Keine Skrupel, sondern Quadrupel

Aus "Triple Play" wird "Quadruple Play": Fernsehen, Internet, Festnetztelefonie und Mobilfunk

Die Konvergenz der Medien führt zum Umbruch im Kabelnetz-, Telekommunikations-, Fernseh- und Internetmarkt – die Anbieter wollen sich nicht mehr mit einem Teil des Kuchens zufrieden geben, sondern bei ihrem Kunden ein persönliches ino-Versorgungs-Monopol aufbauen. "Triple Play", die Kombination von Telefonie, Internet und TV wird deshalb nun im nächsten Schritt erweitert um Mobilfunkanwendungen. Für den Kunden soll damit eine einfache Möglichkeit geschaffen werden, einen Rund-um-Service aus einer Hand zu abonnieren.

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Die Konkurrenz ist groß – die verschiedenen Medien und Dienste konkurrieren inzwischen bei vielen Funktionen um die Aufmerksamkeit der zukünftigen Nutzer. Information, Kommunikation und Entertainment fließen immer mehr ineinander und da die Freizeit des Menschen begrenzt ist, kann er normalerweise nur entweder fernsehen, im Internet surfen, chatten und Mails verschicken oder telefonieren – die Möglichkeiten, dies gleichzeitig zu tun, sind eher begrenzt (Telekommunikativ überfordert?). Und obwohl nun beispielsweise Fernsehen und E-Mail zwei völlig verschiedene Dinge sind, sieht das Fernsehen trotz bislang gleichbleibender oder gar steigender Zuschauerzeiten (Die Welt glotzt in die Röhre) seine Macht schwinden, weil so mancher vom passiven Zuschauer zum aktiven Internetnutzer wird.

Dass andererseits übers Internet auch Fernsehen übertragen werden kann, ist zwar bislang für den Normalbenutzer eher unwichtig, für die TV-Anbieter dagegen interessant, um so ihren Wirkungskreis bei Bedarf weltweit ausdehnen zu können und im Falle der öffentlich-rechtlichen Sender nun auch für Internetverbindungen Rundfunkgebühren verlangen zu können (Was zahlt man ARD und ZDF ab 2007 für den Zugang zum Internet?). Und es bietet den Telekommunikations- und Kabelanbietern die Möglichkeit, so kurzerhand alle Dienste mehr oder weniger gut (Ein Versuchslabor, um heiße Luft abzulassen) mit einer Technologie abdecken zu können, also mit einem Kabel dem Kunden gleich Fernsehen, Internet und Telefon verkaufen zu können, dem sogenannten "Triple Play", und dafür natürlich auch dreimal zu kassieren.

Einen so genannten "Quadplay-Monitor" bietet das Münchner Beratungsunternehmens PBS. Dies ist allerdings kein Bildschirm, sondern eine kontinuierliche, vierteljährliche Marktbeobachtung, die eine transparenten Übersicht über Anbieter, Produkte, Preise und Bundles liefern soll. (Bild Vitolini/PBS)

Das Verhalten der Konsumenten wird im Zeitalter derart konvergierenden Anwendungen für die Anbieter immer schwerer kalkulierbar, treue Kunden in diesem Sinne gibt es immer weniger; entscheidend werden die Preisgestaltung und die Inhalte sein, um einen neuen Kunden nicht nur zu gewinnen, sondern auch zu halten. Der Telefoniesektor alleine setzt in Deutschland mit 50 Milliarden Euro pro Jahr übrigens bereits zehnmal so viel um, wie der gesamte Medienmarkt. Dass ARD und ZDF unter dem Stichwort "dritte Programmsäule" so scharf auf das Internet sind, der Natur nach ein Telekommunikations- und nicht ein Massenmedium, wird so verständlicher: Sie können auf diese Weise einen Fuß in die im Gegensatz zu Radio und Fernsehen auch nach der Dotcomkrise immer noch wachsende Telekommunikationsbranche bekommen, auch wenn sie heute keine eigenen Kabelnetze mehr betreiben wie es beispielsweise der Westdeutsche Rundfunk in Pilotprojekten einst tat.

Die Marktforschungsinstitute Solon und Gartner prophezeien den Kabelnetzbetreibern daher enorme Wachstumschancen durch den Einstieg in die Telefonie, doch umgekehrt profitieren natürlich auch klassische Telefonieanbieter wie die Telekom vom Geschäft mit Internet und zukünftig eventuell auch IP-TV.

Quadruple-Play in Deutschland

Noch läuft die Vermarktung des Dreifach-Service "Triple Play" vor allem bei Kabel Deutschland auf Hochtouren, doch im Hintergrund arbeitet man schon daran, den bestehenden Dienst gemeinsam mit dem Partner E-Plus zu erweitern, um noch die eine Komponente nachzurüsten, die die TV-technisch allerdings unterbelichteten (Ist es Vodafone Live - oder doch nur eine Aufnahme?) Triple-Play-Angebote der Mobilnetzbetreiber (Die Telekommunikationsnetze wachsen zusammen) dem TV-Kabel voraushaben: Mobilität, die Möglichkeit, das Angebot auch außerhalb der eigenen vier Wände zu nutzen.

Für Kabel Deutschland mit fast zehn Millionen bietet E-Plus, drittgrößter Mobilfunkanbieter, mit fast 12 Millionen Kunden eine hohe synergetische Basis. Aber auch die Deutsche Telekom rüstet sich für diesen Wettbewerb, im Mittelpunkt der neuen Strategie steht die Bündelung von Mobilfunk, Festnetz, Internet und Unterhaltungsinhalte, das ganze mit einer neuen attraktiven Preisstruktur. Mit der immer noch deutlich größten Kundenbasis aller Anbieter keine schlechte Ausgangssituation, zumal sie auch als Marke eine sehr starke, wenn auch durch überzogene Prozesse (Mit G-Online gegen T-Online) mitunter schon ins Lächerliche gezogene Position einnehmen und das Vertrauen vieler Kunden genießen.

Auch Konkurrent Vodafone mischt nun mit seiner Festnetztochter Arcor mit, genauso wie der spanische Telekommunikationskonzern Telefonica mit seiner Tochter O2 Deutschland in Kürze unterschiedlich geschnürte Pakte aus Festnetzrufnummer, Handy und Internet per DSL aus einer Hand anbieten will – den nächsten Schritt mit wettbewerbsfähigen Fernsehinhalten gilt es allerdings noch zu bewältigen.

Die United Internet AG mit ihrer Tochter 1&1 ist, was Film-Inhalte angeht, schon einen Schritt weiter und bietet unter der Produktbezeichnung 3DSL einem Highspeed-DSL-Netzanschluss, eine DSL- und Telefon-Flatrate sowie eine Movie-Flat für das mit ProSiebenSat.1 gemeinsam betriebene Video-on-Demand-Portal Maxdome an.

Quadruple Play in Großbritannien

Großbritannien scheint sich bei der Umsetzung der Konvergenz-Strategien durch die Telekommunikationsdienstleister zum Vorreiter in Europa zu entwickeln. Nicht nur das Angebot selbst wird dort vermarktet, auch der harte Konkurrenzkampf der unterschiedlichen Branchen um den Kunden hat bekommen. Orange, ein Unternehmen der France Telecom, hat in Großbritannien einen kostenlosen Breitbandzugriff im Festnetz für Kunden angekündigt, die einen bestimmten Mindestbetrag für mobile Sprach- und Datendienste ausgeben. Damit wird das kostenlose Breitband zunehmend Realität, weitere Netzbetreiber werden darauf entsprechend reagieren, zum Nutzen der Kunden, die in dieser Preisschlacht momentan die Gewinner sind.

Der britische TV-Kabelnetzbetreiber NTL, der den Mobilfunkbetreiber Virgin Mobile übernommen hat, startete vor einem Monat mit einem eigenen Quadruple-Play-Angebot, das für 40 Pfund neben dem Festnetz- und Mobilfunkanschluss mit einer entsprechenden Anzahl an Freiminuten auch 30 digitale TV-Programme und eine Internet-Flatrate enthält. Das spanische Telekommunikationsunternehmen Telefonica hat im vergangenen Jahr das britischen Mobilfunk-Netzbetreiber O2 übernommen (und damit eben auch dessen deutsche Tochter), um im selben Segment mobile und festenetzbasierte Dienste in Großbritannien (und Deutschland) anbieten zu können.

Neben diesen Anbietern stehen auch die British Telecom (BT), Vodafone und die Deutsche Telekom, die bereits mit T-Mobile in Großbritannien präsent ist, in den Startlöchern, um in diesem hart umkämpften Markt mitzumischen.

Alles Quadruple oder was?

Während das Jahr 2006 für die Netzbetreiber, ob Kabel oder Telekommunikation, noch im Zeichen der Triple-Play-Angebote steht, könnte das kommende Jahr das Jahr von Quadruple-Play sein. Allerdings gilt es, noch einige Hürden rechtlicher, technischer und inhaltlicher Art zu überwinden – und es ist auch nur die Sicht der Anbieter, die dem Kunden alles aus einer Hand liefern wollen: Wenn es die Leitungen nur irgendwie her gäben, würden sie auch noch Wasser, Strom, Abwasser und Gas darüber schicken und dann mit Grundgebühren im dreistelligen Bereich "Octable Play" bieten – Geld stinkt schließlich nicht.

Der Kunde hat dagegen das Problem, von technischen Problemen wie Netzüberlastungen mit Einschränkungen oder Komplettausfall der TV-Versorgung ganz abgesehen, mitunter proprietär veränderte Hardware oder Einschränkungen der Dienste hinnehmen zu müssen (keine Sparvorwahlen beim Telefon, keine Router für den Internetzugang, kein Pay-TV anderer Anbieter...) und vor allem bei einer technischen Störung oder Unstimmigkeiten um die Abrechnung gleich alle Dienste auf einmal zu verlieren und dann die Hotline des Anbieters weder per Telefon, Fax, E-Mail noch Handy erreichen zu können.

Um die dennoch möglichen Störungen des geregelten Arbeitsablaufs durch Anrufe empörter Kunden aus öffentlichen Telefonzellen verhindern zu können, benutzen etliche Anbieter mittlerweile auch Premium-0900-Nummern für die Hotlines. Da kann man als Kunde nur auf gutmütige Nachbarn hoffen, die einen mal eben eine halbe Stunde nach 0900 telefonieren und in der Warteschleife abhängen lassen…

http://www.heise.de/tp/artikel/23/23731/1.html
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