Beunruhigt und schlecht informiert
Umfrage: Die Mehrheit der Amerikaner unterschätzt die Zahl der irakischen Opfer
US-Bürger wissen ziemlich gut darüber Bescheid, wie viele amerikanische Soldaten im Irak gefallen sind. Dagegen unterschätzen die meisten die Zahlen, wenn es um Iraker geht, die Opfer der Gewalt in ihrem Land geworden sind.
"We don‘t do body counts", lautet die berühmte Regel, die General Tommy Franks zu Anfang des Irak-Krieges ausgegeben hatte, sie prangt ganz oben auf der bekannten Webseite Iraqbodycount.net, wo man sich täglich über die neuesten Schätzungen über irakische Zivilisten informieren kann, die durch "die militärische Intervention im Irak" getötet wurden.
Die Webseite dürfte allerdings nur die Wenigsten unter den 1002 von AP-Ipsos befragten erwachsenen Amerikanern kennen, die zwar mit ihrer Schätzung von 3000 (Median-Wert) gefallenen US-Soldaten Mitte Februar der tatsächlichen Zahl von über 3100 erstaunlich nahe kamen, mit der Schätzung von irakischen Opfern – Median hier: 9.800 – aber weit unter geläufigen Werten lagen.
Die Schätzung von Iraqbodycount, die sich auf Nachrichtenmeldungen stützt, gibt heute beispielsweise zwischen minimal 56 998 und maximal 62 731 getötete Iraker seit 2003 an. Weitaus höhere Zahlen, die in den Medien immer wieder für große Schlagzeilen und Diskussionen sorgten, - berühmt sind hier die Zahlen, die von The Lancet veröffentlicht wurden: Krieg kostete 650.000 Menschen im Irak das Leben -, waren den Befragten ausgenscheinlich ebenfalls unbekannt. Ob die Medienpolitik der amerikanischen Regierung in diesem Punkt doch erfolgreich war?
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Die Frage läßt sich schwer beantworten; fest steht aber, wie die AP-Ipsos-Studie erneut zeigt, dass es der US-Regierung nicht geglückt ist, die Bevölkerung vom Erfolg der Mission im Irak zu überzeugen. Auf einer Liste von Worten, die ihr Gefühl für die Gesamtsituation im Irak beschreiben sollen, wählten 81 Prozent das Wort "worried" (besorgt, beunruhigt), 74% konnten sich am besten mit "compassionate" (mitfühlend) identifizieren, 62 Prozent waren wütend ("angry") und 61 Prozent müde ("tired"). Immerhin gaben aber 51 Prozent an, dass sie Gefühle gegenüber der Lage im Irak auch mit dem Wort "hopeful" (hoffnungsvoll) treffend beschrieben werden können und 38 Prozent empfanden auch Stolz ("proud").
Bemerkenswert ist, dass mittlerweile 17 Prozent der amerikanischen Bevölkerung jemanden kennen, der im Irak getötet oder verwundet wurde. Bei den unter 35jährigen, der Alterschicht also aus der auch die Soldaten kommen, ist es jeder vierte Amerikaner (27 Prozent). An der generellen Einstellung zum Krieg ändert das aber kaum etwas, wie die Studie herausfand.
Allerdings zeigte sich in einem Punkt ein hochinteressanter Unterschied, was die Einstellung zur Legitimität der Kritik am Krieg angeht: Während die Hälfte derjenigen, die jemanden kennen, der in den Kämpfen im Irak getötet oder verletzt wurde, es als richtig empfindet, den Krieg zu kritisieren, sind zwei Drittel derjenigen ohne solche persönlichen Verbindungen davon überzeugt, dass Kritik richtig sei.
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