EU lässt für ein sicheres Internet trommeln

06.02.2007

Zum vierten Mal findet der "Safer Internet Day" statt

Kinder und Jugendliche sollten vor Gewaltdarstellungen und Pornographie in den Medien bewahrt werden. Trotzdem haben sie Zugang zu Killerspielen und Sexseiten im Internet. Es ist auch nichts Neues, dass Pädophile das Internet zur Kontaktanbahnung mit Minderjährigen suchen. Seit 2002 versuchen Initiativen einmal im Jahr Kinder und Erziehungsberechtigte zu sensibilisieren. "Safer Internet Day" heißt die Veranstaltung und will mehr als eine reine Alibiveranstaltung.

Im Familienministerium weiss man, das Kinder heutzutage viel mehr Zeit vor Fernseh-oder Computerbildschirmen verbringen als mit Lesen oder Sport. Aber was konsumiert der Nachwuchs eigentlich über die elektronischen Medien? Was im Fernsehen läuft und daher zugänglich ist, ist einfach zu kontrollieren. Das Internet ist es nicht. Man kann nichts wirklich aussperren, auch nichts, was für Kinder und Jugendliche in ihrer seelischen und rationalen Entwicklung schädlich sein könnte. Wie zum Beispiel Pornos in der Pubertät. Hilft also nur der medienpädagogische Ansatz. Mit dem soll die Medienkompetenz des Nachwuchses ausgebildet werden. Das Familienministerium spricht Eltern und Kinder zweckmäßigerweise über das Internet an. "Schau hin", heißt der Onlineauftritt.

Jugendschutz.net hat das gleiche Ziel. Die Rechercheure von Jugendschutz.net suchen eigenen Angaben zufolge in Chaträumen nach sexuell motivierten Kontaktanbahnungen zu Minderjährigen, suchen nach jugendgefährdenden Inhalten auf der Webseite der NPD. Jugendschutz.net möchte ein Medium sein, welches mit Hinweisen aus der Web-Bevölkerung arbeitet. Verstöße gegen Jugendschutzgesetze sollen gleich online an die Rechercheure gemeldet werden.

Nach Angaben von Jugendschutz.net haben im Jahre 2005 exakt 1949 Websitebetreiber gegen Bestimmungen des Jugendschutzes verstoßen (vgl. den Jahresbericht 2005). Die Inhalte auf den beanstandeten Seiten waren demzufolge zufolge pornographisch, rechtsextrem oder gewaltverherrlichend. 224 davon betrafen sexuelle Delikte gegen Minderjährige. Die Anzahl der Verstöße nahm insgesamt um 12 Prozent zu.

Jugendschutz.net untersteht übrigens der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM). Sieben Gesetze, Verträge, Richtlinien und Vereinbarungen bilden die Rechtsgrundlage, auf der die Kommission arbeitet. Dazu gehören der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag, die Jugendschutzgesetze der Bundesländer, der Mediendienstestaatsvertrag, der Rundfunkstaatsvertrag und die EU-Fernsehrichtlinie. Alles das ist offenbar nicht ausreichend, um Jugendliche wirksam vor Gewalt Pornographie im Web zu bewahren. Hier kommt nun der "Safer Internet Day" ins Spiel.

Alle Jahre wieder: Klicksafe macht für SID mobil

Für Behörden ist ja oft ein Papier ohne Stempel nichts wert. Vielleicht denken Initiativen ähnlich und geben sich einen Namen mit einer dazugehörigen Abkürzung. Die jährliche EU-Veranstaltung "Safer Internet Day" nennt sich daher SID. Zuständig ist das Ressort "Informationsgesellschaft und Medien" der EU. Es wird derzeit von Viviane Reding geleitet. Sie ist daher die Schirmherrin des "Safer Internet Day", der in 37 Ländern stattfindet und demnach nicht auf die EU beschränkt ist. In Deutschland sind zwei Landesmedienanstalten für den PR-und Marketingstag der Medienwächter und Jugendschützer zuständig. Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Dazu kommt noch das Europäische Zentrum für Medienkontrolle (ECMC).

Die drei Einrichtungen haben des Webportal klicksafe.de beauftragt, alles rund um den Safer Internet Day zu koordinieren. Der Pressesprecher von Klicksafe, Joachim Kind, sieht Klicksafe teils als PR-Agentur für den Safer Internet Day, aber auch als Weiterbildungsinstitution:

Mitarbeiter von uns schulen Eltern und Lehrer über mögliche Gefahren, die auf die Jugendlichen im Internet lauern. Außerdem geben wir Empfehlungen wie Kinder und Jugendliche das Web sinnvoll Nutzen können. Und andere derartige konkrete Inhalte, die Lehrer und Eltern als Schulungsmaterial bei uns bestellen können.

Klicksafe macht das bereits zum zweiten Mal. Aber kann dort jemand irgendwie messen, ob der SID irgendwelche Erfolge brachte? Joachim Kind sagt, es fände keine detaillierte Evaluierung der Maßnahmen statt, die bei den jeweiligen Jahresevents durchgeführt werden. PR-Aktionen ohne PR-Evaluierung? "Naja", schränkt Kind ein, "ein bisschen messbar ist der Erfolg an den Zugriffszahlen auf unsere Website. Die steigen beispielsweise nach jeder Ausstrahlung unseres TV-Spots rasant an und sind im letzten Jahr kontinuierlich gestiegen. Das zeigt, dass wir Menschen erreicht haben. Und das ist unser Ziel: Aufklärung"

PR-Tag mit Aufklärung, aber kein Nachweis, ob das nötig ist. Es sei denn, man interpretiert Zugriffszahlen als Interesse und damit Nachfrage am Angebot. Die Kollegen vom Jugendschutz.net sind da etwas weiter. Sie haben in Zusammenarbeit mit den Landeskriminalämtern das statistische Material zusammengestellt, das die Notwendigkeit von Jugendschutz belegt. Einen Schwerpunkt gibt es nicht. Es gibt drei: Schutz vor sexuellen Übergriffen, vor Nazis und vor Ballerspielen. Das immerhin setzt Klicksafe mit einem Werbespot um, der ab Donnerstag bis zum PR-Tag in 500 deutschen Kinos und im Fernsehen gezeigt werden soll. "Wo ist Klaus" heißt der Streifen und konfrontiert Eltern und Jugendliche mit Nazirabauken, Pädophilen und andrem, was Kinder besser nicht kennen sollten, wenn sie es noch nicht verstehen. Die Botschaft besteht dann in der Aussage, es gäbe Mittel, Möglichkeiten und Gründe zu wissen, was der Nachwuchs im Internet alles so treibt.

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