Nicht nur die Großen bloggen
Auch eine kleine Regionalzeitung wie das Grevenbroicher Tagblatt unterhält nun ein eigenes Weblog
Schwer im Trend sind derzeit Weblogs, die von Zeitungen oder Magazinen betrieben werden. Und selbst die Tagesschau mischt ja mittlerweile in der Szene mit. Aber auch kleinere Regionalzeitungen unterhalten inzwischen Weblogs. Und ein besonders feines gönnt sich seit kurzem das Grevenbroicher Tagblatt.
Geschrieben wird es von keinem Geringeren als dem stellvertretenden Chefredakteur des Blattes: Horst Schlämmer, ein Internet-Enthusiast der ersten Stunde, der schon seit längerem natürlich auch eine eigene Homepage besitzt. Dort gewährt der ausgebuffte Medienprofi Einblicke in seine glanzvolle Journalistenkarriere. So gründete er beispielsweise die erste Schülerzeitung an seiner Lehranstalt:Die allerdings wurde bereits nach einer Ausgabe wieder eingestellt, da er (Schlämmer) gleich zur Premiere in seiner Funktion als Chefredakteur und Herausgeber in einem Kommentar forderte, neben der Schulmilch auch Bier (,und im Winter Glühwein') an volljährige Schüler auszuschenken, ,denn was im Lehrerzimmer erlaubt ist, sollte auch der Schülerschaft nicht vorenthalten werden.'
Später volontierte er dann bei seinem heutigen Blatt, dem er trotz eines lukrativen Angebots der FAZ stets treu geblieben ist. Zitat:
Doch nur am Schreibtisch zu sitzen, war niemals sein Traum. ,Ich werde weiter an die Front jehen', kündigte Horst Schlämmer damals bei der legendären und feuchtfröhlichen Berufungsfeier vor Kollegen an und darum ist er auch zugleich sein bester Chefreporter. So deckte er parallel zu einem großen Nachrichtenmagazin, aber leider unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit, verschiedene Skandale ("Flick", "Neue Heimat", "Coop") auf.
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Und nun hat er also im Auftrag seiner Zeitung ein Weblog ins Netz gestellt. Eine interessante Mischung aus Texten und kurzen Videos. Und gleichzeitig ein innovatives Medienexperiment, das wohl einmalig im Netz ist. Schlämmer beschreibt und dokumentiert nämlich darin seinen Versuch, den Führerschein zu machen, ja er lässt seine Leser daran teilnehmen und deckt bei alldem auch die Schwächen der heut üblichen Fahrschulpraxis schonungslos auf: "Ihr glaubt nicht, was ein Führerschein heutzutage kostet! Das ist eine Unverfrorenheit." Oder: "Aber macht euch nichts vor, so eine Theoriestunde ist tendenziös langweilig."
Dabei nimmt er trotz seiner leitenden Position beim "Grevenbroicher Tagblatt" kein Blatt vor dem Mund und nennt ganz offen seine Motive: "Denn wie immer gilt: je mehr Führerschein, desto weniger Single. Das ist statistisch. Beziehungsweise, wer den richtigen Wagen hat, kriegt auch die richtigen Hasen. Ihr wisst, was ich meine. Man muss seine PS auch auf die Straße bringen."
Kurzum: ein höchstinteressanter Einblick in das wilde Leben eines typischen deutschen Journalisten. Und ein Weblog, das jetzt schon auf Platz 87 der deutschen Blogcharts steht. Was ein Horst Schlämmer macht, hat eben immer Hand und Fuß.
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