Google Earth im Nahostkonflikt

Florian Rötzer 18.01.2007

Google Earth teilt zum Unmut mancher Juden West- und Ostjerusalem

Kürzlich hieß es, dass Aufständische im Irak die Satellitenbilder von Google Earth benutzen würden, um Einrichtungen des britischen Militärs in der Gegend um Basra anzugreifen. Damit haben sich, falls der Bericht stimmt, Satellitenbilder erneut als wichtiges strategisches Mittel erwiesen, auch wenn die Google-Bilder natürlich nicht ganz aktuell sind. Ein anderes Problem ergab sich für Google Earth gerade in Jerusalem, weil sich in den Karten auch Grenzen eingeben lassen. Auf Google Earth läuft die Grenze durch Jerusalem so, dass der Tempelberg nicht mehr im israelischen Territorium liegt.

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Google Earth lässt die Grenze zwischen Israel und den palästinensischen Gebieten durch Jerusalem laufen und teilt die Stadt, die als Hauptstadt fungiert, in West- und Ostjerusalem. Wem Jerusalem gehört und wie die Stadt aufgeteilt werden soll, ist seit langem ein zentraler Streitpunkt zwischen Israelis und Palästinensern, da sich in Ost-Jerusalem auf dem Tempelberg mit dem Felsendom und der al-Aqsa-Moschee wichtige muslimische Heiligtümer befinden, aber mit der Klagemauer auch das bedeutendste jüdische heilige Stätte. Der Zugang zur gesamten Anlage wird von israelischen Sicherheitskräften kontrolliert, der Tempelberg selbst untersteht einer autonomen muslimischen Verwaltung (Waqf).

Israelis und Palästinenser beanspruchen die Stadt für sich, die bereits nach einer UN-Resolution von 1947 aufgeteilt wurde. Diese sah einen israelischen und einen palästinensischen Staat vor. Die arabischen Staaten akzeptierten diese Teilung nicht und griffen Israel 1948 an. Nach dem Krieg wurde Jerusalem geteilt, die jüdischen Einwohner von Ostjerusalem wurden vertrieben, Juden hatten keinen Zugang mehr zum Tempelberg und damit auch zur Klagemauer. 1950 erklärte Israel Jerusalem zu seiner Hauptstadt. Im Sechstagekrieg eroberten israelischen Truppen auch Ostjerusalem, ermöglichten aber den Muslimen den Zugang zum Felsendom und zur al-Aqsa-Moschee. 1980 schließlich erklärte Israel Jerusalem zur unteilbaren Hauptstadt, was aber von der Völkergemeinschaft und vom UN-Sicherheitsrat nicht anerkannt wurde.

Dass Google Earth nun die Grenze zwischen Israel und dem Westjordanland zwischen Ost- und Westjerusalem verlaufen lässt, geschieht in Übereinstimmung mit UN-Resolutionen, die von Israel den Rückzug aus besetzen Gebieten fordern. In Verhandlungen wie denen von Camp David blieb allerdings vor allem der Status von Jerusalem immer umstritten und ungelöst.

Rabbi Chaim Rechman vom jüdischen Temple Institute bezichtigt Google Earth gar der Lüge und der Beteiligung an einer "systematischen Kampagne" der Muslims, "die Geschichte umzuschreiben und alle jüdischen Spuren vom Tempelberg unter völliger Missachtung der wirklichen archäologischen und historischen Beweise zu löschen". Google Earth habe sich dieser Kampagne unterworfen.

Die jüdische Website TotallyJewish.com (TJ) aus Großbritannien wirft Google Earth allgemein vor, sich als Plattform zur Verbreitung von anti-israelischen Ansichten missbrauchen zu lassen. So sei der Gazastreifen noch als "Israeli occipied" bezeichnet gewesen, obgleich Israel sich bereits 2005 aus ihm zurückgezogen habe. Moniert wird, dass ein Benutzer den Kibbutz Revivim durch ein altes Kriegsflugzeug repräsentiert habe. Kommentare auf Google Earth würden auch die "Mythen" weiter verbreiten, dass Israel das Westjordanland besetzt halte oder Palästinensern wichtige Ressourcen wie Trinkwasser vorenthalte. So hat ein Benutzer als Hinweis für Kiryat Arba, Hebron, ein Bild mit einem grünen Park und den Kommentar gepostet, dass in der Region Wasserarmut herrsche. Dazu wurden noch einige Links gelegt. Ein Sprecher von Google habe TJ gesagt, dass man alle Unkorrektheiten richtig stelle, das aber sei nicht geschehen.

Eric Moonman, der Präsident der Zionist Federation, beschwerte sich gegenüber TotallyJewish, dass Google die freie Kommentierung zulässt: "Die Menschen können einen Beitrag von jedem Ort machen, an dem sie sich aufhalten. Es gibt keine Beschränkungen." Ein Google-Sprecher verteidigte den freien Austausch von Ideen und Informationen. TJ ruft seine Leser dazu auf, ein faires Bild von Israel auf Google Earth zu schaffen.

Mort Klein, Präsident der Zionist Organization of America, beschuldigt Google Earth gar deswegen, den Terrorismus zu unterstützen: "Wenn die arabischen Terroristen die Verfälschungen der geografischen Realitäten auf Google Earth sehen, dann werden sie dadurch besänftigt und bestärkt, weil diese Art von falschen Karten die Botschaft aussenden, dass ihre Desinformationskampagnen und ihr Terrorismus funktionieren." Abu Nasser, ein Führer der al-Aksa-Brigaden, hat gegenüber WorldNetDaily hingegen gesagt, dass er Google gratuliere, da die Al-Aksa-Moschee ein Teil Jerusalems sei, das zu Palästina gehöre: "Wenn eine solch große Organisation wie Google diese historischen Fehler in Karten korrigiert, dann können wir vielleicht die Darstellungen von Palästina in den amerikanischen Medien verändern, die von den Zionisten kontrolliert werden." Der Tempelberg existiere "nur in der Vorstellung der Juden und Amerikaner". Wie immer Google auch auf die Vorwürfe oder das Lob reagieren mag, den israelisch-palästinensische Konflikt wird man nicht ausschließen können, solange man den Menschen erlauben wird, Kommentare auf Google Earth zu schreiben, und solange die Frage des Gebiets eines palästinensischen Staats nicht geklärt ist.

http://www.heise.de/tp/artikel/24/24466/1.html
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