"Israel hätte die iranischen Nuklearanlagen schon gestern angreifen müssen"

Florian Rötzer 02.01.2007

Ein einflussreicher israelischer Think Tank versichert, dass Israel den Iran "technisch" auch alleine angreifen könne

Während Präsident Ahmadinedschad nach der Verabschiedung der UN-Resolution das Recht Irans bekräftigt, eine zivile Nukleartechnologie aufzubauen, und versichert, dass das Land den Drohungen und Erpressungen nicht nachgeben werde, erklärt ein wichtiger israelischer Think Tank, dass Israel militärisch in der Lage sei, den Iran anzugreifen und die Nuklearanlagen zu zerstören. Das iranische Volk stehe hinter der Regierung gegen die aggressiven Mächte USA und Großbritannien und werde "das unveräußerliche Recht auf den Zugang zur Atomtechnik verteidigen". Er warf der Weltarroganz und den aggressiven Mächten" vor, die Konfrontation mit Iran zu schüren, und drohte, dass der Iran die USA schon einmal gedemütigt habe und dies wieder tun werde, wenn es zu einem Konflikt käme. Die westlichen Mächte bezeichnete er als ein Niemand. Wenn sich alle Mächte wieder zusammentäten, die bereits gegen den Irak vorgegangen sind, dann würde ihnen der Iran einen "historischen Schlag ins Gesicht" versetzen.

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Obgleich es keine Beweise dafür gibt, dass Iran ein geheimes Atomwaffenprogramm betreibt, und das Land noch immer am Nichtverbreitungsabkommen (NPT) festhält, hat der UN-Sicherheitsrat vor allem auf Druck der US-Regierung die Resolution 1737 verabschiedet (Hostile Act). In ihr wird gefordert, dass der Iran die Anreicherung von Uran und die Wiederaufbereitung einstellt. Iran pocht darauf, dass dies sein gutes Recht ist, da es sich den internationalen Abkommen stets unterworfen habe und keine Absicht besitze, Atomwaffen herzustellen. Kürzlich hat eine Studie von US-Wissenschaftlern darauf hingewiesen, dass die Ölressourcen Irans sehr beschränkt sein können, was den Wunsch nach Atomenergie in einem anderen Licht erscheinen lassen könnte (Geht Iran das Öl aus?).

Die iranische Regierung verstand die Resolution als "feindlichen Akt". In Israel, dem der iranische Präsident immer wieder einmal das Existenzrecht abspricht, ist man seit langem davon überzeugt, dass es dem Iran um den Besitz von Atomwaffen geht, wozu auch die dort betriebene Entwicklung von Langstreckenraketen diene (Gewitter über dem Land der Mullahs). Israel selbst hat sich allerdings selbst mit dem eigenen, heimlich betriebenen Atomwaffenprogramm und der Weigerung, den internationalen Abkommen beizutreten, in eine schwer verteidigbare Situation begeben. Schon lange überlegt man dort, ob und wann man eigenständig einen Angriff auf Iran starten und die Nuklearanlagen wie einst im Irak zerstören soll, wenn die USA dies nicht macht oder internationaler Druck den Iran zum Einstellen der Wiederaufbereitung und Anreicherung zwingt.

Die Stimmung dürfte der neueste Bericht des Center for Strategic Studies (INSS) an der Tel Aviv University auch nicht verbessern. Hier geht man davon aus, wie Haaretz berichtet, dass der Iran Atomwaffen herstellen wird, wenn nicht die Anlagen zerstört werden. Der Besitz von Atomwaffen sei nur eine Frage der Zeit, die für den Iran arbeite, wenn nicht eingeschritten werde. Und man geht davon aus, dass Israel auch im Alleingang den Iran angreifen könnte. Ein Vorstandsmitglied des INSS, der pensionierte Brigadegeneral Giora Eiland, versicherte jedoch, dass Israel keinen militärischen Schlag gegen den Iran ohne eine strategische und militärische Absprache mit den USA getroffen zu haben. Man hätte allerdings, so sagte, die Nuklearanlagen schon "gestern" zerstören sollen, spätestens müsse es "morgen" geschehen: "Israel should have attacked the nuclear facilities in Iran yesterday, or tomorrow at the latest."

Ganz einig scheint man sich im INSS aber darin nicht zu sein. Zvi Shtauber, der Leiter des Center, erklärte, dass Israel "technisch" in der Lage sei, den Iran alleine anzugreifen. Man würde dies auch machen, weil kein anderes Land mit Israel offen kooperieren würde. Und er sagt, es gebe manche Dinge, bei denen es besser sei, wenn die USA nichts von ihnen wissen. Man würde allerdings erst dann angreifen, wenn alle anderen Mittel erschöpft seien.

Der Libanon-Krieg habe den arabischen Nachbarländern gezeigt, dass Israel Schwächen habe, heißt es weiter. Das könne dazu führen, dass Israel eher mit militärischen Aktionen rechnen müsse. Gegenüber Syrien nimmt man einen veränderten Standpunkt ein und fordert die israelische Regierung dazu auf, die Friedensangebote des syrischen Präsidenten, auch wenn dieser schwach sei, ernst zu nehmen und zu überprüfen.

http://www.heise.de/tp/artikel/24/24354/1.html
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