Hollywoods Piraten-Paranoia sorgt für schlechte Synchronisationen

13.02.2007

Die Angst davor, dass die Blockbuster vor der Premiere im Internet kursieren könnten, treibt immer seltsamere Blüten

Schlechte Synchronisationen gab es leider schon immer. Mit Schrecken erinnere ich mich an Spaceballs von Mel Brooks, einer Parodie auf Star Wars. Da saß ich im Kino und musste fortwährend die deutschen Sprüche in die Originalsprache rückübersetzen, um so mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung an die Wortspiele und Pointen zu kommen, was dann nicht mehr so unterhaltsam war. Die tumben Synchronisateure hatten nämlich ihren Synchronsprechern weitgehend wörtlich umgesetzte Übersetzungen in den Mund gelegt, statt sich sinngemäße und passende Pointen in ihrer eigenen Sprache einfallen zu lassen.

So vergeht einem der Kinospaß. Besser ist man dran, wenn sich ein Kino in Reichweite befindet, das ausschließlich Originalversionen aktueller Filme bringt. Wer Synchronfassungen nicht umgehen kann, muss jedoch mit weiter sinkender Qualität rechnen. Und Schuld daran ist neben dem üblichen Kostendruck ausgerechnet Hollywoods Piratenpanik. Insider des Synchronbetriebs haben es ausgeplaudert. Anlässlich der Berlinale brachte der Berliner Nachrichtensender Inforadio im Magazin "Apropos Wirtschaft" einen Überblick über die vor allem in und um Berlin angesiedelte deutsche Synchronbranche mit zahlreichen aufschlussreichen Interviews.

Schon der Kosten- und Zeitdruck führt offenbar dazu, dass die Sprecher vorher nicht einmal mehr den ganzen Film zu sehen bekommen. Sie bekommen den Text in die Hand und müssen losquatschen. Bei einem Dialog steht ihnen der andere Sprecher nicht etwa gegenüber, und er kann daher gar nicht auf dessen Sprechweisen, Tonlagen und so weiter reagieren. Denn es soll angeblich billiger sein, wenn jeder seine Töne nur für sich und möglichst schnell absondert.

Nicht zuletzt Hollywoods Raubkopien-Phobie führte dazu, dass Blockbuster heute möglichst gleichzeitig in allen Teilen der Welt gestartet werden. Das wiederum führt zu einem noch höheren Zeitdruck für die Synchron-Akkordarbeiter hierzulande. Sie müssen oft bereits mit der Synchronisation beginnen, wenn der Film noch gar nicht ganz abgedreht und schon gar nicht endgültig geschnitten ist. Das wiederum führt zu hektischer Hackstückelei vor dem Filmstart, da dann die Synchronisation ganz schnell an die endgültige Fassung des Originalfilms angepasst werden muss.

Kommt ein Hollywood-Blockbuster bei der inzwischen an der Börse gehandelten Synchronfabrik namens Berliner Synchron Wenzel Lüdecke zur Weiterverarbeitung an, wird es ganz geheim. Der Geschäftsführer durfte im Interview nicht einmal die Synchronisationen nennen, die derzeit in Arbeit sind - so schreiben es die Auflagen der Auftraggeber vor. Und wenn die Sprecher gerade ihre Sätze runterleiern, stehen von den Filmfirmen bestelle Sicherheitsleute vor den Türen, damit auch nur ja kein Flüsterton nach außen dringt.

Eine echt absurde Beeinträchtigung der Synchronisation aber stellt es dar, wenn die Synchronsprecher nicht einmal mehr den richtigen Film zu sehen bekommen. Eine Sprecherin berichtete davon, dass beispielsweise ein Disney-Animationsfilm nur in Schwarzweiß, höchst unscharf und mit eingeblendeten Balken gezeigt wurde. Sie beschwerte sich zu Recht darüber, dass sie so die Stimmung eines Films gar nicht auffangen und auch nicht entsprechend umsetzen könne.

Dass gerade Disney den Geheimhaltungswahn so weit treibt und auf das kreative Ergebnis gar keinen Wert mehr legt, verwundert allerdings nicht. Zumal dort inzwischen auch Steve Jobs mit das Sagen hat, der die Kunst der Geheimhaltung schon bei Apple mit juristischen und anderen Mitteln zur höchsten Blüte zu treiben vermochte.

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