Bewegungsunfähig durch Mikrowellen?

28.11.2006

Eine US-Universität erforscht mit Unterstützung des Pentagon die Entwicklung einer nichttödlichen Waffe, die mit Mikrowellen auf nichtthermische Weise Muskeln lahm legen soll

Das Active Denial System wird vom Pentagon weiterhin getestet, obgleich schon vor einiger Zeit ein Einsatz im Irak geplant war (Mikrowellenwaffe für den Irak). Die nicht oder weniger tödliche Mikrowellenwaffe kann den lautlosen Strahl mit einer Antenne über eine Entfernung von mehreren hundert Metern auf einen Menschen richten und auf dessen Haut intensive Schmerzen auslösen. Angeblich dringen die Mikrowellen nur knapp unter die Haut ein und erhitzen dort das Wasser, ohne dass dies Schäden verursachen soll. Ganz sicher ist man sich offenbar nicht, weswegen die Waffe weiter getestet wird.

Der Rüstungskonzern Raytheon, der ADS entwickelt hat, bietet allerdings inzwischen eine etwas kleinere, aber immer noch fünf Tonnen schere Version mit dem Namen Silent Guardian auf dem Markt an. Damit sollen – mobil auf einem Fahrzug oder stationär - Einrichtungen wie Flugplätze, Kasernen oder Firmen geschützt werden. Raytheon verkauft die Mikrowellenwaffe hier als sicher und ausreichend getestet (Wie gefährlich ist die Mikrowellenwaffe ADS?).

Die US-Luftwaffe hat hingegen die Entwicklung einer anderen Strahlenwaffe an der University of Nevada gefördert. Hier leitet Gale Craviso vom Institut für Pharmakologie die Entwicklung eines Verfahrens, um ähnlich der Wirkung einer Elektroschockwaffe die Muskeln eines Menschen so zu beeinflussen, dass er sich nicht mehr bewegen kann.

Am Institut erforscht man die Auswirkung von elektromagnetischen Feldern auf Zellen. Interessant nicht nur für medizinische Anwendungen sind die Auswirkungen einer Radiofrquenz/Mikrowellen-Strahlung (RF/MW) zwischen 3 kHz und 300 GHz mit Nervenzellen, insbesondere die chromaffinen Zellen, die zum sympathischen Teil des vegetativen Nervensystems gehören und Catecholamine freisetzen, die als Neurotransmitter wirken. Experimentiert wird für medizinische Anwendungen mit einer RF/MW-Strahlung zwischen 0.75 to 6 GHz, da diese nicht thermisch wirkt und unterschiedliche Sekretion der Catecholamine zur Folge hat. Man hofft, auf diese Weise nichtinvasive Methoden zur Schmerzbehandlung und zur Behandlung von neurologischen und neuromuskulären Störungen zu finden. RF-Strahlung wird schon länger zur Behandlung chronischer Schmerzen eingesetzt.

Dasselbe Prinzip ließe sich aber auch auf Skelettmuskeln anwenden, die für die Bewegung zuständig sind. Die Strahlung bewirkt eine Kontraktion der Muskeln. Könnte man sie gezielt einsetzen, dann würde der der Strahlung ausgesetzte Mensch erstarren – hofft man zumindest im Rahmen des Projekt der Entwicklung einer nichttödlichen RF/MW-Waffe: "Our research is to lay the foundation for developing non-lethal stunning/immobilizing weaponry based on radiofrequency (RF)/microwave(MW) radiation by identifying RF/MW parameters potentially capable of selectively altering exocytosis, the process underlying neurotransmitter release and hence nervous system functioning."

Bislang ist man allerdings noch weit davon entfernt, klar ist auch noch überhaupt nicht, wie Muskelpartien über größere Entfernungen überhaupt gezielt anvisiert werden können, um die erwünschten Effekte auszulösen. Getestet wurden die Möglichkeiten, wie aus einem Forschungsbericht hervorgeht, an chromaffinen Zellen mit einer Frequenz zwischen 1 und 6 Ghz. Die Wissenschaftler sehen es als ganz entscheidend an, mögliche nichtthermische Wirkungen von den üblichen thermischen Wirkungen zu unterscheiden zu können, die von Mikrowellen wie beim ADS, aber auch bei anderen Geräten von Mikrowellenherden bis Handys ausgehen.

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