"Der große Prophet 2"

02.11.2006

Iran veranstaltet als Antwort zum US-Manöver ebenfalls ein Manöver am Persischen Golf

Am 2. November begann als Reaktion auf die am 30. Oktober 2006 von den USA und Verbündeten begonnene Übung "Leading Edge" im Rahmen der Proliferation Security Initiative (US-Großmanöver am Persischen Golf) das iranische Militärmanöver "Der große Prophet 2", bei dem u.a. mehrere Mittelstreckenraketen der Typen Shahab-3 und Shahab-2 mit einem scharfen konventionellen Sprengkopf abgeschossen wurden.

General Safavi erläutert die iranische Truppenübung. Foto: MehrNews

Wie der Oberkommandierende der Iranischen Revolutionsgraden General Major Seyed Yahya Rahim Safavi am 1. November bekannt gab, werden diese Manöver nicht zu Lande, sondern auch zur See im Persischen wie auch im Golf von Oman stattfinden.

  1. "The ground, air, and naval forces of the Revolutionary Guards and Basij (volunteer) forces will conduct a war game codenamed the Great Prophet (S) 2 with a focus on the Persian Gulf and the Oman Sea," Safavi told reporters at a news conference.
  2. The Iranian-made Shahab-3 is to be test-fired for the first time during a maneuver.
  3. The main goal of staging the maneuver is to demonstrate the country’s military power and national determination and to practice defending the country against any possible threat, he said.

Dieses mittlerweile dritte große iranische Militärmanöver in diesem Jahr nach den Manövern "Der große Prophet" im April 2006 und "Zolfaghar Blow" (Der Hieb von Zolfaghar, das Schwert des Propheten) im August 2006 wird diesmal vor allem auch ein Konfrontationspotenzial besitzen, da vermehrt mit der Operation von iranischen maritimen Einheiten zu rechnen ist. Die Rede ist ebenso vom Einsatz von Helikoptern, Kampfflugzeugen sowie von Drohnen im Persischen Golf.

Wie kürzlich hier dargestellt wurde, befindet sich abseits der PSI-Übung, die zum Abfangen eines unbewaffneten Frachtschiffes keiner großen bewaffneten Verbände bedarf, eine mittlerweile erhebliche Ansammlung von US-Marinestreitkräften mit drei Trägergruppen sowie mit zahlreichen mit Lenkwaffen ausgestatteten Plattformen in der Region.

Im Rahmen der iranischen Truppenübung wurden Raketen abgefeuert. Foto: FarsNews
  1. Die Flugzeugträgergruppe USS Enterprise, die vor wenigen Tagen sich noch im Hafen von Dubai befand.
  2. Die Flugzeugträgergruppe USS Eisenhower. Die von mir vor zwei Tagen aufgestellte Behauptung, diese sei von Zypern durch den Suez-Kanal zum Persischen Golf unterwegs, wurde amtlicherseits durch ihr Eintreffen dort bestätigt. Im Pentagon-Jargon wurde ihre Anwesenheit als maritime security operation (MSO) bezeichnet. Als hintergründige politische Mission wurden in derselben Presseerklärung das "Offenhalten internationaler Gewässer" sowie der "freie Warenverkehr" genannt.
  3. Die Heli-Plattform USS Iwo Jima, bei der es sich um eine amphibische Angriffsplattform handelt.
  4. In wenigen Tagen ist das Eintreffen der USS Boxer-Gruppe im Golf zu erwarten.

Iranische Regierungsvertreter hatten in den letzten Tage den US-Truppenaufmarsch als "Provokation" oder "Abenteurertum" bezeichnet. Die Ankündigung des iranischen Militärmanövers ist jedoch keinesfalls überraschend, sondern folgt der Logik einer symmetrischen Eskalation.

Zeitgleich sind aus dem Weißen Haus Vorwürfe an Iran und Syrien erhoben worden, gemeinsam mit der Hisbollah die libanesische Regierung stürzen zu wollen. Iran plant den Sturz der libanesischen Regierung gibt die Welt angebliche "Erkenntnisse westlicher Geheimdienste" wieder.

Georg Schöfbänker ist Politikwissenschafter und betreibt das Österreichische Informationsbüro für Sicherheitspolitik und Rüstungskontrolle in Linz.

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