"Dicke Luft" an der "Penne"
Nicht nur in Bürogebäuden herrscht das "Sick Building Syndrom"
Das so manchem Schüler die Schule gewaltig stinkt, ist durchaus nicht nur im übertragenen Sinn zu verstehen: wissenschaftliche Untersuchungen der bayrischen Behörden haben ergeben, dass besonders im Winter die Luftqualität in Klassenzimmern unzureichend ist.
Seit Jahrzehnten wird gepredigt, dass Zimmer durch sogenannte "Stoßlüftung" mit Frischluft versorgt werden sollen: Fenster einmal kräftig aufreißen, durchlüften, Fenster wieder schließen. Gemacht wird es selten, in Büros und Schulen finden sich stattdessen reihenweise die gekippten Fenster, die für Energieverschwendung und kalte Füße sorgen, doch den Mief im Raum lassen. Während dies in Privaträumen mit zwei oder drei Bewohnern nur dann ein Problem wird, wenn diese auch noch starke Raucher sind, ist der Luftverbrauch in Büros und erst recht in Schulen deutlich höher: bis zu 45 Schüler und ein Lehrer drängen sich mitunter in ein Klassenzimmer.
Schüler und Auszubildende verbringen ein Drittel bis die Hälfte ihrer Tageszeit in Schulen bzw. Ausbildungsstätten. Die Schüler haben dabei jedoch je nach ihrem Alter und dem Autoritätsgrad der Lehrkraft wenig Einfluss auf die Luftqualität, und auch nur wer direkt am Fenster sitzt, kann selbiges einfach mal so öffnen, ohne sich Ärger zu holen. Der Rest verbringt im Winter den Tag nach dem Motto "Erfroren sind schon viele, aber erstunken ist noch keiner".
"Wenn alles schläft und einer spricht, dann nennt man dieses Unterricht!"
Dass Schüler im Unterricht einschlafen, liegt zwar oft an zu viel abendlichem Fernseh- oder Internetkonsum und an den Differenzen zwischen dem persönlichen Wachrhythmus der Schüler und den offiziellen Öffnungszeiten der Schule (Der frühe Vogel fängt nicht immer den Wurm). Schlechte Luft trägt jedoch auch ihren Teil dazu bei, dass die "Penne" ebenso heißt.
Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit ging nun der Luftqualität in Klassenräumen wissenschaftlich auf den Grund, und zwar im Winter in 92 Schulklassenräumen von 46 Schulen und im Sommer in 76 Klassenräumen von 38 Schulen, wobei darauf geachtet wurde, zwecks Vergleichbarkeit möglichst dieselben Schulen zu vermessen, bei denen es sich um Grundschulen und weiterführende Schulen in der Landeshauptstadt München und im Landkreis Dachau handelte.
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| Extremwerte in Berlin: Ergebnisse einer Untersuchung in 40 Berliner Schulen, bei der Maximalgehalte von bis zu 10700 ppm Kohlendioxid gefunden wurde. In dieser Studie wurde in 87 % der Klassenräume die Pettenkoferzahl überschritten (Bild: nach Lahrz et al. 2003) |
Der offensichtlichste Wert für die Luftqualität ist deren CO2-Anteil, das vom Menschen ausgeatmete Gas, die "verbrauchte Luft". Kohlendioxid, CO2, ist ungiftig, natürlicher Bestandteil in der atmosphärischen Luft (ca. 0,03 Volumen-Prozent, entspricht 300 ppm) und durch den "Treibhaus-Effekt" bekannt geworden, wenn durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe dieser natürliche Anteil erhöht wird. In Innenräumen ist die Konzentration jedoch immer höher: Ein erwachsener Mensch atmet je nach Art der Tätigkeit und der körperlichen Aktivität zwischen 10 und 200 Litern pro Stunde aus. Erste deutliche Wirkungen auf die menschliche Gesundheit werden ab etwa 5000 bis 10000 ppm CO2 (0,5 bis 1,0 Volumen-Prozent) beobachtet, oberhalb von 30000 bis 40000 ppm kann es zu Kopfschmerzen, Schwindel, Ohrensausen und Herzklopfen kommen, lebensgefährlich wird es erst über 100000 ppm, die in Innenräumen jedoch normal nicht erreicht werden. Zudem reagiert der Körper im Gegensatz zum giftigen Kohlenmonoxid auf hohe Kohlendioxid-Konzentrationen rechtzeitig mit einem deutlichen Bedürfnis nach Frischluft.
Zur hygienischen Beurteilung von Innenräumen hat Max Josef von Pettenkofer im ausgehenden 19. Jahrhundert bereits entsprechende Standards vorgeschlagen, wozu die nach ihm benannte sogenannte "Pettenkoferzahl " von 1000 ppm (0,1 Volumen-Prozent) CO2 gehört, ein lufthygienisch noch akzeptabler Bereich. Wird sie überschritten, lässt das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit nach und die Müdigkeit steigt. Nach der Lüftungsnorm DIN 1946 Teil 2 soll ein Wert von 1500 ppm (0,15 Volumen-Prozent) CO2 nicht überschritten werden, an Arbeitsplätzen ist derzeit ein Grenzwert (sogenannte Maximale Arbeitsplatzkonzentration, MAK) von 5000 ppm (0,5 Volumen-Prozent) festgelegt.
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Ein erwachsener Mensch benötigt in einem Innenraum pro Stunde etwa 32 m3 Frischluft, um unter der Pettenkoferzahl (1000 ppm) zu bleiben. Umgerechnet entspricht dieser Wert etwa 9 Litern je Sekunde. Erlaubt man zwecks Energieeinsparung einen höheren Wert von 1500 ppm, sind immer noch 5,2 Liter Frischluft je Sekunde erforderlich.
In den bayrischen Schulen wurden zwar nicht wie in einer älteren Untersuchung in Berlin die Arbeitsgrenzwerte von 5000 ppm CO2 überschritten, doch mit einem Mittelwert zwischen 598 und 4172 ppm im Winter fast erreicht - die Pettenkoferzahl von 1000 ppm wurde in 92% der Fälle überschritten. Im Sommer sah es mit 480 bis 1875 ppm und 28% Überschreitung der Pettenkoferzahl deutlich besser, wenn auch immer noch verbesserungswürdig aus.
Neben dem Kohlendioxid wurde die Luft auch auf andere, ungesündere Bestandteile wie Feinstaub, Grobstaub, organische Lösungsmittel, Bakterien, Katzenallergenen oder Formaldehyd untersucht. Hier ergaben sich keine alarmierenden Ergebnisse, die Partikelanzahl beim Grobstaub war jedoch relativ hoch. Als Ursache vermutet die Studie eine unzureichende Reinigung der Klassenräume. Das Projekt Pamina soll dies weiter untersuchen.
http://www.heise.de/tp/artikel/23/23825/1.html- Friedensangebot akzeptiert :) (27.10.2006 21:59)
- Sein Problem ist nicht (27.10.2006 21:34)
- Toll, (27.10.2006 21:29)
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