Was Schüler wirklich wollen?

Peter V. Brinkemper 22.02.2007

Kleine Umfrage unter Schülern des Jahrgangs 10

Die öffentliche Schule, die Lehrer und die Schüler sind im Gerede: Die PISA-Diskussion über Leistungsfähigkeit, Autorität und Disziplin, die private Schule und das Internat nimmt kein Ende. In NRW werden in diesem Jahr 2007 zum ersten Mal das Zentralabitur und die zentralen Abschlussprüfungen im Jahrgang 10 abgehalten. Was aber erwarten die Schülerinnen und Schüler selbst von ihren Lehrern, vom Schulleben und vom Unterricht? Gibt es noch jemand, der sie nach ihren Wünschen fragt? Und ist dafür bei allem Leistungsstress überhaupt noch Platz?

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Fünf Fragen

In einer Gesamtschule im rheinischen Umfeld Kölns wurden rund 50 Schülerinnen und Schüler des Jahrgangs 10 folgende offenen Fragen gestellt:

"Ihr seid jetzt in der Jahrgangsstufe 10.
1.Was hast du früher von deiner Lehrerin / deinem Lehrer in der Grundschule erwartet bzw. gut gefunden? Warum?
2.Was wurde aus deiner Sicht anders, als du Schüler / Schülerin in Klasse 5 an einer Gesamtschule wurdest? Welche Erwartungen hattest du an die Klassenlehrer und Fachlehrer? Warum?
3.Welche Fächer lagen dir von der 8. bis zur 10. Klasse am meisten? Warum?
4.Was wirst du von einem guten Ausbilder oder Arbeitgeber beim Eintritt ins Berufsleben erwarten?
5.Was erwartest du von Oberstufenlehrern?"

Das Ziel dieser kleinen Frageaktion war es, Schülerinnen und Schüler zum ALLGEMEINEN Nachdenken über ihre Erwartungen an Lehrer, Schulform und Unterricht zu bringen. Und zwar unabhängig vom allgemeinen oder fachlichen Leistungsstand sowie vom eigenen konkreten Verhalten im Unterricht und Schulleben. Möglichst bis zu einer Reflexion über mittelfristige Veränderungen ihrer eigenen Erwartungen hinsichtlich des Schullebens. Dabei ging es um die Suche nach typischen, relevanten, qualitativ prägnanten Aussagen, um starre oder flexible Begründungsmuster, die spätere quantifizierbare Umfragen ermöglichen.

Gesichtspunkte zur Differenzierung

Die Statements umfassen unter anderem folgende bemerkenswerte Gesichtspunkte:

Sie beschreiben aus der subjektiven Sicht der Schüler den Wechsel von der Grundschule zur weiterführenden Schule.

Sie stellen den Wechsel entweder als völligen Bruch oder als mehr oder weniger gelungenen Übergang dar.

Beide Schulformen und der Wechsel werden zum Teil kontrovers beurteilt.

Entweder recht pauschal oder im Ansatz differenziert. Dies betrifft sowohl die Darstellung der jeweiligen Schulform wie der angedeutete Vergleich.

Eine Mehrheit befürwortet oder verklärt die Lernsituation in der Grundschule, aber es gibt auch kritische Gegenstimmen.

Die Grundschule und die positiven Nah-Erfahrungen mit zumeist Lehrerinnen bilden oft den Maßstab, das Ideal für gelungenen Unterricht und sinnvolles Schulleben auch an weiterführenden Schulen.

Die stärker formalisierte und distanzierte Alltagsroutine an der Gesamt- und Ganztagsschule, das System der Klassen- und Fachlehrer sowie die früh einsetzende Differenzierung von Kursen nach zusätzlichen Fachangeboten und Leistungsniveau (Erweiterungs- und Grundkurs) sorgen seltener für eine Verstärkung, häufiger dagegen für eine deutliche Relativierung der vorherigen Grundschul-Erwartungen.

Diese Relativierung wird eher beiläufig, halbbewusst und unzusammenhängend, als eine Art von "Lern-, Bildungs- und Erfahrungsschicksal" dargestellt.

Wie auch immer man im einzelnen verstehen, interpretieren und werten mag: Es scheint ein gravierendes mentales und praktisches Aufarbeitungsdefizit vorzuliegen. Und zwar nicht allein von Seiten der Schüler, sondern auch der Institution Schule. Und zwar in Hinblick darauf, dass sich die Schülerinnen und Schüler oft durch die bestehende Unterrichtspraxis nicht immer hinreichend ernst genommen fühlen und gegenüber den aufgestellten Routinen, Stilen, Forderungen und Maßstäben eine unterschiedlich "munitionierte" Reserve entwickelt haben.

Die konkreten Erfahrungen an der Gesamtschule und die damit verbundenen alten und zukünftigen Erwartungen für Berufsausbildung oder Oberstufe werden von einer Minderheit von Schülern in reflektierterer Weise nach Kriterien bearbeitet und beurteilt, die sich einen Schritt weit von älteren sozial-emotionalen Kategorien lösen, ohne den Aspekt der sozialen Kommunikation zu vernachlässigen.

Usmans Erfahrung ist vielleicht besonders extrem, mit einem Sprung von der pakistanischen Grundschule in eine deutsche Gesamtschule:

Ich denke an die Zeiten gerne nach, weil ich damals in Pakistan war. Und die Grundschule von Pakistan war ziemlich anders als hier in Deutschland. Ich hatte eine Lehrerin als Klassenlehrerin. Sie war ganz gut, und eigentlich auch sehr nett zu mir gewesen. Die Lehrer und Lehrerinnen in der Grundschule durften auch schlagen. z.B., wenn jemand die Hausaufgaben nicht macht, kriegt er dort Schläge, und wenn er die Aufgabe im Unterricht nicht macht, kriegt der auch Schläge. Sonst war damals alles sehr schön. Für mich war es ganz anders, als ich nach Deutschland kam, konnte ich kein Wort Deutsch. Ich musste als erstes Deutsch lernen und deshalb ging ich in eine Internationale Klasse in der Gesamtschule. Da habe ich anderthalb Jahre lang Deutsch gelernt. Danach kam ich direkt in die siebte Klasse.

Sinn und Grenzen des emotional-familialen Lehrer-Modells

Immer wieder vorrangig werden als soziale Werte Freundschaft, Zuwendung und sogar Zuneigung zwischen Lehrern und Schülern in der Grundschule genannt. Vor allem von Schülerinnen, die oft mit familialen und narzisstischen Kategorien wie "Schwester, Mutter, Tante" arbeiten. Sie geben ihrer emotionalen Begeisterung bei Erwartungsbestätigung, aber auch ihrer Enttäuschung vorbehaltlos Ausdruck.

Das emotional-familiale Lehrer-Modell wird mit Einschränkungen auch auf spätere Lern- und Ausbildungsituationen ("gutes Klima") übertragen. Allerdings ist entscheidend, ob diese Erwartungen zu stark und unbearbeitet bleiben. Sie sollten flexibilisiert und mit kognitiven und sozialen Dimensionen verbunden werden, um extrafamiliale Perspektiven der Versachlichung zuzulassen und tiefergehende Lernmotivationen zu ermöglichen.

Christina hat die positive Beziehung zu ihrer Grundschullehrerin "schulübergreifend" aufrecht erhalten:

In der ersten und zweiten Klasse hatte ich die besten Lehrerinnen, die es gibt! Sie waren wie eine sehr gute Freundinnen für mich. Mit einer tausche ich noch heute Briefe aus. Das ist genau das, was ich in der Grundschule erwartet hatte: dass man Spaß hat und auf mich eingeht und natürlich einem hilft.
An der Gesamtschule wurde die Unterrichtszeit länger, der Stoff wurde anspruchsvoller. Es war nicht mehr das Gefühl von Familie, das in der Grundschule dazu gehört. Wir waren unterrichtsweise getrennt und die Klassenlehrer sind auch nicht immer da. Von einem Ausbilder erwarte ich: Gutes Arbeitsklima und gute Bezahlung. Oberstufenlehrer sollen gut unterrichten und fair bewerten.

Anne zeichnet dagegen deutlich den Prozess zur emotionalen Distanzierung und anschließenden Differenzierung nach:

Meine Grundschullehrerin war wie eine große Schwester für mich, dass sie mir einen Einblick in die weite Welt gab. In der weiterführenden Schule hat sich viel geändert. Auf einmal war es wichtig, was man für Kleidung trug, mit welchen Leuten man rumhing und dass man nicht mehr mit Puppen spielte. Nur wenige ließen sich nicht mitreißen. Für die anderen änderte sich ihr Leben. Die Erwartungen wurden erfüllt. Man hatte gehofft, endlich erwachsen zu werden. Das geschah dann eher unbewusst. Zu den Fachlehrern entwickelt man eine ziemlich unpersönliche Beziehung. Das einzige, worüber man mit ihnen redete, waren die Schule und Noten.
Ich erwarte von meinem späteren Arbeitgeber, dass er mich gerecht und sozial behandelt. Ich würde es auch begrüßen, wenn ich eine freundschaftliche Beziehung mit ihm/ihr aufbauen könnte. Oder wenigstens einen höflichen und freundschaftlichen Umgang. Von den Oberstufenlehrern erwarte ich fast das gleiche. Keine Freundschaft, aber sie sollten mir gegenüber respektvoll sein. Sie sollten mich auch unterstützen und versuchen mir zu helfen. Ich erwarte, dass sie qualifiziert sind für diesen Job und mir viel beibringen können.

Die volle Ambivalenz des alten emotionalen Modells vor und nach dem Schulformwechsel hat Stephanie erfahren. Die Ambivalenz der Gefühle in der Grundschule verstärkte sich dann individuell und gruppenweise noch in der Gesamtschule: In der 1. Klasse hatte sie als Lehrerin "eine sehr gute Freundin und liebe Tante", nach dem umzugsbedingten Schulwechsel, traf sie auf eine Lehrerin, die sie dann "gehasst" habe:

Sie hat meine Erwartungen ganz und gar nicht erfüllt. Ich habe in der Grundschule erwartet, dass man auf mich eingeht, dass die Lehrerin mit Liebe unterrichtet, damit der Unterricht auch Spaß macht. Und das die Lehrerin einem hilft, wenn man Probleme im Unterricht und mit dem Freunden hatte.

Aus der Gesamtschulklasse wird dann von einem extremen Bruch berichtet, die Erwartungen klafften auseinander und führten zu Konflikten:

Es gab Krieg zwischen den Schülern und den Lehrern. Zwei Lehrer gingen, weil sie mit uns nicht klar kamen. Wir hatten den Ruf, die schlimmste Klasse im Jahrgang zu sein. Einige Lehrer weigerten sich, uns zu unterrichten. Aber es gab auch Lehrer, die fast keine Probleme mit uns hatten und gut mit uns klarkamen.

Verbesserung oder Verschlechterung der Lernsituation beim Schulformwechsel?

Der Schüler Merlin benutzt zwar auch die "Mutter"-Metapher für seine Erwartungen hinsichtlich Fördeurung, scheint sich aber frühzeitig aus der rein emotionalen Modell der charismatischen Grundschullehrerin verabschiedet zu haben zugunsten einer Sachorientierung an individuell variablen Interessen:

Nach der ersten Klasse habe ich die Grundschule wegen eines Umzuges meiner Familie gewechselt. Meine neue Klassenlehrerin war eine sehr gute Lehrerin, weil sie nett und freundlich war. Sie konnte aber böse werden, was jedoch selten der Fall war. Doch nach der zweiten Klasse bekam ich eine andere Lehrerin, die ich nicht O.K. fand. Ich musste immer ohne Grund bei ihr nachsitzen. Sie meckerte mich wegen Hausaufgaben an, die ich nicht aufhatte. Ich erwartete nette, freundliche Lehrer, die sich wie eine Mutter um jemanden kümmerten. Doch in der dritten Klasse wurde ich eines besseren belehrt. Vielleicht hatte ich Pech, aber meine Grundschullehrerin war übel. Sie hatte zwei Lieblinge, die immer bevorzugt wurden. Ich stand auf ihrer schwarzen Liste. Mir wurden belanglose Fehler angestrichen und ich musste grundlos nachsitzen.
Deshalb war ich sehr froh, in die 5. Klasse meiner Gesamtschule zu kommen. Ich dachte mir, dass der Unterricht in der weiterführenden Schule eher lässiger Natur sei. Doch auch dort wurde ich eines besseren belehrt. Obwohl die Gesamtschule nicht so easy war, wie ich gedacht hatte, gab es durch die Fachlehrer doch noch Freiraum. Ich fand es cool, Fachlehrer zu haben. Man war nicht mehr so an ein Lehrerpaar gebunden. Ich habe früher gedacht, dass Fach- und Klassenlehrer immer eng an eng zusammen arbeiten würden. Doch dies war nicht so.
Die Unterstufe, also 5. bis 7. Klasse, war recht einfach. Doch in der Mittelstufe, 8. bis 10 Klasse, wurde es immer schwieriger. Die Fächer die mir am meisten lagen, waren Englisch, Sport und Mathe. Später kamen auch Philosophie und Musik dazu. Da ich selbst Musiker und Sportler bin, waren die Fächer Musik und Sport wir für mich gemacht. Außerdem faszinieren mich Zahlen. Englisch mochte ich auch sehr, weil dies eine sehr einfache und schöne Sprache ist.
Von Oberstufenlehrern erwarte ich, dass sie die Schüler unter Kontrolle haben und ihnen guten Unterricht bieten. Ein Oberstufenlehrer soll mich optimal auf das Abitur und das spätere Berufsleben vorbereiten. Im Beruf erwarte ich, dass ein Ausbilder/Arbeitgeber mich respektiert und fordert. Ich persönlich erwarte, dass mein Arbeitgeber/Ausbilder nett und doch streng ist. Er soll wissen, was Menschenrechte sind und fair zu allen Mitarbeitern sein. Außerdem soll er gerecht sein und keine Lieblinge haben.

Immer wieder spielen Schüler objektiven Lernbedarf gegen emotionale Parteilichkeit an der Grundschule aus. Ob es dabei um eine spätere Einsicht oder frühe Schuldzuweisung geht, bleibt offen.

Diese zwei Sachen waren mir seit der Grundschule wichtig: dass die Lehrerin mir was beibringt und mir hilft, wenn ich Hilfe brauche. Ich wollte sie nicht stören, weil es viele andere Kinder gab, die mehr Hilfe brauchten als ich.

Gökhan

Ich habe von meiner Grundschullehrerin erwartet, dass sie fair zu uns ist und nicht danach handelt, wer ihr Lieblingsschüler ist. Sie hat mir auch nicht viel beigebracht und das spüre ich heute noch, dass mir zum Beispiel Grundwissen in Deutsch fehlt.

Forian

Ich habe keine gute Erinnerung an meine Bedürfnisse in der Grundschule, doch ich weiß, dass meine Grundschullehrerin eine schlechte Lehrerin war. Ich habe erwartet, dass mir meine Grundschullehrer alles beibringen, was ich auf der weiterführenden Schule brauchte, doch das musste ich selber nachholen.

Jonas

Marek vertritt dagegen die Ansicht, die Lernsituation habe sich in der Gesamtschule verschlechtert:

Meine Lehrerin in der Grundschule hat alle fair behandelt. Außerdem war es so, dass ich weit mehr in der Grundschule gelernt habe als in der Gesamtschule. Die Lehrerin wurde von allen akzeptiert und respektiert, wodurch oder alle die Hausaufgaben gemacht und alle im Unterricht mitgearbeitet haben. Auch in der Grundschule hatte ich Klassen- und Fachlehrer. Die größte Umstellung war allerdings die Schulzeit. Von vorher höchstens sechs auf neun. Außerdem haben mir die Schulfächer nicht mehr viel Spaß gemacht. In Klassen mit 30 Schülern melde ich mich mittlerweile gar nicht mehr, weil ich denke, dass ich sowieso nicht drankomme.

Der Wandel der Einstellung

Claudia hat dagegen ihre alte Präferenz der Grundschule zugunsten einer unabhängig, pragmatisch und flexibel klingenden Position aufgegeben. Heute stellt sie aus ihrer Interessenslage dar, das beider Systeme Vorteile und Nutzen bringen. Auf der gleichen reflektierteren Ebene argumentieren Maren und Charlotte.

Für sie bleibt aber die emotionale, soziale und spielerische Dimension der Grundschule ein Vorbild auch für das abstraktere und härtere Gesamtschulsystem. Damit stellt sich die Frage danach, welche Elemente aus der Routine der Grundschule und welche aus der weiterführenden Schule kombinierbar wären, um eine Kontinuitität in Bildung, Erziehung und Ausbildung zu erzielen, die nicht vom biographischen Zufall des aufgeweckten Schülers abhängig ist.

Im Laufe der letzten Jahre hat sich meine Meinung über die verschiedenen Unterrichtsarten und die Lehrer geändert. Früher in der Grundschule war für mich das einzige was zählt, dass ich meinen Spaß hatte und die Lehrerin mir möglichst viel Freiraum gab. Auf das Lernen kam es mir damals nicht an, es interessierte mich nicht wirklich. In der fünften Klasse der Gesamtschule hatte sich vieles verändert. Nicht nur, dass ich jetzt manchmal bis vier Uhr Schule hatte, ich hatte verschiedene Lehrer am Tag und verschiedenen Unterricht in anderen Gruppen, nun konnte ich im Laufe der Jahre zwischen verschiedenen Dingen wählen. Meine Anforderungen an Lehrer und Unterricht hatten sich geändert: Zwar wollte ich immer noch meinen Spaß, doch er war nicht mehr so wichtig wie früher. Ich wollte möglichst schnell und viel lernen. Der Unterricht wurde strenger, was mir bis heute gut gefällt.
Von einem guten Arbeitgeber erwarte ich, dass er mich zumindest am Anfang gut führt. Er soll mir zunächst helfen, mich in meinen Beruf einzufinden und danach soll er mir den Freiraum geben, den ich für meinen Beruf brauche. Ich will so selbstständig wie möglich werden, ich will schließlich eines Tages meine eigenen Firma.

Claudia

Ich habe mir viel von meiner Grundschullehrerin erwartet, da ich total zufrieden war, alles war cool und locker. Meine beiden Grundschullehrer waren aufrichtig und ehrlich, das war ein gutes Vorbild für mich. Aber sie brachten mir auch bei, selbstständig zu lernen. Alles wurde ganz plötzlich kälter und härter. Die Lehrer waren nicht mehr dieselben. Auf einmal war ich auf mich allein gestellt. Ich musste mich alleine um meine Sachen kümmern und dürfte bloß keinen falschen Eindruck hinterlassen. Ich erwartete nur ein bisschen mehr Wärme und Liebe von meinen Lehrern.

Maren

Von meiner Grundschullehrerin habe ich erwartet, dass sie mich spielerisch an das Grundwissen dieser Menschheit heranführt. Ich denke, es war wichtig, dass sie uns für den sozialen Umgang schulte. Aber auch aus "Wissens"-Sicht war es wichtig, dass sie mir einige Grundregeln für mein späteres Leben beibrachte. In der Gesamtschule war es nicht mehr so familiär. Alles war viel größer und geregelter. Dadurch wurde es auch manchmal langweiliger. Zu den Fachlehrern war die Beziehung noch unpersönlicher, da man sie zum Teil auch nur zwei Stunden in der Woche hatte, dies sorgte für mehr Abwechselung. Man lag ihnen weniger am Herzen.

Charlotte

Es sieht so aus, als ob die Schüler in den weiterführenden Schulen eine Dimension von kommunikativer Nähe und Intensität nachfragen, die bei derzeitiger Klassenstärke, Unterrichtsfrequenz, Stoff- und Methoden-Überfrachtung immer stärker an den Rand des "pädagogischen Geschehens" gedrängt wird. Auch die Zentralisierung von Prüfungen im landesweiten Stil gibt den Beteiligten kaum das Gefühl, in der Standardisierung und Vermassung einander näher zu sein.

In der einen "Fraktion" klammern sich Schülerinnen und Schüler an Modelle von vertrauter Nähe und Übersichtlichkeit im Stil von Grundschullehrern und Kleingruppen. In der anderen "Fraktion" stellen sich Schüler als Flüchtlinge eines gelegentlich unerträglichen Familienmodells mit angepassten Lieblingen und schwarzen, oft intelligenten Schafen dar. In einer integrativen-reflektierten Fraktion werden Überlegungen zur Lehrerrolle hier und heute angestellt, die als konstruktiven Beiträge der Schüler zu einer Optimierung des Schulalltags und zur Schaffung eines lebendigen Unterrichts in Grundschulen UND in weiterführenden Schulen verstanden werden können, um dem diffusen "Rauschen" der Kanäle, Bildungsangebote und Fachanforderungen zu entkommen.

Der gute Lehrer – das Fazit der Schüler

Der gute Lehrer oder die gute Lehrerin muss auf jeden Fall einen Unterricht abhalten, der den Schülern Spaß bereitet. Sonst hat er in der multimedialen Gesellschaft verloren. Er muss sich Gehör und Gesicht verschaffen. Allerdings ist das Wort Spaß spezifisch vorcodiert. Und dieser Code ist der Schlüssel zum Ohr, Auge, Gehirn und Herz der Schüler. Das immer wieder auftauchende Wort ist mehrdeutig und vielschichtig zu verstehen: Spaß ist nicht identisch mit den platten Comedy-Witzen der abgeschlafften Spaßgesellschaft. Spaß ist sozusagen cool, die Spitze eines ansonsten unsichtbaren Eisbergs. Spaß ist Fun, nicht Gag.

Spaß hat zu tun mit Motivation und Begeisterung, mit gegenseitiger Aufmerksamkeit, Anteilnahme und Beteiligung nach festen, akzeptablen Regeln, mit dem Übergang von Distanz zur Nähe und zurück, mit institutioneller Autorität, fachlicher und pädagogischer Kompetenz, mit Unabhängigkeit im Urteil und verantwortungsvoller Übernahme oder Delegation von Entscheidungen, mit "Ansteckung" durch kognitive Souveränität, Neugierde, Sich-selbst-und-einander-Verstehenwollen, Selbstkritik, einem Schuss wohldosierter Selbst-Ironie, mit Witz, Urteilskraft, Erfindungsreichtum, Lust am Lernen und Leisten und Erpichtsein auf Kommunikation, mit Improvisationstalent, verhaltener Freude am Showbusiness, mit Aufgeschlossenheit, Offenheit, mit Taktgefühl und Rhythmus bei fälligen Interventionen, mit nachvollziehbarem Gerechtigkeitssinn und einem ehrlichen sozialem Engagement, mit Gespür für die Spannung und den Ausgleich unterschiedlicher sozialer und individueller Interessen, jenseits persönlicher Vorlieben, politisch korrekter "Schleimereien" und schnell sich herumsprechender Hinterlistigkeiten.

Ein guter Lehrer ist für mich, der alle, egal wie schlecht, mitreißt und zum Erfolg führt. Er redet viel mit Schülern über außerunterrichtliche Dinge und macht Witze und baut eine Brücke zwischen Schülern und Lehrer und zwischen Schüler und Schüler. Dies alles schafft er mit seiner jahrelangen Erfahrung, denn keiner ist von Geburt an ein guter Lehrer.

Adil

Eine gute Lehrerin ist eine, die auch Kritik mal entgegen nimmt und einen spannenden Unterricht macht. Außerdem muss man bei ihm oder ihr was lernen können. Ein guter Schüler ist, wer sich in den Unterricht einbringt und der sich nicht alles gefallen lässt.

Knut

Der Lehrer sollte Vertrauen zu den Schülern aufbauen. Die Schüler sollten sich bei ihm sicher und wohl fühlen, denn er kann für bestimmte Schüler die Vertrauensperson sein.

Laura

Ein guter Lehrer oder eine gute Lehrerin sind für mich, wenn sie ihre Schüler verstehen und unterstützen und nicht im Stich lassen. Die uns in den Fächern gut etwas beibringen können, damit wir es dann auch behalten.

Laura B.

Der gute Lehrer sollte nicht nimmer nur daran denken, seinen Stoff so schnell wie möglich durchzuziehen. Er sollte auf die Bedürfnisse der Schüler eingehen.

Sarah

Der Lehrer sollte den Unterricht kreativ und interessant gestalten, so dass das Lernen für die Schüler Spaß macht und sie sich gut auf die Unterrichtseinheit konzentrieren können.

Semiha

Ein guter Lehrer ist jemand, bei dem an viel lernt, aber dabei auch eine Menge Spaß hat. Das Unterrichtsfach muss jedoch auch interessant für einen selbst sein. Der Lehrer ist zwar etwas lockerer, aber er muss sich auch durchsetzen können. Er darf sich nicht auf der Nase rumtanzen lassen, muss aber auch Verständnis für gewissen Situationen haben. Er muss sympathisch sein.
Der gute Schüler ist tolerant, also kann sich an den Unterricht anpassen, er macht verhältnismäßig gut mit. Er ist jemand, mit dem man auch reden kann, wenn es Probleme gibt. Er ist bereit, Kompromisse einzugehen, wenn es Unstimmigkeiten gibt. Er muss ja nicht perfekt sein, er muss einfach nur angenehm sein.

Marcel

Ein guter Lehrer ist für mich jemand, der weiß, was er will, sich durchsetzen kann, dabei aber immer gerecht bleibt. Jemand, der als Klassenlehrer seine Klasse wie seine eigenen Kinder behandelt, streng und gerecht. Jemand, der auf die Schüler aufpasst. Jemand, der sich nicht von Sprüchen und angeblichen Geschichten beeinflussen lässt. Jemand, der sich bei einem Konflikt beide Seiten anhört und der nicht gleich der Schulleitung oder den Eltern Bescheid sagt. Jemand, der Dinge richtig gut erklären kann, jemand der auch andere Dinge als Schulstoff fördert, so wie Selbstbewusstsein, Mündigkeit, eigene Meinung, eben starke Charaktereigenschaften. Aber auch jemand, mit dem man mal Spaß haben kann.

Nadine
http://www.heise.de/tp/artikel/24/24682/1.html
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