Auf der Suche nach dem "unbekannten Terroristen"

Florian Rötzer 16.11.2006

Das US-Heimatschutzministerium will von allen in die USA Einreisenden zehn Fingerabdrücke nehmen und sie mit allen verfügbaren Datenbanken abgleichen

Der US-Heimatschutzminister Michael Chertoff machte in einer Rede deutlich, dass das Ministerium anstrebt, ab dem nächsten Jahr digitale Fingerabdrücke von allen zehn Fingern im Rahmen des U.S.-VISIT-Programms zu nehmen, wenn Menschen in die USA einreisen wollen. Noch gibt es keine schnellen und verlässlichen Systeme dafür, aber das Ministerium fördert deren Entwicklung und will sie an allen Grenzen und in allen Konsulaten einsetzen. Damit soll der nächste Schritt eingeleitet werden, nachdem man ein auf Namen basiertes Überprüfungssystem eingeführt habe, mit dem sich bereits bekannte Verdächtige identifizieren lassen.

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Foto: Nist

Der nächste Schritt sei, so Chertoff, die Hinwendung zum "unbekannten Terroristen", also zu Personen, deren Namen man nicht kennt oder die unter falschen Namen reisen. "Die getestete und wirkliche Methode zur Identifizierung des unbekannten Terroristen ist der Fingerabdruck", erklärte Chertoff. Der Vorteil von Fingerabdrücken liege nicht nur darin, dass jeder Mensch damit identifiziert werden könne, sondern dass latente Fingerabdrücke überall hinterlassen werden, so dass man bei Kontrollen Verdächtige fassen könne, die etwas in der Hand gehalten haben oder irgendwo gewesen sind, wo Fingerabdrücke abgenommen wurden.

Man habe zwar auch mit dem praktizierten Scannen von zwei Fingerabdrücken bereits Erfolge erzielt, "um die bösen Menschen aus dem Land zu halten", aber um mehr Verdächtige zu erkennen, benötige man 10 Fingerabdrücke. Und das damit verbundene Vorhaben ist geradezu monströs. Die Fingerabdrücke eines jeden Menschen, der in die USA einreisen will, soll nicht nur mit den vorhandenen nationalen und internationalen Datenbanken von Straftätern und Gesuchten abgeglichen werden, sondern auch mit den "latenten Fingerabdrücken, die man auf der ganzen Welt von terroristischen Häusern oder auf Schlachtfeldern genommen hat".

Herauszubekommen, wer einmal in irgendwelchen Trainingscamps gewesen ist und überhaupt "Terrormittel benutzt hat, ist genau die Art Werkzeug des 21. Jahrhunderts, das uns ein Ausmaß an Schutz an unseren Grenzen gewährt, das noch niemals in der Geschichte unseres Landes erträumt worden ist". Dass dies durchaus doppeldeutig verstanden werden könnte, ist Chertoff wohl nicht bewusst geworden. Ein solches System zum Verglich von Fingerabdrücken würde, so verspricht Chertoff, weltweit auch als Abschreckung wirken und "die Terroristen verrückt machen", weil sie stets aufpassen müssten, etwas zu berühren.

Mit Tests von vorhandenen technischen Systemen zur Abnahme von Fingerabdrücken der beiden Hände wurde bereits an drei Konsulaten in El Salvador, Großbritannien und Saudi-Arabien begonnen. Bis Ende 2007 sollen 300 Konsulate und Einreisestellen damit ausgerüstet sein, bis Ende 2008 sollen alle Konsulate im Ausland solche Systeme besitzen, um die Fingerabdrücke bei der Ausstellung von Visa abzunehmen, aber sie sollen zumindest auch an den wichtigen Einreisepunkten vorhanden sein, um auch von denen Fingerabdrücke nehmen zu können, die kein Visum benötigen. Allerdings sei die Technik noch nicht ausgereift, um so effektiv, robust und schnell zu funktionieren, wie dies an den Grenzen notwendig ist. Eine Ausschreibung für Anbieter von solchen Systemen läuft, Anfang 2008 will das Ministerium eine Entscheidung treffen und dann 3000 Systeme kaufen und installieren. Verbessert werden sollen offenbar auch die Programme zum Bearbeiten der digitalen Fingerabdrücke und die Verbesserung der Scans, da bislang von 2 Prozent der Menschen aus unterschiedlichen Gründen keine brauchbaren Fingerabdrücke genommen werden können.

Allerdings gibt es bei Aspekten des laufenden U.S.-VISIT-Programms weiter Probleme. Geplant ist, nicht nur Fingerabdrücke der Einreisenden zu nehmen, sondern auch die Ausreise biometrisch zu erfassen. Man rechnet mit Kosten bis zu 10 Milliarden US-Dollar. Tests in ausgewählten Flughäfen führten allerdings bislang aufgrund von Mängeln der Infrastruktur und des Personals oder des fehlenden Platzes, um die Geräte aufzustellen, zu mangelhaften Ergebnissen. Auch die Genauigkeit scheint sehr unbefriedigend zu sein. Eine Übereinstimmung wurde teilweise nur in 50% Prozent der Fälle erzielt, berichtete ein Informant vom Heimatministerium.

An Landgrenzstationen ergaben sich Probleme mit RFID-Chips, mit denen Ausreiseformulare ausgestattet werden, die sich in den Pässen der Reisenden befinden. Beim Verlassen der USA soll der RFID-Chip an den Grenzübergängen von den vorbeifahrenden Autos abgelesen werden, was aber oft nicht klappte. Es würden zahlreiche technische Probleme bestehen, beispielsweise wenn die Formulare sich in einem Geldbeutel befinden oder die Fahrzeuge zu schnell fahren.

http://www.heise.de/tp/artikel/23/23993/1.html
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