Roboter im Haushalt und für die Alten und Kranken

22.12.2006

Die japanische Regierung hat erstmals Preise für überzeugende Roboter verliehen, um die Entwicklung von Robotern zu fördern

Das japanische Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie hat zur Förderung der Robotik zu Beginn des Jahres erstmals einen Wettbewerb ausgeschrieben, der in Zukunft jährlich stattfinden soll. Ausgezeichnet werden herausragende Roboter, die bereits auf den Markt gekommen sind. Gegenwärtig werden auf dem Robotikmarkt in Japan jährlich 4,5 Milliarden US-Dollar umgesetzt. Besonders mit der Verbreitung von Haushaltsrobotern geht man in Japan bis 2010 von einer Verdreifachung des Marktes aus.

In diesem Jahr ging der Hauptpreis, ganz den Vorgaben an die Marktentwicklung entsprechend, an den Reinigungsroboter RSF1 für Gebäude von Fuji Heavy Industries/Sumitomo, der automatisch die Gänge entlangfährt und diese putzt. Er kann auch mit dem Fahrstuhl automatisch von Stock zu Stock fahren und schließlich wieder zu seinem Ausgangspunkt zurückkehren. Eingesetzt wird er in Japan in einigen Hochhäusern.

Der Preis für kleine oder mittlere Firmen erhielt Kondo für den humanoiden KHR-2HV, weil er bei Kindern beliebt und mit einem Preis von etwa 1.000 US-Dollar für seine Leistung relativ günstig ist. Mit siebzehn beweglichen Gelenken ist der Humanoide ziemlich beweglich und kann gehen, springen und tanzen kann. Auf Hard- und Softwareseite lässt er sich weiter ausbauen.

Einen Ehrenpreis erhielt My Spoon von SECOM wegen seines Werts für die Gesellschaft. Der ebenfalls wegen seines erschwinglichen Preises gelobte Roboter soll Behinderten, Kranken und Alten beim Essen helfen. Mit einem Löffel werden von einem Teller entsprechende Happen einer Mahlzeit bis zu einer bestimmten Position transportiert, so dass die derart bediente Person ihre Hände nicht mehr benötigt, sondern nur noch mit dem Mund das Essen vom Löffel nehmen muss. Die Benutzer können den Roboterlöffel mit einem Joystick bedienen, er kann aber auch auf einen halb- oder ganz automatischen Betrieb eingestellt werden. Der Benutzer muss allerdings noch seinen Kopf bewegen, kauen und schlucken, zumindest einen Knopf bedienen und für eine gewisse Zeit aufrecht sitzen können.

In eine ähnliche Richtung geht der ausgezeichnete Tierroboter namens Paro von AIST, der angeblich "therapeutischste Roboter der Welt", der mit Menschen zusammen leben kann und der Gattung der "Mental Commitment Robots" angehört. Der Roboter mit einem weißen Fell ist wie ein Robbenbaby gestaltet und schon seit Jahren auf dem Markt. Sein Körper ist übersät mit Drucksensoren und kann so auf Umarmung mit Bewegungen von Kopf und Körper reagieren. Er kann auch erkennen, woher eine Stimme kommt und einige Worte verstehen, und ist auch in beschränktem Umfang fähig, gewünschtes Verhalten zu wiederholen und "Gefühle" zu zeigen. Er schätzt es, gestreichelt zu werden, wird aber zornig, wenn man ihn schlägt.

Paro kann, so der Hersteller, als Ersatz für ein Haustier verwendet werden und soll entsprechend therapeutisch auf Menschen wirken, da die Interaktion mit ihm beruhige und entspanne Überdies sollen die sozialen Fähigkeiten bei jungen und alten Patienten in Pflegeheimen oder Krankenhäusern stimuliert und damit auch Depressionen bekämpft werden. Er werde emotional von den meisten angenommen, ohne mit einem richtigen Robbenbaby verglichen zu werden, da alle zwar Robbenbabys kennen, aber kaum jemand wirklich mit einem solchen zu tun hatte.

Autonome Roboter wie Paro sind zwar noch weit davon entfernt, eine Persönlichkeit oder gar ein (Selbst)Bewusstsein zu haben und so entsprechende Rechte beanspruchen zu können, wie schon von manchen Optimisten für die nahe Zukunft prophezeit. Die Japaner setzen aber auch deswegen auf Roboter, weil Vergreisung und Kinderlosigkeit drohen und man sich auf zahlreiche, vor allem ältere einsame Menschen. Roboter sollen die fehlenden Arbeitskräfte ersetzen, in der Pflege und Betreuung der Senioren eingesetzt werden und ein Mittel gegen Vereinsamung sein, das im Unterschied zu lebendigen Tieren und Mitmenschen keine Probleme macht und jederzeit angepasst oder in die Ecke gestellt werden kann.

Nach aktuellen Berechnungen des japanischen Gesundheitsministeriums wird die Bevölkerung von jetzt 127 Millionen bis 2055 auf 90 Millionen zurückgehen. In dieser Zeit wird sich die Zahl der über 65-Jährigen auf einen Anteil von 41 Prozent der Gesamtbevölkerung verdoppeln. In 100 Jahren würde es nach den Berechnungen nur noch 45 Millionen Japaner geben.

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