Atomares Wettrüsten
Die vielen Tests von Trägerraketen für Atomwaffen in diesem Jahr, die von acht Ländern durchgeführt wurden, weisen auf zunehmende Instabilität hin
Die Welt befindet sich mitten in einem neuen nuklearen Wettrüsten. Nordkorea hat vielleicht schon die Bombe, möglicherweise will sie Iran. Andere Länder von Ägypten oder Saudi-Arabien bis Japan oder Südkorea denken über eine Aufrüstung nach. Israels Regierungschef Olmert hat erst vor kurzem eingeräumt, dass das Land Atomwaffen besitzt, was allerdings kein Geheimnis ist. Frankreich und Großbritannien wollen ihre Atomwaffen ebenso modernisieren wie Russland und die USA. Die US-Regierung baut weiter am Raketenabwehrschild und hat mit Indien ein Nuklearabkommen, mit dem die heimliche Aufrüstung mit Nuklearwaffen und die Umgehung des Atomwaffensperrvertrags für US-Alliierte belohnt werden (Trickreiches Atomabkommen mit Indien). Und nicht zuletzt rüsten auch Pakistan und China weiter auf. Allein die fünf offiziellen Atommächte haben nach SIPRI insgesamt 12.300 einsatzfähige Nuklearwaffen.
Hans Kristensen vom Nuclear Information Project hat auf seinem Strategic Security Blog auf der Website der Federation of American Scientists einmal zusammengefasst, welche Tests im Rahmen von Atomwaffenprogrammen in diesem Jahr bekannt geworden sind. Das größte Ereignis war 2006 natürlich der Atomwaffentest Nordkoreas, mit dem das Regime der Weltöffentlichkeit demonstrieren wollte, dass es nicht nur über Plutonium verfügt, sondern auch im Besitz von Nuklearwaffen ist. Damit will sich das autoritäre Regime vor einer militärischen Intervention schützen und zugleich seine Forderungen nach der Aufhebung von Sanktionen durchsetzen. Es gibt allerdings weiterhin Zweifel, ob der Test tatsächlich erfolgreich war. Auch die Größe der Sprengkraft ist umstritten.
Während Nordkorea durch sein Spiel mit Atomwaffen für permanente Aufmerksamkeit sorgt, verbaute der Streit um das iranische Atomprogramm, das nach dem Atomwaffensperrvertrag ganz legitim ist, die Sicht auf die allgemeine Situation. Selbst wenn Iran ein Atomwaffenprogramm im Geheimen verfolgen sollte, wofür es bislang nur Vermutungen, aber keine Belege gibt, ist die weitere Aufrüstung der bestehenden Atommächte beunruhigend genug, zumal sich Fronten vor allem zwischen Großmächten USA, Russland und China verhärten, mit der Anerkennung Indiens durch die US-Regierung der indisch-pakistanische Konflikt vermutlich nicht entschärft wird oder Israels Atomwaffen weiterhin für Unruhe im Nahen Osten sorgen. Indien und Pakistan haben vor Nordkorea 1998 die letzten Atomwaffentests durchgeführt.
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Bekannt werden die Tests von Raketen, die mit nuklearen Sprengköpfen ausgestattet werden können. Kristensen hat Tests mit 23 verschiedenen Trägerraketen in acht Ländern gezählt und weist daraufhin, dass hier ebenfalls ein zweifacher Maßstab gepflegt wird, da es nicht nur darum gehe, Staaten an der Entwicklung von Mittel- und Langstreckenraketen zu hindern, sondern neben den Nuklearsprengköpfen auch die Trägerraketen abzurüsten, wie es der Atomwaffensperrvertrag gerade auch von den Atommächten verlangt.
Nordkorea hat Tests mit verschiedenen Raketen durchgeführt, u. a. mit der Langstreckenrakete Taepodong 2 (Die Raketen Nordkoreas und die Politik der Nachbarn). Auch Iran hat zwei Mal Tests mit Mittelstreckenraketen des Typs Shahab durchgeführt, zuletzt im Manöver "Der große Prophet 2". Pakistan hat zwei Mal Kurzstreckenraketen und einmal eine Mittelstreckenrakete gezündet, Indien stand dem mit zwei Kurzstreckenraketen und einer Interkontinentalrakete nicht nach. Frankreich testete im November eine Kurzstreckenrakete, China eine Interkontinentalrakete im Juni. Russland führte sieben Tests durch, 4 mit Kurzstreckenraketen und 3 mit Interkontinentalraketen, darunter eine Topol. Russland beabsichtigt, sich mit den mobilen Topol-M-Raketen mit Mehrfachsprengköpfen auszurüsten und will für die neuen strategischen Atom-U-Boote vom Typ Borej auch neue ballistische Raketen entwickeln. Ein dritter Test mit der Bulawa-Rakete ist am 24.12. wie schon zwei Mal im Laufe des Jahres gescheitert. Die USA testeten vier Minuteman-Interkontinentalraketen und vier Trident-Kurzstreckenraketen. Dazu kommt der Aufbau des Raketenabwehrsystems, das die Rüstungsspirale verstärkt. Die USA sind bislang das einzige Land, das Atomwaffen in anderen Ländern besitzt. 400 nukleare Sprengköpfe befinden sich auf US-Stützpunkten in Belgien, Deutschland, Großbritannien, Holland, Italien und der Türkei.
Während die USA aber auf die Raketentests von Nordkorea, Iran oder China als gefährliche Entwicklungen hinweisen, bezeichnete US-General Peter Pace indische Raketentests herunter. Indien sei eine souveräne Nation und könne testen, was es wolle. Überdies gebe es andere Länder in der Region, die dies auch machen. Tests von Raketen seien nicht "destabilisierend", wenn sie der Abwehr dienten. Kristensen fügt dem aber hinzu, dass diese Raketen nicht nur der Abwehr, sondern immer auch dem Angriff mit Nuklearsprengköpfen dienen können. Die vielen Raketentests in diesem Jahr zeigen, dass die Stabilität nicht sehr groß ist und das Wettrüsten wieder begonnen hat.
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