Meine Rakete ist größer als deine

Florian Rötzer 20.11.2006

Kalifornische Aktivisten wollen mit einem "Globalen Orgasmus" einen möglicherweise drohenden Krieg gegen den Iran abwenden und friedliche Stimmung weltweit verbreiten

Eine in der Tradition der "Make Love not War"-Antikriegsproteste liegende Demonstration planen Friedensaktivisten in den USA. Das schon nicht mehr ganze junge Paar Donna Sheehan (76) und Paul Reffell (55) rufen am 22.12. 2006 zu einem Globalen Orgasmus für den Frieden auf. Dass dies auch noch am Tag der Wintersonnenwende stattfinden soll, zeigt schon, dass die beiden Friedens- und Sexualitätsaktivisten aus Kalifornien eine Neigung zum Mystischen haben.

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Sheehan, die nichts mit der in letzter Zeit bekannt gewordenen Friedensaktivistin Cindy Sheehan zu tun hat, hatte bereits vor dem Irak-Krieg am 12. November eine Aktion organisiert, die für Aufsehen sorgte, weil sie direkt auf die Bildmedien ausgerichtet war. Sie und fünfzig andere Frauen zogen sich nackt aus und bildeten mit ihren Körpern das Wort "Peace" nach. Genutzt hat es damals offenbar nichts. Dafür wurde eine neue "Bewegung", die auch einige Nachahmer fand, kreiiert: Baring Witness.

Da die beiden, die Evolutionäre Psychologie studiert haben, jetzt fürchten, dass die US-Regierung erneut in einen Krieg gegen den Iran ziehen könnten, wollten sie dieses Mal wirksamer als mit der früheren Aktion oder mit Petitionen für friedliche Stimmung sorgen. Wenn möglichst viele Menschen an einem Tag innerhalb von 24 Stunden einen Orgasmus haben, so versuchen sie für ihre Idee zu werben, und dann noch an den Frieden denken, dann müsse durch die durch den Orgasmus bewirkten Gefühle der Leere und die Gedanken an den Frieden das "Energiefeld" der Erde verändern. Beim Orgasmus würde am meisten menschliche Energie freigesetzt werden – und dazu noch positive.

Diese weltweit zirkulierende Energie soll dann wieder auf die verantwortlichen Politiker wirken, um diese von ihren Kriegsplänen abzubringen und überhaupt weltweit die Aggression senken. Allerdings haben die beiden Aktivisten ihre Aktion deswegen auf 24 Stunden auseinander gezogen, weil eine globale Aktion kaum massenhaft gleichzeitig stattfinden würde. Ob das nicht den Aufbau des Energiefeldes über Gebühr schwächt und lokalisiert?

The combination of high-energy orgasmic energy combined with mindful intention may have a much greater effect than previous mass meditations and prayers.

Die Aktion "Global O for Peace" wird übrigens GOP abgekürzt. Damit beziehen sich beide kritisch und ironisch auf die republikanische Partei, auch Grand Old Party genannt. Gleichzeitig werben die beiden Aktivisten – warum auch über den Frieden das Geschäft vergessen? – für ihre Workshops und Aktivitäten, beispielsweise den Feminismus zu verändern, indem die Frauen die Männer verführen und diesen so die Demütigung einer Zurückweisung ersparen. Begründet wird dies auch durch die Theorie der sexuellen Selektion von Darwin, in der die Männchen um die Gunst der auswählenden Weibchen konkurrieren. Aggression sei vor allem ein Produkt der Männer, die sich damit nach dem Motto: "Meine Rakete ist größer als deine" gegenseitig beeindrucken wollen. Irgendwie spielen bei ihnen auch die Gehirnhälften für die Persönlichkeit eine Rolle.

Man hat sich auch mit Wissenschaftlern vom Global Consciousness Project an der Princeton University zusammengeschlossen, die schon seit Jahren der Überzeugung sind, das globale Bewusstsein messen zu können, was sich besonders bei globalen Ereignissen und Massenerregungen zeige (Stochern im Datenbrei). Mit den von diesem Projekt eingesetzten Zufallsgeneratoren soll dann gezeigt oder "bewiesen" werden, welchen Einfluss die Aktion auf das globale Bewusstsein oder das aus menschlichen Erregungen hervorgehende Energiefeld hatte, wenn man denn daran glaubt.

http://www.heise.de/tp/artikel/24/24026/1.html
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