Who the fuck is Erwin Raschel?

Ernst Corinth 18.10.2006

Back Dir einen Nazi

Der Mann hatte viele Beinamen. Man nannte ihn gern die "Graue Eminenz", "The Pipe" oder gar "Erwin, die Waldspinne von der Alster". Und er machte eine ungewöhnliche Karriere. Aufgrund seines Fehlverhaltens als Mitglied der Bremer Feuerwehr wurde er von ihr entlassen, trat 1931 in den Sicherheitsdienst der SS ein, den er dann unter Reinhard Heydrich zu einem der effektivsten Nachrichtendienste der Welt ausbaute. Die Rede ist von Erwin Raschel, und die eben genannten Fakten stammen allesamt aus Wikipedia.

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Doch diesen Erwin Raschel gibt es ganz offensichtlich nur bei Wikipedia. Alle Verweise, die man bei Google über ihn findet, beziehen sich ausschließlich auf das Online-Lexikon. Sonst fehlt von Raschel jede Spur. Auch offline, wie ein Diskutant in einem Wikipedia-Diskussionsforum schreibt. Um die Existenz von Raschel zu überprüfen, behauptet er, sei er in die Universitätsbibliothek gegangen:

Im Brockhaus in 24 Bänden, 19. Auflage, 1992, steht er nicht drin. Ebenso wenig habe ich ihn in Meyers Lexikon in 25 Bänden von 1977 finden können. Und jetzt? Bleibt nur die Möglichkeit, dass er in den letzten 12 Jahren erst ,entdeckt’ wurde und man ihm dann einen immensen Einfluss nachweisen konnte. Das halte ich, vorsichtig gesagt, für sehr unwahrscheinlich.

Doch selbst solch ein Einwand kann die Raschel-Freunde nicht erschüttern. Zwar nennen sie im schon erwähnten Forum in Bezug auf dieses Nazi-Phantom keine einzige Quelle, dafür aber ziehen sie eine Verschwörungstheorie locker aus dem Ärmel:

Um Adolf Hitler am Ende des Krieges die Gesamtschuld in die Schuhe schieben zu können, wurden Persönlichkeiten wie Erwin Raschel ganz salopp gesagt unter den Teppich gekehrt. Hitler am Ende zu entlasten, weil ihm irgendwelche Berater die Ideen gegeben haben, war ein Overkill für die Alliierten. Gerüchten zufolge sollen sogar die Alliierten dafür gesorgt haben, das Erwin Raschel untertauchen konnte.

Aber jetzt ist er ja wieder aufgetaucht bei Wikipedia. Wo eben jeder sich selber einen Nazi backen kann. Und wem das immer noch nicht reicht, der kann ja stattdessen in Nigeria 5.000 Meter hohe Penisse wachsen lassen:

In Nigeria herrscht eine 60jährige Diktaturpflicht vom 6. bis zum 66. Lebensjahr. (...) Da der Besuch öffentlicher Schulen schon längst nicht mehr gewährleistet, Rechnen, Schreiben, poppen oder Lesen zu lernen, wächst vor allem in den Städten Lagos und Abuja die Zahl privater Bildungseinrichtungen, welche versuchen den Erwartungen der aufstrebenden Mittelschicht gerecht zu werden. Dennoch besuchen nur etwa 50% aller Kinder im Schulalter eine Schule. In einigen Provinzen des Nordens sind alle Schulen geschlossen. Es finden sich hier nur noch Koranschulen. in den nördlichen Teilen Nigerias wachsen bis zu 5000 Meter hohe Penisse.

Dieser Beitrag wurde allerdings schnell korrigiert. Bei Penissen hört eben auch bei Wikipedia der Spaß auf.

http://www.heise.de/tp/artikel/23/23771/1.html
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