcke mit den sterblichen Überresten eigener Soldaten bringen für die Militärs in westlichen Gesellschaften ein erhebliches Rekrutierungsproblem mit sich. Zumal der Berufssoldat möchte sein gutes Geld verdienen und es nach der Rückkehr vom Kriegsschauplatz auch ausgeben können. Kriegsopfer in fernen Ländern kann man aus dem Medienbild heraushalten. Trauer und Zorn von Angehörigen in der eigenen Gesellschaft lassen sich auf Dauer aber nicht verschweigen. Das Programm "Universal Soldier" verspricht Abhilfe: Der Hightech-Soldatenberuf ist ungefährlich. Das nahe Gefecht übernehmen Kampfroboter oder vielleicht sogar Klonkrieger. Was vor zwanzig Jahren noch reine Science-Fiction war, geht heute zum Teil schon in Serie.

Doch bietet der RMA-Soldat ohne Berufsrisiko Schutz gegen die Bereitschaft zum "Martyrium"? In der asymmetrischen Kriegsführung kann die Stärke eines technologisch unterlegenen Gegners ja gerade in der Todesverachtung seiner Kämpfer bestehen, und diese Antwort der Gegenseite wird durch die "Revolution in Military Affairs" - und jede andere auf Rüstungsüberlegenheit bauende Strategie - regelrecht herausgefordert. Welche ethischen Probleme birgt eine Maxime, nach welcher die Unversehrtheit der eigenen Soldaten das höchste Gut ist? Zumal im Kriegskino wird dieser Grundsatz inflationär beworben, wobei man für die Rettung bzw. Befreiung eines der eigenen Teammitglieder oft ganz selbstverständlich hundert oder viel mehr Opfer auf der Gegenseite in Kauf nimmt. Wie glaubwürdig ist schließlich die Aussicht, dass der Soldat der Zukunft nicht mehr zum Mittel für den Kriegszweck herabgewürdigt und dadurch seiner Menschlichkeit beraubt wird?

Die neue Ritterrüstung, oder: Der alte Traum von Unverwundbarkeit

Das Heilsversprechen ist also viel problematischer als es auf den ersten Blick scheint. Es beginnt vergleichsweise noch konventionell bei der Ritterrüstung. In spätestens zwanzig Jahren trägt der Soldat in modernen Armeen einen thermisch-aerodynamischen Kampfanzug, der selbsttätig Medikamente und Nährsubstanzen injiziert oder Blutungen stillt. Pneumatische Muskeln und künstliche Gelenke verpassen dem Elitesoldaten, ganz gleich wie schwer sein Marschgepäck sein sollte, am Boden Siebenmeilenstiefel. Die mobile EDV-Anlage ist gleichsam in der Brusttasche untergebracht. Das Material der Uniform weist nicht nur Kugelattacken ab, sondern schützt auch bei Angriffen mit ABC-Waffen.

Ein Beispiel dafür, wie die Notwendigkeit solcher Entwicklungen dem größeren Publikum plausibel gemacht wird, enthält die Comic-Verfilmung "Batman Begins" (USA 2005). In Batmans Rüstungsfabrik ist ein reißfester "Nomex-Spezialanzug" für die leichte Infanterie mit doppelter "Kevlar-Gewebebindung" und verstärkten Schweißnähten entwickelt worden. Das Material ist weitgehend feuerresistent und - abgesehen von Nahschüssen - kugelsicher. Ergänzend kommt als Umhang ein ultraleichter Spezialstoff aus der Fallschirmspringer-Forschung hinzu. Dessen Moleküle können durch einen Spezialhandschuh elektrisch aufgeladen und "starr" gemacht werden. So nimmt der Stoff jede gewünschte Form an. Die beiden zukunftsweisenden Produkte sind sehr teuer, aber auf keinen Fall zu teuer: "Ist das Leben eines Soldaten etwa keine 300 Riesen wert?"

Futur Soldier: Allsehend und selbst unsichtbar

Zur mobilen Ausrüstung des modernen Soldaten gehören außerdem Technologien, die seine Sinneswahrnehmungen potenzieren. Von herausragender Bedeutung ist dabei die Optik. In den Augenhöhlen des "Terminator" steckte schon 1984 Hightech. So weit gehen die Bestell-Listen des Militärs noch nicht: Nachtsichtgeräte besiegen die Dunkelheit. Röntgenaugen durchdringen alle Wände. Laserstrahlen bestimmen die Entfernungen. Kameraobjektive an der Waffe, die mit dem Visier verbunden sind, ermöglichen Winkelblick und Schusswechsel "um die Ecke". Spezialhelme mit Infrarotsensoren erkennen lebende oder bereits tote "Objekte" aus weiter Entfernung. Die horizontale und vertikale Vernetzung aller künstlichen Augen verschafft den großen Überblick. Am Ende steht eine Eigenschaft, die vormals Gott vorbehalten war. Der Soldat ist allsehend geworden. Paul Virilio spricht von der

Obszönität des militärischen Blicks, der sich zunächst auf die nähere Umgebung, dann auf die ganze Welt" richtet und in der Kunst besteht, "sich dem Blick des anderen zu entziehen, um selbst sehen zu können ZUKUNFTSKRIEG340

Dieses Prinzip der militärischen Wahrnehmung, "zu sehen und nicht selbst gesehen zu werden", entspricht, wie Rainer Gansera anmerkt, dem der Kamera. Der Bezug ist noch direkter: Kameratechnologie erschließt ja dem militärischen Betrachter, der selbst im geschützten Raum unsichtbar bleibt, die Sichtfelder. Eine Alternative oder Ergänzung zu dieser Strategie bietet die Tarnkappe aus alten Sagen und Märchenbüchern. Diese ist ernsthaftes Forschungsobjekt. Im James Bond-Film sind Chamäleon-Technologien schon realisiert. Die US-Army hat sich zur Entwicklung eines Chamäleon-Kampfanzuges im Rahmen des "Futur Warrior 2025 Concept" vom Film "Predator" (USA 1986) inspirieren lassen. (vgl. Teil 1) Vermutlich ließe sich ein ganzes Buch mit weiteren Beispielen aus dem Science-Fiction-Genre füllen. Im Vordergrund steht auch beim futuristischen Tarnanzug der Traum von Unverwundbarkeit, wobei die Ritterrüstung im Bedarfsfall gerade nicht mehr optisch Eindruck schinden soll.

Die Bedeutungsebenen der Unsichtbarkeitstechnologie liegen jedoch tiefer. In der Kinotrilogie "The Lord Of The Rings" ist Unsichtbarkeit eine Fähigkeit dessen, der die Macht trägt und sich also hinter ihr versteckt. - Der Film "They Live" (USA 1988) bietet mit Spezialbrillen, die die geheimen Strategien der Macht sichtbar machen, den Beherrschten das Gegenmittel an. - Bezogen auf den Krieg bedeutet eine Unsichtbarkeit der Akteure, dass das Subjekt des Tötens kein eigenes Gesicht mehr hat und dass es selbst vor dem "Auge, das alles sieht" verborgen bleibt. Wo es doppelte ethische Standards für das Zivilleben im eigenen Land und für auswärtige Kriegseinseinsätze gibt, muss die Verborgenheit des Soldaten bis ins Medienbild verlängert werden. Trotz inflationärer Kriegsberichterstattung vermag sich ja kaum jemand vorzustellen, wie die Soldaten des eigenen Landes auf fernen Kriegsschauplätzen wirklich Menschen töten. Im populären Kino thematisiert z.B. "Hollow Man" (USA 2000) den Wunsch nach Unsichtbarkeit. Die Videowerbung bewirbt diesen Titel mit einer verlockenden Botschaft: "Es ist faszinierend, was du alles tun kannst, wenn du dich nicht mehr im Spiegel sehen musst."

Konditionierung und Kampfdrogen

Ein bedeutsamer Teil der Militärforschungen bestand bzw. besteht darin, Strategien und Methoden zur Ausschaltung der natürlichen menschlichen Tötungshemmung zu entwickeln. Die entsprechenden Trainingsprogramme haben vom Zweiten Weltkrieg bis hin zum Vietnamkrieg die Tötungsrate der Soldaten mehr als vervierfacht. Sie fußen auf der Erkenntnis, dass jede seelisch gesunde Person einen unvorstellbaren Widerstand gegenüber der Tötung eines anderen Menschen in sich birgt. Der Preis, den desensibilisierte bzw. konditionierte Soldaten nach ihrer Kriegsheimkehr in Form so genannter "posttraumatischer Stress-Syndrome" bezahlen, ist entsprechend hoch. Alejandro Jodorowsky hat in seinem Meisterwerk "Montana Sacra" ("Subida Al Monte Carmelo", Mexiko 1973) die Kriegskonditionierung thematisiert: Eine "War Toys Factory" ist Vertragspartnerin der Regierung, deren Politik sie mit Computerprognosen über anvisierte Militärschauplätze und gezielten Kriegsspielzeugentwicklungen unterstützt. Zur Peru-Kampagne gehört z. B. ein Comic-Heft "Against The Peruvian Monster!" aus der Serie "Space Super-Hero! Captain, Captain". In einer Sonderabteilung sind Kinder durch Hirnverkabelungen mit Maschinen vernetzt, die über Elektrostöße bestrafen und belohnen. In fünfzehn Jahren, so heißt es als Kommentar zu diesem Vorgang, werden diese Kinder "Peruaner mit Vergnügen töten". Heute lassen PC-Simulationen, an deren Entwicklung die Unterhaltungsindustrie maßgeblich mitwirkt, die Elektrokabelmethode als sehr antiquiert erscheinen: "In 2002, a marine corps officer declared that the simulations perfected in Hollywood allowed soldiers to learn to kill more easily by imagining they were in a film."341 Die Produktion einer unschlagbaren Staatskillerin zeigt im Kino der Film "The Assassin - Point Of No Return" ("Codename: Nina", USA 1992), ein Remake nach Luc Besson.

Ausdrücklich befürwortet Andrew Marshall, seit den 1990ern ein Guru der "Revolution in Military Affairs" in den USA, "verhaltensmodifizierende Drogen, die 'biotechnisch veränderte Soldaten' hervorbringen sollen."342 Offenbar erhalten US-Kampfpiloten schon jetzt bei langen Einsätzen obligatorisch den Wachmacher "Dexedrin". Diese Praxis hat Jamie Doran 2003 in einem Dokumentarfilm behandelt. Sie wurde zum öffentlichen Thema, nachdem zwei US-Piloten "versehentlich" vier kanadische Soldaten in Afghanistan mit einem Bombenabwurf getötet hatten. Dass die meisten Amphetamine aggressionssteigernd wirken, ist jedem Drogenberater bekannt. US-Forschungseinrichtungen untersuchen die militärische Relevanz bestimmter Stresshormone, doch über weitergehende Studien im Sinne Andrew Marshalls gibt es allenfalls Spekulationen. Die Kombination von Drogengaben an Soldaten und computersimuliertem Kampftraining ist jedoch Thema z.B. im trivialen Science-Fiction-Thriller "Operation Sandman" (USA 2000, TV): Die in einem streng geheimen Militärprojekt verabreichten Psychosubstanzen sorgen nicht nur für eine enorm gesteigerte Ausdauer im Kampf, sondern verändern die gesamte Wirklichkeitswahrnehmung. In den Kinotiteln "The Manchurian Candidate" (2004) und "The Jacket" (2005) geht es um US-Golfkriegsveteranen von 1991, die man entweder mit Psychopharmaka von unbequemen Fragen abhält oder als Versuchskaninchen für tödliche Psychiatrieexperimente benutzt. Spezielle Kampfinjektionen sind obligat in "Universal Soldier" (USA 1992).

Gentechnisches Soldatenrecycling und Klonkrieger

Bislang noch wirklich exklusives Science-Fiction-Terrain betreten Kino- und Videofilme, die zur biochemisch bzw. genetisch veränderten "Kampfmaschine Mensch" vorstoßen, z.B. "Project Shadowchaser" (GB 1991), die von Roland Emmerich eröffneten drei Teile von "Universal Soldier" (USA 1992/1998), "Soldier" (USA 1998) von Paul Anderson und "Universal Soldier: The Return" (USA 1999). In "Project Shadowchaser" (1991) erläutert der vom Pentagon beauftragte Leiter eines milliardenschweren Forschungsvorhaben (Advanced Technical Research) zur Entwicklung der militärischen Killermaschine "Romulus" sein Vorhaben wie folgt: "Ziel des Projektes ist es gewesen, den perfekten künstlichen Krieger zu schaffen, intelligent, anpassungsfähig und genügsam, total unbelastet von irgendwelchen Moralgefühlen [...], einen Android, frei von all diesen lästigen sozialen und emotionalen Vorurteilen." In diesem Titel begegnet uns übrigens bereits das Modell des Tiefkühl-Strafvollzugs, das zuletzt "Minority Report" weiter verfeinert hat. Im Jahr darauf folgt "Universal Soldier" über die regenerative bzw. gentechnische "Verarbeitung" der eingefrorenen Leichen von gefallenen US-Soldaten zu Elitesoldaten bzw. Killermaschinen, die via Funk und Kameraaugen mit einer Computerzentrale vernetzt werden. Unter den "Objekten", die mit Hilfe einer speziellen Intensivmedizin immer wieder "feldtauglich" gemacht werden, befinden sich die konservierten Körper eines "guten" und eines sadistischen Vietnamkämpfers. Emmerichs Filmbeitrag fragt im Jahr des ersten Golf-Krieges der USA: Wird der Soldat der Zukunft dem Massakersoldaten aus Vietnam oder dem "moralischen" Gegenspieler des Massakertypus nachfolgen? Die Entscheidung fällt - wenig überzeugend - am Fleischwolf.

In "Soldier" (1998) von Anderson geht es dann zunächst noch um Mitglieder einer Soldatengeneration, die über Zuchtauswahlverfahren in einem militärischen Projekt zu den besten Kämpfern ihrer Zeit herangezogen werden. Die Formung beginnt noch vor der Geburt. Der Titelheld ist im Jahr 1996 geboren und gehört dieser Spezialeinheit an. Vier Jahrzehnte später gibt es jedoch ein überlegenes neues Soldatenmodell, das vollständig gentechnologisch produziert wird. Die Sympathie des Zuschauers gilt dem "Soldier" des Jahrgangs 1996 und den Menschen, die durch seine Kampfkunst gerettet werden sollen. Was geschieht, wenn es einmal nicht nur die intergalaktischen Klonkrieger aus der Science-Fiction, sondern echte geklonte Menschen gibt? Bedenkenlos postuliert der Schwarzenegger-Film "The 6th Day" (USA 2000), man könne Menschenklone einfach mit dem Auto überfahren und als Matsch zurücklassen. Science-Fiction-Titel wie "Code 46" (GB 2004) oder "The Island" (USA 2005) regen uns an, das kommende gentechnische Zeitalter ernsthaft zu bedenken und dabei schon heute überzeugende ethische Betrachtungsweisen zu entwickeln. In der Comic-Verfilmung "Fantastic Four" (USA/BRD 2005) führen kosmische Strahlen im Rahmen eines Weltraumforschungsprojektes bei den Beteiligten zu phantastischen genetischen Mutationen. Im Grunde verkörpert jetzt jeder im Quartett ideale Fähigkeiten eines Zukunftssoldaten: unbegrenzte Muskelkraft, Unsichtbarkeit, Dehnbarkeit (Beweglichkeit, räumliche Anpassung) und Feuerresistenz (gepaart mit der Fähigkeit, zu fliegen). Der fünfte Mutant ist der "Böse". Sein Körper hat sogar ein integriertes Waffensystem.

Mikrochips, Hirnimplantate und Maschinensymbiose

Genau dies wäre denn auch die nächste Steigerungsstufe, zu der Jonathan Demme mit "The Manchurian Candidate" (USA 2004) eine fiktionale Etappe anbietet. Der Film, ein Remake des gleichnamigen Klassikers von John Frankenheimer aus dem Jahr 1962, macht uns mit folgender Geschichte bekannt: Die Soldaten einer 1990/91 in Kuwait eingesetzten US-Einheit sind, wie aus Rückblenden hervorgeht, mit Hilfe von Hypnose, implantierten Elektronik-Chips, Gehirnsonden und Gentechnologie in willenlose Werkzeuge bzw. Killerinstrumente verwandelt worden. Sie lassen sich fortan per Handy fernsteuern. Im Hintergrund stehen eine rechtsradikale (bzw. "neokonservative") Politikerin und der Konzern "Manchurian Global", der vor allem mit privatisierten Kriegsdienstleistungen viel Geld verdient und über die nötigen Mittel zur Entwicklung der elektronischen Hirnimplantate verfügt. Zu den beteiligten Wissenschaftlern gehört ein Kriegsverbrecher aus Südafrika, den auch die CIA bereits früher im Dienste "psychologischer Kriegsführung" konsultiert hat. Natürlich könnte man dies alles ganz vordergründig im Licht von Scientology-Verschwörungsthesen betrachten. Anders gestaltet sich wohl die Rezeption aus der Sicht von Soldaten, die bezweifeln, dass es im RMA-Zeitalter vor allem auch um ihr Wohl geht.

Im Film "The Terminator" (1984) werden den Menschen spezielle Codes zur Identifizierung noch auf altertümliche Weise aufgebrannt. Im Internet kursieren schon heute Meldungen über "radio frequency identification chips" (RFID-Chips), die Soldaten implantiert werden können und z.B. von "VeriChip Corp." in der Hoffnung entwickelt werden, mit dem Pentagon ins Geschäft zu kommen. Elektronik kann, wie es Filme spätestens seit den 90er Jahren durchspielen, dem Menschen implantiert werden und dann mit Nervensynapsen eine Systemeinheit bilden. "Menschliches" kann aber auch - wie im Film "RoboCop" (USA 1987) von Paul Verhoeven - in eine Robotersymbiose eingefügt werden, wobei im Zeitalter der Stammzellenforschung zusätzlich auch an menschliche "Ersatzteile" aus der Zellproduktion gedacht werden könnte.343 Die Überlegenheit der Symbiose ist ja bereits im "Terminator" erwiesen. Das Drehbuch zum ersten "RoboCop"-Film enthält Optionen für die Verwendung von "halbmenschlichen" Roboter-Cops im Rahmen einer zwischenzeitlich privatisierten Polizei. Die Herstellerfirma des besagten "Produkts" entwickelt aber auch Kampfmaschinen für das Militär.

Der archaische Krieger im Hightech-Zeitalter

Von seelenlosen Robotern ist freilich im klassischen Kriegskino keine Rede. Das Marine Corps, so heißt es noch ausdrücklich in "Full Metal Jacket" (USA 1987), braucht furchtlose Killer, die Blut sehen wollen, unzerstörbare Männer, die am Ende bereit sind, "ihre eigenen Eingeweide zu fressen und noch einen Nachschlag zu verlangen." Captain Kurtz aus Coppolas "Apocalypse Now" (USA 1979/2000) postuliert in einem Zuge "militärische Schulung" und "ursprüngliche Instinkte". Aus dieser Mischung entsteht das enthemmte Ungeheuer. Echte Muskeln und die alte Leier von Soldatenehre wird man trotz aller technologischen Revolutionen weiterhin brauchen, um die Kriegsmaschine am Laufen zu halten. Deshalb brauchen die Liebhaber des überkommenen Bellizismus keine "Intellektualisierung" des Kriegsfilm-Genres zu befürchten. Wenn George Lucas den mittelalterlichen Ritter zur zentralen Heldengestalt im intergalaktischen Sternenkampf zukünftiger Jahrhunderte macht, hat er verstanden, dass man allein mit Informatikern, Ingenieuren und anderen Wissenschaftlern im Kino nicht Krieg führen kann. Auch die jungen Militärprofis der RMA-Generation sind, wie "Space Cowboys" (USA 2000) nahelegt, noch immer auf die Erfahrung und Instinktsicherheit der alten Hasen angewiesen. Im Film "The Last Samurai" (USA 2003) ist der US-Bürgerkriegsveteran Nathan Algren mit der Aufgabe betraut worden, an der Schwelle zum 20. Jahrhundert bei der technologischen Modernisierung der kaiserlichen Armee Japans mitzuwirken. Wir brauchen, so sagen Militärstrategen, im Kontext der militärischen Hightech des dritten Jahrtausends wieder den archaischen Krieger , der seiner Aufgabe bedingungslos ergeben ist. Die dafür notwendige Kombinationswaffe hat US-Captain Algren als Abschiedgeschenk vom großen Samurai Katsumoto erhalten: "Ich bin das Schwert des Kriegers344, in dem sich die alten Werte mit den neuen vereinen."

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Batmans Rüstungsfabrik

Peter Bürger 16.09.2006

Science-Fiction, Kriegskino und Krieg der Zukunft. Teil 1: Fiktionen unter dem Vorzeichen der "Revolution in Military Affairs"

Film-Fiktionen über die Zukunft unserer Spezies sind keineswegs nur unterhaltsame Spielereien. Sie sagen etwas aus über das Selbstverständnis der menschlichen Zivilisation, über deren Träume und Ängste, über vorherrschende Denkrichtungen und reale technologische Entwicklungen. Sie können unsere Phantasieräume erweitern oder begrenzen. Sehr viele Science-Fiction-Filme gehören im Grunde zum Kriegskino. Daneben gibt es Kriegs- oder Agentenfilme mit futuristischen Elementen, die Berührungspunkte zum Science-Fiction-Genre aufweisen. Kritische Potenzen sind aus der Geschichte von Science-Fiction nicht wegzudenken, doch sie spielen in der kommerziellen Massenkultur der Gegenwart keine nennenswerte Rolle. Durchgesetzt haben sich vor allem solche Filmbeiträge, die sich der "Logik" des militärischen Denkens unterwerfen. Filmische Fiktionen und die Ideologie einer durch "Zukunftstechnologie" revolutionierten Kriegsführung gehen Hand in Hand.

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