Auch Iran hat "Beweise"

19.02.2007

Nach den Anschlägen in Belutschistan kontert Iran die Vorwürfe der US-Regierung, die Aufständischen mit Waffen zu unterstützen, mit denselben Mitteln

Am Mittwoch wurde in der Nähe der iranischen Stadt Sahedan, der Hauptstadt der südöstlichen Provinz Sistan-Belutschistan, an der Grenze zu Pakistan, ein Bombenanschlag auf einen Bus ausgeführt, in dem sich Mitglieder der Revolutionären Garden befanden. 12 Soldaten wurden getötet, 31 verletzt. Für den Anschlag zeichnete sich die sunnitische Gruppe "Dschundallah" (Armee Gottes) verantwortlich, die von Teheran der al-Qaida zugerechnet wird. Schon kurz nach dem Anschlag drehte die Regierung den Spieß um, nachdem die US-Regierung im Rahmen einer Eskalationsstrategie vor kurzem "Beweise" für die Unterstützung schiitischer Aufständischer im Irak mit Waffen vorgelegt hatte (Das Bagdad-Dossier), und beschuldigte die USA, die Täter zu unterstützen (Gestützt auf gesammelte Beweise).

Am Samstag erfolgte wiederum in der Nähe von Sahedan ein weiterer Angriff. Eine Bombe explodierte an einer Schule, dann sei geschossen worden. Verletzt oder getötet wurde niemand. Der Gouverneur der Provinz, Hassan-Ali Nuri, erklärte, Terroristen würden versuchen, den Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten zu schüren, um ethnische Konflikte auszulösen.

Nach Soltan-Ali Mir, dem Chef der Sicherheitsbehörde der Provinz, seien nach dem Anschlag vom Mittwoch Waffen und Munition gefunden worden. Es sei interessant, meinte er, "dass die Waffen in den USA und in Großbritannien hergestellt wurden". Das mag durchaus sein, aber das bedeutet natürlich ebenso wenig, dass die Terroristen von der USA oder Großbritannien mit Waffen beliefert oder unterstützt werden, wie umgekehrt Funde von iranischen Waffen im Irak bei Aufständischen nicht beweisen, dass sie von der iranischen Regierung oder el-Kuds geliefert wurden. Verwunderlich ist jedenfalls nicht, dass nun Iran ganz spiegelbildlich dieselben Propagandamittel wie das Weiße Haus einsetzt, schließlich wird auch hier seit langem – etwa durch einen Bericht von Seymour Hersh - gemunkelt, dass die USA iranische Oppositionsgruppen unterstützt und vielleicht sogar Agenten eingeschleust hat, um das Land zu destabilisieren.

Die Nachrichtenagentur Fars News legte am Sonntag nach und präsentierte von den angeblich bei der Terrorgruppe Dschundallah am Donnerstag im Laufe einer Razzia gefundenen Waffen und Munition eine Fotografie im Stil des Pentagon, die die amerikanische Herkunft belegen soll. Weitere Dokumente, Fotografien und Filme sollen als Beweismittel folgen. Iran habe Vertreter von internationalen Organisationen eingeladen, sich die Beweismittel anzusehen. Die USA und Großbritannien, die vorgeben, gegen den Terrorismus zu kämpfen, würden selbst den Terrorismus fördern. Als Beleg wird auch angeführt, dass nach dem Informationsdienst Stratfor die USA ethnische Minderheiten im Iran unterstützen würden, um Druck auf die Regierung auszuüben.

Nach Mir hätten die festgenommenen Terroristen überdies gesagt, sie seien von Personen ausgebildet worden, die Englisch gesprochen hätten. Und sie hätten gestanden, dass sie an einigen Treffen in Nachbarländern wegen finanzieller Unterstützung teilgenommen hätten. Und das würde doch darauf hinweisen, dass die USA und Großbritannien irgendwie in die Vorfälle verwickelt seien. Näher läge eine Verwicklung Pakistans, nachdem dort viele Terrorgruppen tätig sind, die Anschläge in Afghanistan oder wie jetzt wieder auf den indischen Zug ausführen. Einer der Gefangenen habe gesagt, sie hätten sunnitische Führer töten und dann Schiiten die Schuld zuschieben oder umgekehrt Anschläge auf Schiiten ausüben sollen, um diese gegen die Sunniten aufzuhetzen. Im wilden Grenzgebiet zwischen Pakistan und Iran leben Schiiten und Sunniten. Tatsächlich könnte sich hier ein ethnischer und regionaler Konflikt entzünden. Angeblich hätten Tausende von sunnitischen und schiitischen Bewohner der Provinz eine Petition unterzeichnet, um ganz im Sinne der iranischen Regierung Sicherheit zu fordern.

Zurückgewiesen werden von Teheran Meldungen, al-Sadr habe mit anderen Mitgliedern seiner Miliz wegen der Sicherheitsoperation aus dem Irak im Irak Zuflucht gefunden (Muktada as-Sadr in Iran?). Das sei Teil der "psychologischen Kriegsführung" der US-Regierung. Am Wochenende haben sich die Präsidenten Syriens und des Iran getroffen und eine enge Zusammenarbeit gegen den Druck aus Washington vereinbart. Sie forderten die regionale Einheit und die Abwehr von Versuchen, Schiiten und Sunniten gegeneinander aufzuhetzen. Ahmadinedschad sprach von "satanischen Plänen der Feinde". Syrien und Iran bekräftigten in einer Erklärung das Rechts Irans auf die friedliche Nutzung der Kernkraft und die Notwendigkeit, diesen Konflikt diplomatisch zu lösen. Gegenüber Israel wurde betont, dass die Region atomwaffenfrei gemacht werden müsse. Beide Präsidenten unterstützten eine palästinensische Einheitsregierung und die legitime Regierung im Irak sowie die nationale Einheit Iraks.

Der US-Regierung wirft Iran vor, dass diese nicht ernsthaft verhandeln will. Im iranischen Parlament fordert man eine Erhöhung der Rüstungsausgaben, ab Montag finden landesweite Truppenübungen der Revolutionären Garden statt. Geübt werden sollen Taktiken der Verteidigung und des asymmetrischen Kampfes. Versichert wird, dass solche Übungen regelmäßig stattfinden und auch zum Testen neuer Waffen dienen. Aber auch wenn es nicht gesagt wird und die iranische Regierung den eigenen Leuten versichert, es drohe nicht wirklich eine Gefahr, wird aufgerüstet für den Ernstfall (Warten auf den Krieg?).

x
Fehler melden
Telepolis zitieren
Vielen Dank!
Kommentare lesen (151 Beiträge) mehr...
Anzeige
Anzeige
Hellwach mit Telepolis
Anzeige
Cafe
Telepolis-Cafe

Angebot des Monats:
Kaffee und Espresso aus Nicaragua in der Telepolis-Edition für unsere Leser

Cover

Aufbruch ins Ungewisse

Auf der Suche nach Alternativen zur kapitalistischen Dauerkrise

Anzeige
Cover

Die Form des Virtuellen

Vom Leben zwischen den Welten

Machteliten

Von der großen Illusion des pluralistischen Liberalismus

bilder

seen.by

Mit dem Schalter am linken Rand des Suchfelds lässt sich zwischen der klassischen Suche mit der Heise-Suchmaschine und einer voreingestellten Suche bei Google wählen.

Tastenkürzel:

ctrl-Taste:
Zum Wechseln zwischen Heise- und Google-Suche

esc-Taste:
Verlassen und Zurücksetzen des Eingabe-Felds

Buchstaben-Taste F
Direkt zur Suche springen

SUCHEN

Mit dem Schalter am linken Rand des Suchfelds lässt sich zwischen der klassischen Suche mit der Heise-Suchmaschine und einer voreingestellten Suche bei Google wählen.

SUCHEN

.
.