Psychologische Kriegsführung

07.01.2007

Die Aufregung um vermeintliche Angriffspläne Israels auf Iran ist gewollt

Plant die israelische Armee, den Streit um das iranische Atomprogramm mit einem Präventivschlag auf die Nuklearanlagen zu beenden? Über ein entsprechendes Vorhaben berichtet die Sunday Times in ihrer heutigen Ausgabe. Israelische Regierungsvertreter reagierten umgehend mit Dementis, Irans Führung mit Drohungen gegen dem "Aggressor". Was auf den ersten Blick wie ein medialer Coup der Zeitung wirkt, entpuppt sich bei genauerer Prüfung als dünne Geschichte.

Wiederanreicherungsanlage in Natanz am 29.2.2004. Bild: Space Imaging Eurasia

Laut den von der britischen Zeitung zitierten israelischen Quellen planen zwei Luftwaffen-Geschwader Angriffe auf drei iranische Atomanlagen. Die Anreicherungsanlage in Natanz und die Anlagen in Arak und Isfahan sollen zerstört werden. Den anonymen Informanten zufolge würde die Aktion in zwei Angriffswellen erfolgen. Nachdem mit konventionellen, Laser gesteuerten Waffen ein "Korridor" freigemacht wurde, in dem die iranische Flugabwehr dann außer Gefecht gesetzt ist, könnte ein zweiter Angriff mit Kampfflugzeugen auf die Anlagen direkt erfolgen. Dabei würden auch Bunker brechende Atomwaffen (mini-nukes) zum Einsatz kommen.

Sobald wir grünes Licht haben, wird es eine Mission und einen Schlag geben - und das iranische Atomprogramm wird zerstört sein.

Anonymer Informant der Sunday Times

In den vergangenen Wochen hätten zwei Geschwader der israelischen Luftwaffe diesen Einsatz mit Testflügen nach Gibraltar geprobt. Das Manöverziel sei ausgesucht worden, weil die Strecke von rund 3000 Kilometern in etwa der Länge der Route nach Iran entspricht.

Es wäre nicht der erste Einsatz dieser Art. 1981 hatte Israel mit einem Bombenangriff bereits den Osirak-Atomreaktor in Irak zerstört. Der Angriff damals wurde mit einer Staffel aus zwölf Kampfflugzeugen über Jordanien und Saudi Arabien geflogen. Im Streit mit Iran weigert sich die Regierung unter Ministerpräsident Ehud Olmert vehement, eine solche Aktion auch gegen Iran auszuschließen.

Dementi aus Israel, Drohung aus Iran

Israelische Regierungsvertreter dementierten den Bericht der britischen Zeitung umgehend. Während das Büro von Ministerpräsident Olmert eine Stellungnahme verweigerte, widersprach der Sprecher des Außenministeriums, Mark Regev, der Zeitungsdarstellung vehement. Israel unterstütze derzeit in vollem Ausmaß die Resolution 1737 des UN-Sicherheitsrates (Hostile Act) und wolle das Problem diplomatisch lösen.

Auch Teherans Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Vertreter der Regierung von Mahmud Ahmadinedschad drohten dem jüdischen Staat im Falle eines Angriffes mit Gegenattacken. Eine solche Aktion der israelischen Luftwaffe werden "nicht ohne Antwort bleiben", warnte der Außenamtssprecher Teherans, Mohammed Ali Hosseini. Der "Agressor" werde seine Tat "sehr schnell bereuen". Die Drohung zeige, dass Israel "die Hauptbedrohung für die regionale und internationale Sicherheit und en Frieden darstellt".

Was bleibt, ist die Drohung - und die Unklarheit, was denn nun an dem Plan dran ist. Weder die Sunday Times, noch die anonymen Informanten oder die israelische Regierung hat einen vermeintlichen Angriffsplan bestätigt. Durch die Verweigerung eines Dementis verfolgt Tel Aviv eine Strategie der Unsicherheit, die sie schon im Streit um den Besitz von Atomwaffen seit Jahrzehnten erfolgreich umgesetzt. Die mangelnde Klarheit wird zur (Be)Drohung tatsächlicher und potentieller Gegner genutzt. Vor kurzem erst wurde von israelischer Seite zu einem Angriff gedrängt: "Israel hätte die iranischen Nuklearanlagen schon gestern angreifen müssen".

Zugleich spielt Israel - sei es die Regierung selbst, ihr Geheimdienst oder die Militärführung - eine neue Karte im Atomstreit mit Iran aus. Ein Angriff auf die Nuklearanlagen Irans würde nur dann stattfinden, heißt es in dem Zeitungsbericht, wenn ein Angriff mit konventionellen Waffen international ausgeschlossen würde. Und wenn die USA ein Angriff auf Iran definitiv ausschließen.

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