Kompaktknipse mit Anspruch

Wolf-Dieter Roth 17.11.2006

Panasonic DMC-LX2: Digital-Breitbild-Taschenkamera mit der Möglichkeit zum Handbetrieb

Wenn ambitionierte Fotografen in Urlaub gehen, nehmen sie die komplette Spiegelreflexausrüstung mit – sofern sie sich gerne dumm und dämlich schleppen und in dunklen Gassen um ihr Leben fürchten wollen. Doch die besten Fotos entstehen oft, wenn man gar nicht damit gerechnet und deshalb auch nur eine einfache Kamera dabei hat. Blöd allerdings, wenn diese dann außer dem Knopf zum Auslösen nicht viel zu bieten hat. Die Panasonic DMC-LX2 ist hier eine positive Ausnahme.

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Zugegeben, die Jubelei über das neue Breitbildformat von 16:9 hatte uns bei der Präsentation der neuen Kamera wenig beeindruckt (Digitale Wölfe im analogen Schafspelz). Außerdem war Panasonic bislang auch nicht besonders für gute Fotokameras bekannt – da dachte man doch eher an Spezialisten wie Olympus, Nikon, Canon und auch noch an Video- und Elektronik-Spezialisten wie Sony. Aber Panasonic? Das war doch einst eine Marke für Radiorekorder der einfacheren Bauart und später für DVD-Player und Camcorder...aber ok, das war Sony ja auch mal….

Panasonic DMC-LX2 mit Zubehör: Das Handbuch ist wie bei Handys weit größer als das Gerät… (Bild: W.D.Roth)

Nun sind die großen Namen der Fotobranche nicht immer automatisch auch die beste Wahl für die kleinen Taschenkameras, obwohl zumindest Canon in der letzten Zeit auch hier einige ordentliche Modelle anzubieten hatte. Das Problem mit den Digital-Taschenknipsen als legitimen Nachfolgern der Pocket-Kameras, die man wie jene einfach immer dabei haben kann, ist allerdings, dass sie den Benutzer üblicherweise für anspruchslos und der Fotografie relativ unkundig halten – denn sonst würde er ja eine größere Kamera benutzen – und ihm deswegen bestenfalls zwei bis drei einfache Motivprogramme anbieten – typischerweise Porträt, Sport, Landschaft, Sonnenuntergang.

Damit kann jemand ohne Fotografiekenntnisse schnell mal ein paar brauchbare Bilder machen, doch derjenige, der an einem Fotoapparat eigentlich genau weiß, was er tut, ist mit diesen Geräten aufgeschmissen: die Kamera verrät ihm nicht, was sie für Einstellungen gewählt hat und verändern kann er schon gar nichts. Ist der Himmel bei einem Sonnenuntergang zu hell, bleibt als Notlösung nur, mit der Kamera direkt in die Sonne zu ziehen und dann den Auslöser festzuhalten, um die so erzwungene Einstellung zu speichern. Dass dabei nicht immer das herauskommt, was man eigentlich beabsichtigt hatte, ist logisch.

Von der Sony DSC-P1 aus dem Jahr 2000 zur Panasonic DMC-LX2 aus dem Jahr 2006: mehr Monitorbild, mehr Funktionsvielfalt, mehr Pixel, ähnliche Größe (Bild: W.D.Roth)

Ebenso war es ziemlich erstaunlich, wie oft mit der Sony DSC-P1 aufgenommene Fotos zwar eine erstaunliche Empfindlichkeit der Kamera bewiesen, doch immer wieder trotz ruhiger Hand verwackelt waren. War der Fotograf etwa alt und tattrig geworden? Erst ACDSee 6.0, ein Bildbetrachtungsprogramm, das die in den EXIF-Werten gespeicherten Belichtungsinformationen der Kamera anzeigen konnte, verriet, dass diese ohne Vorwarnung bis auf 1/15 Sekunde Belichtungszeit gegangen war, was man ohne Vorwarnung eben nicht freihändig unverwackelt hinbekommt. Ein Fotograf, der dagegen vorher angezeigt bekommt, dass das gewünschte Bild nur bei einer Belichtungszeit von 1/6 machbar ist, wird sich umsehen, ob er nicht wenigstens eine notdürftige Stütze für die Kamera finden kann, damit das Bild gelingen kann.

Verwackeln ist gerade bei den kleinen Taschenkameras ein größeres Problem, als man glaubt: Dadurch, dass sie schön leicht sind, ermüden sie zwar den Arm nicht, doch da man digitale Kameras mit Monitor im Gegensatz zu Sucherkameras nicht mehr ans Auge drückt, sondern vor sich in die Luft hält, zittert der Arm stärker. Eine leichte Kamera wackelt natürlich auch leichter als ein schweres Modell – eine Erfahrung, die schon viele Videofilmer machen mussten, die mit einer Profikamera, die sie wegen ihres Gewichts auf ihrer Schulter abstützen mussten, wesentlich elegantere Schwenks hinbekamen als mit der Mini-DV-Pocket-Videokamera ihres Sohnes.

Mehr Objektiv, dafür kein optischer Sucher mehr: Panasonic DMC-LX2 neben Sony DSC-P1 (Bild: W.D.Roth)

Um dies zu verhindern, haben die meisten neuen Taschenkameras einen eingebauten Verwacklungsschutz, der allerdings auch keine Wunder bewirken kann, sondern bestenfalls ein bis zwei Belichtungsstufen mehr ermöglicht, bis auch hier das Bild verwackelt ist. Oft kann dies jedoch den Unterschied zwischen einem noch brauchbaren und einem völlig misslungenen Foto ausmachen. Bei Canon suchte man diese Funktion vergeblich, Panasonic hat sie.

Eine andere interessante Funktion ist die Winkelaufnahme: Gerade im digitalen Zeitalter mit vielen Megapixeln ist die Weitwinkel-Einstellung wichtiger als die Tele-Einstellung, denn was man vorher nicht aufs Bild gekriegt hat, ist nicht drauf, während man überflüssige Bildteile mit der Bildverarbeitung immer noch entfernen kann und dann zwar Auflösung verliert und statt zehn nur noch zwei Megapixel hat, was aber zumindest bei Bildern, die man nur im Internet präsentieren will, keine Rolle spielt.

Panasonic DMC-LX2: auch im Längenvergleich vorne… (Bild: W.D.Roth)

Will man diese Kombination – Verwacklungsschutz, Weitwinkel und die Möglichkeit, die Kamera auch manuell bedienen zu können –, so landet man gegenwärtig fast zwangsweise eben bei der Panasonic DMC-LX2. 10,2 Megapixel hat sie, allerdings nur im neuen Breitbildformat – in der Höhe hat sie gerade mal eine einer 7-Megapixel-Kamera entsprechende Auflösung. Und ebenso ist der schöne 28 mm-Weitwinkel nur in der Breitbild-Einstellung wirksam – schaltet man auf 3:2 (klassisches Bildverhältnis des Kleinbildfilms und somit praktisch für Fotos, die man auf Fotopapier ausdrucken will) oder 4:3 (klassisches Digitalfotoformat) zurück, was die DMC-LX2 erlaubt, so bleibt von dem starken Weitwinkel gerade noch ein mäßiges Weitwinkel übrig. Will man also ein besonders großes quadratisches Bildmotiv formatfüllend aufnehmen, so ist die Panasonic-Kamera erstmal ungeeignet, da man die Weitwinkelfunktion in 3:2 oder 4:3 nicht voll ausnutzen kann.

Probiert man jedoch in der Praxis, mit 16:9 zu fotografieren, so ist man überrascht: Gerade die Weitwinkelaufnahmen gewinnen durch das neue, Perspektiven stark betonende Bildverhältnis noch mehr und gerade bei Landschaftsaufnahmen oder eben auch den Aufnahmen einer ganzen Schulklasse, die auf ein einziges Foto passen muss, ist es durchaus von Vorteil. Nur das typische Porträt im Hochformat profitiert von 16:9 überhaupt nicht, doch selbst mit diesen extremen Format finden sich mitunter Motive, die im Hochformat interessant sind - nur auf einem 16:9-Breitbilddisplay sind sie dann zugegeben nicht besonders beeindruckend…

Da auch hier wieder die Maxime gilt, dass man später mit der Bildverarbeitung oder auch in der Kamera selbst immer noch die "langen Enden" einer 16:9-Aufnahme auf 3:2 oder 4:3 zurückstutzen kann, und zwar in diesem Fall, ohne an Pixeln zu verlieren, weil die Kamera ja auch nichts anderes täte, lässt man die Formatseinstellung in der Praxis doch durchgehend auf 16:9 stehen – der prominent am Objektiv angebrachte Schiebeschalter wird eigentlich nie benutzt. Traditionalisten könnten ihn höchstens noch aus Prinzip auf 3:2 festklemmen, dem Bildverhältnis des klassischen Kleinbildfilms.

16:9-Landschaftsaufnahmen wird es doch kaum hochkant geben? Ja warum eigentlich nicht?? (Bild: W.D.Roth)

Interessant könnte dies für die Käufer der D-Lux 3 von Leica sein, die praktisch baugleich zur DMC-LX2 von Panasonic ist, was wieder einmal auf einer Kooperation beruht: Panasonic entwickelte die Elektronik, Leica das Objektiv. Im Gegensatz zu anderen in Kooperation entwickelten Geräten hält sich die Preisdifferenz hier eher in Grenzen: Während die Panasonic-Kamera für typischerweise 450 Euro im Handel zu finden ist, liegt der Preis für das Leica-Modell mit 550 Euro nur 100 Euro höher.

In der Vergangenheit war es praktisch unmöglich, von Panasonic Testgeräte zu erhalten, weshalb die Möglichkeit, die DMC-LX2 zu testen, eine angenehme Überraschung war. Nach dem Auspacken purzelte einen neben Handbuch und Software sowie der Kamera selbst ein sehr kompaktes und leichtes Ladegerät mit Netzverbindungskabel entgegen, was auf Reisen angenehm ist. Lästig ist hierbei nur, dass man den Akku zum Laden aus der Kamera herausoperieren muss, was allerdings nicht häufig notwendig ist: Sie ist deutlich sparsamer als ältere Modelle – bis zu 300 Bilder beziehungsweise zweieinhalb Stunden Aufnahmebereitschaft verspricht der Hersteller mit einer Akkuladung.

Von Vorteil ist das Aufladen außerhalb der Kamera, wenn man einen zweiten Akku kauft und dann den einen lädt, während man mit dem anderen schon wieder auf Foto-Pirsch ist. Hinzu kommen ein USB-Anschlusskabel für den Computer, ein ähnliches Kabel zum Anschluss an einen Fernseher, eine Trageschlaufe und eine Abdeckkappe für die Batterie. Der Nutzen dieser Kappe erschließt sich erst, wenn man einen zweiten Akku hat: sie verhindert dann einen Kurzschluss des geladenen Akkus und damit einen Brand in der Fototasche, wenn er außerhalb der Kamera transportiert wird.

Abdeckklappe für USB- und Stromanschluss (Bild: Leica)

Nicht auf Anhieb einzusortieren war ein dünner schwarzer Ring, der als letztes Utensil der Kamera beiliegt. Spätestens hier ist Handbuch lesen angesagt – vermutlich ein schlauer Schachzug des Herstellers, der genau weiß, dass die Kunden ansonsten versuchen, die Kamera ohne Lesen des Handbuchs in Gang zu setzen: Dieser Riemen ist dazu gedacht, den Objektivdeckel an die Kamera anzubinden, damit er nicht verloren geht.

Objektivdeckel??? Das ist doch sowas von altmodisch und umständlich? Und führt zum klassischen Fauxpas jedes Fotografen: der Schnappschuss seines Lebens, der jedoch leider nie auf dem Film gelandet ist, weil der Objektivdeckel auf der Kamera vergessen wurde...

Dies passiert bei Digitalkameras jedoch nicht: Man sieht ja sofort am Monitor, dass kein Bild zu sehen ist, und wird das störende Objekt folglich von der Linse entfernen. Solange der Deckel aufgesetzt ist, schützt es diese jedoch wesentlich effektiver vor Beschädigung und Verschmutzung als die bei anderen Kameras üblichen, beim Ausfahren des Objektivs verschwindenden Schutzblenden, die im Lauf der Jahre gerne einmal infolge von Verschmutzung oder Verschleiß verklemmen und dann eine teure Objektivreparatur erforderlich machen. Zudem macht die Panasonic-Kamera auch von sich aus auf einen vergessenen Objektivdeckel aufmerksam, weil das ausfahrende Objektiv beim Einschalten der Kamera gegen denselben stößt und ihn glücklicherweise nicht mit roher Gewalt beiseite schubst – was der Mechanik auf Dauer nicht gut bekäme – sondern den Fotografen darum bittet, dieses zu tun.

Die "Du Trottel hast schon wieder den Deckel nicht abgenommen!"-Meldung (Bild: W.D.Roth)

Im Gegensatz zu den Kameras der Canon-Ixus-Reihe und auch anderen Panasonic Taschenkameras trägt das Objektiv der DMC–LX2 auch in eingefahrenem Zustand auf und beult eine Hemdentasche aus. Doch dort sollte man das gute Stück sowieso nicht unbedingt aufbewahren und die nicht ganz so bequeme Bauform der Kamera sorgt dafür für die exzellente Bildqualität des bereits erwähnten Leica-Objektivs. Auch einige andere Dinge, die auf den ersten Blick altmodisch erscheinen, sind gut durchdacht: so befinden sich die Anschlussstecker für Netzbetrieb und USB/TV nicht unter einem bald ausleiernden Gummipfropfen, sondern unter einer regulären Klappe und neben dem Menükreuz und einigen Einzeltasten ist auch noch ein kleiner Joystick zur Bedienung auf der Kamerarückseite.

Mit gerade 220 Gramm ist die Kamera selbst in einer Damenhandtasche keine Zusatzbelastung. Wie immer bei derartigen Kameras fehlt allerdings eine Schutztasche: schleppt man sie einfach so täglich mit sich herum, ist zwar das Objektiv durch den Deckel geschützt, doch dürfte der besonders große und gut auflösende Monitorbildschirm schnell verkratzen. Hinzu kommt, dass der Ein-Schalter nicht wie beispielsweise bei Sony mit einer zusätzlichen Sicherung versehen ist und sich die Kamera so leicht einmal von alleine einschaltet. Dank Energiespar-Modus schaltet sie sich dann zwar auch irgendwann wieder aus, doch voller wird der Akku von dieser Sache nicht gerade.

Ebenso verstellt sich dann schon einmal das Drehrad, mit dem das aktuell gewünschte Programm gewählt wird. Dieses bietet neben 22 Szenenprogrammen, der Wiedergabe, dem Druck und der Videoaufnahme sowie den bei größeren Kameras üblichen Betriebsmodi Programmautomatik, Blendenautomatik (Zeit wird manuell gewählt), Zeitautomatik (Blende wird manuell gewählt) und komplett manueller Einstellung auch noch eine "Automatik-Automatik", in der die meisten sonst wählbaren Funktionen abgeschaltet sind. Dieser Modus ist wohl für den Käufer gedacht, der einfach nur die teuerste Kamera aus dem Sortiment haben wollte, doch von ihren Funktionen anschließend überfordert ist – sozusagen der "Omamodus".

Drei Speicherkarten im Test – 512 MB MMC, 4 GB SD, 2 GB SD: Die in der Mitte funktionierte nicht! (Bild: W.D.Roth)

Wer sich auskennt, kann dagegen sogar noch Hilfslinien (ein Gittermuster, um beispielsweise den Horizont garantiert waagerecht aufzunehmen) und ein Histogramm sowie eine von Videokameras bekannte Funktion der Kennzeichnung überbelichteter Bereiche durch Blinken einblenden. Außerdem ist neben einem speziellen Makro- und dem normalen Autofokus-Modus auch die manuelle Entfernungseinstellung möglich, was sich beispielsweise bei Landschafts- und Nachtaufnahmen anbietet,.

Alle Einstellungen sind nur motorisch beziehungsweise über Menüs möglich – ein direktes Drehen am Zoom oder gar an den Blendeneinstellungen ist nicht drin, auch nicht beim Leica-Modell. Die aus Designgründen gewählter Riffelung des Objektivrands ist hier etwas irritierend und wird hoffentlich niemanden dazu zu veranlassen, das Objektiv aus der Kamera schrauben zu wollen – das geht natürlich nicht.

Eine Speicherkarte liegt der Kamera bei Panasonic nicht bei; ein interner Speicher von 13 MB ermöglicht immerhin ein paar Probeschüsse, ist ansonsten aber eher nutzlos, ebenso wie die bei der Leica-Ausführung beigelegte 64-MB-Speicherkarte: sobald man die Fähigkeiten der Kamera tatsächlich ausnutzt und vielleicht sogar noch im RAW-Format aufnimmt, sind derartige Kartengrößen völlig uninteressant. Zum Test wurde deshalb zunächst einmal die MMC-Multimediacard aus dem DAB-Autoradio geplündert, die immerhin auch in der Panasonic-Kamera verwendet werden kann, wenn auch nur mit mäßigen Ergebnissen: auf diesen Speichertyp kann nur sehr langsam gespeichert werden, weshalb die Anleitung Videoaufnahmen von vornherein ausschließt und auch von Aufnahmen im RAW-Modus schwerstens abzuraten ist – es braucht fast eine ganze Minute, bis die Kamera nach einer Aufnahme in diesem Modus wieder betriebsbereit ist, wenn sie auf eine Multimediakarte speichern muss. Der Grund ist, dass das Panasonic-RAW-Format Dateien von über 20 MB angelegt – wer also gerne in dieser Qualität aufnehmen will, braucht große Speicherkarten.

Eine 4GB-SD-Standardkarte ist in der DMC-LX2 nicht zu gebrauchen (Bild: W.D.Roth)

Die besser geeigneten Secure-Digital (SD)-Speicherkarten stellte kurzfristig dankenswerterweise die Firma Pearl zum Test bereit. Hier sollte man Hochgeschwindigkeits-Speicherkarten verwenden, da anderenfalls bei Videoaufzeichnungen mit Aussetzern zu rechnen ist. Außerdem ist zu beachten, dass bei Speicherkarten über 2 GB nur das neuere SDHC-Format (Secure Digital High Capacity)-Format geeignet ist. Die noch zahlreich im Handel befindlichen SD-Karten mit vier oder mehr Gigabyte, die nicht in diesem neuen, erst dieses Jahr verabschiedeten verabschiedeten Format arbeiten, benutzen zwar ebenfalls als Dateisystem FAT32 statt FAT16 (es entsteht hier dasselbe Problem wie bei Festplatten), lassen sich aber in der DMC-LX2 nicht verwenden. Umgekehrt gehen übrigens auch SDHC-Karten nicht in Geräten, die über 2 Gigabyte weiterhin nach Standard-SD-Karten verlangen! SD-Speicherkarten bis 2 GB sind jedoch unproblematisch und auch preislich noch akzeptabel. Wer nicht im RAW-Format fotografiert, sollte seine ganzen Urlaubsfotos auf eine oder zwei 2-GB-Karten bekommen.

Angenehm ist, dass das Blitzlicht zur Benutzung explizit ausgefahren werden muss – damit ist nicht zu befürchten, dass es aus Versehen ausgelöst wird und so beispielsweise zum Rauswurf aus einem Museum führt. Vor den in jeder Sekunde -zigfach zu beobachtenden Versuchen, mit dem eingebauten Blitzgerät der Pocketkamera bei Nacht ganz Paris vom Eiffelturm aus ausleuchten zu wollen, kann einen dies natürlich nicht bewahren, aber man muss dann zumindest absichtlich die maximale Reichweite des Blitzes von 4,9 Metern ignorieren. Die Leistung des Blitzgeräts kann nach Wunsch angepasst werden, um die Bilder stärker oder schwächer zu belichten – auch ein an Kameras dieser Klasse üblicherweise nicht zu findendes Feature.

Bei einer – verwendbaren – 2-GB-SD-Karte schaut die Meldung anders aus (Bild: W.D.Roth)

Bei den Motivprogrammen ist unter anderem ein Modus für Feuerwerk, einer für Nachtlandschaften, einer für Partys, einer für Kerzenlicht und sogar einer für den Sternenhimmel vorgesehen. Letzterer kann zwar nicht leisten, was mit einer intelligent eingestellten digitalen Spiegelreflexkamera mit weit größerem Bildsensor und Kompensation für Pixel mit Leckströmen möglich ist, doch immerhin wurde überhaupt an eine derartige Funktion gedacht, bei der automatisch die geringste Empfindlichkeit von ISO 100 (weil sonst die Bildqualität indiskutabel wird) und die Entfernung auf unendlich eingestellt wird sowie eine Belichtungszeit von 15, 30 oder 60 Sekunden gewählt werden kann – Stativ ist hier natürlich Pflicht.

Ein Strand- und ein Schneemodus sollen mit den hier anfallenden extremen Belichtungen zurechtkommen, ein Luftaufnahmemodus mit dem Problem, dass der Autofokus mitunter lieber auf das Flugzeugfenster scharf stellt statt auf die Außenszenarien. In einem Hochempfindlichkeitsmodus wird der Empfindlichkeit bei Verringerung der Auflösung sogar auf extreme ISO 3200 angehoben – trotz des damit einhergehenden Qualitätsverlusts ohne Zweifel in extremen Fotosituationen von Nutzen.

Eine so genannte ISO-Automatik soll erkennen, wenn bewegte Objekte im Bild sind und die Empfindlichkeit der Kamera in diesem Fall automatisch so erhöhen, dass eine ausreichend kurze Belichtungszeit möglich ist und das Motiv nicht verwischt. Man sieht also, diese Kamera versucht dem Benutzer trotz der manuellen Eingriffsmöglichkeiten möglichst viele Dinge abzunehmen, die in der Hektik eines Schnappschusses schon einmal vergessen werden, aber man kann all diese Dinge auch abschalten.

Breitbild-Weitwinkel-Landschaftsaufnahme (Bild: W.D.Roth)

Während Videomodi in den ersten Digital-Fotokameras eher als Spielereien zu bezeichnen waren, bietet die DMC-LX2 hier erstaunliches: neben dem QVGA-Modus (1/4 VGA, 320 x 240 Pixel) ist auch Videoaufnahme in voller VGA-Qualität (640 x 480 Pixel) und auch im 16:9-Breitbildformat (848 x 480 Pixel) möglich, wobei bis zu 30 Bildern pro Sekunde möglich sind. Ja sogar eine Aufnahme in Half-HDTV-Qualität von 1280 x 720 Bildpunkten ist möglich – in diesem Fall allerdings nur mit einer Framerate von 15 Bildern in der Sekunde; es ruckelt also etwas. Je nach Größe der eingesetzten Speicherkarten und dem gewählten Aufnahmemodus kann jedoch bis zu über einer Stunde kontinuierlich aufgenommen werden.

Obwohl die DMC-LX2 nur als Kamera für Standbilder konzipiert ist und die Tonqualität mit 8 kHz Abtastrate auch nur Telefonqualität erreichen kann, sind auf diese Art doch auch richtige Videoaufnahmen möglich, die im Quicktime-Format (.mov) aufgezeichnet werden. Mit der Pro-Version von Apple Quicktime können derartige Aufnahmen auch leicht wieder in die einzelnen Bilder zerlegt werden, womit der HDTV-Aufnahmemodus auch als ein extrem schneller Serienbildmodus von 15 Bildern pro Sekunde aufgefasst werden kann – sicherlich interessant für Sportaufnahmen.

Wo eine derartige Taschenkamera leider deutlich an ihre Grenzen gerät, ist die Rauscharmut der Bilder: da die Bildsensoren deutlich kleiner sind als bei digitalen Spiegelreflex- oder wenigstens Kompaktkameras, lässt die Bildqualität hier mitunter massiv nach. Um dies in den Griff zu kriegen, werden immer aufwendigere Bildverbesserungs- und Rauschminderungsverfahren in die Kameras integriert. Der von Panasonic seit neuestem verwendetete Venus-Engine-III-Prozessor gilt hierbei als durchaus effektiv. Tatsächlich ist das Ergebnis im Vergleich zu manch anderer 10-Megapixel-Taschenknipse akzeptabel, allerdings wird man im Gegensatz zu den Bildern von digitalen Spiegelreflexkameras oder älteren Taschenkameras mit weniger Pixeln und größerem Sensor beim Hineinzoomen in die Bilder statt der erwarteten einzelnen Pixel zuerst Artefakte bemerken, die durch die Bildverarbeitung entstanden sind und an ein Aquarell erinnern. Bei der DMC-LX2 kann man allerdings immerhin einstellen, wie stark diese Eingriffe sein sollen – und wer im RAW-Format aufnimmt, kann später in der Software wählen, wie stark das Bild entrauscht und damit verwaschen werden soll.

"Neu abgemischte" = mit gegenüber der Original-Kameraeinstellung leicht variierter Einstellung des RAW-Konverters "abgezogene" Aufnahme: Die Lichtstimmung ist sofort verändert, obwohl es sich um dasselbe Bild handelt (Bild: W.D.Roth)

Die mitgelieferte RAW-Konverter-Software "Silkypix Developer Studio 2.0 SE" überrascht dabei mit einer unendlichen Vielzahl von Funktionen, ganz anders als beispielsweise die bei Olympus-Kameras mitgelieferte Software "Olympus Master", bei der gerade einmal Helligkeit, Kontrast, Weißabgleich und Schärfe eines RAW-Bilds justiert werden können. Bei Panasonic sind so viele verschiedene Funktionen einzustellen, dass es leicht möglich ist, das Bild so zu verschlimmern statt zu verbesseren, allerdings wird dann ja auch nur eine Kopie gespeichert. Dass zudem jede Menge Indexbilder angelegt werden und die tiefer in den Menüs versteckten Funktionen oft auf Französisch statt Deutsch beschriftet sind, weil die Software offensichtlich von einem französischen Unternehmen entwickelt wurde, verwirrt natürlich zusätzlich. Wer das letzte Quäntchen Bildqualität aus seinen Fotos herausholen oder einen leicht misslungenen (zu hell oder zu dunkel belichtet oder mit falschem Weißabgleich aufgenommenen) Schuss ohne Qualitätsverlust korrigieren will, hat so jedoch die Möglichkeit. Die Kamera zeichnet auch die Orientierung der Bilder mit auf; wer also später einmal nicht mehr weiß, wo bei einem Bild insbesondere im Hochformat oben und unten war, kann dies leicht herausfinden. Allerdings funktioniert dies nicht, wenn man die eigenen Füße fotografiert oder umgekehrt steil in den Himmel.

Alles in allem ist die Panasonic DMC-LX2 auch für engagierte Fotografen als Zweit- oder Drittgerät geeignet – im Gegensatz zum Fotohandy, das auch mit Megapixeln und Zeiss-Objektiven nicht über Webcamqualität herauskommen wird.

http://www.heise.de/tp/artikel/23/23951/1.html
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