Ist Ihr Sexleben umwelt- und klimafreundlich?

08.03.2007

Grün wird schick und soll nun auch den Sex erobern

Grün, Umweltschutz, Öko, Bio-Lebensmitel etc.: Das war einmal etwas für die angestaubten, nicht sonderlichen schicken, technik- und großstadtfeindlichen Alternativen. Das Klischee stimmt natürlich schon längst nicht mehr. Jetzt wird das grüne Leben endgültig schick. Die prophezeite Klimakatastrophe, unterstützt durch Al Gores "An Inconvenient Truth", hat die Menschen in Erregung versetzt, die nun bis in die Schlafzimmer reichen und auch den Sex grün machen soll. Ein Ratgeber gibt Hinweise, wie man sein Sexleben grüner machen kann, und Sexläden stellen ihre Angebote um.

Nicht nur die sowieso grünen Aktivisten, sondern auch die harte Geschäftswelt in Sachen Sex hat die grüne Welle erreicht. So preist Babeland.com, das alles anbietet, womit man den Sex aufrüsten kann, seit kurzem einen Eco-Sexy Kit für 59 US-Dollar an. Dabei ist ein Vibrator (ohne Latex und Phtalate), eine Massagekerze, ein Gleitmittel (nicht an Tieren getestet und ohne von Tieren stammenden Ingredienzen) und Kondome. Man hat eine Menge anzubieten, was "gut für die Erde und Ihren Körper" ist. Rebecca Denk, die Verkaufsleiterin, meint: "Wir müssen alles in unserem Leben anschauen, auch unsere Sexualität, und fragen: Wie gesund ist das für mich und wie gesund ist das für den Planeten? Hoffentlich werden wir alle bessere Weltbürger."

Auch die Konkurrenz schläft nicht. So kündigte Good Vibrations ("the Bay Area's legendary destination for sex toys, personal care products and accurate sexual information") Ende Februar an, bis Ende Oktober alle Produkte mit den Phtalate-Weichmachern aus dem Angebot zu nehmen. Angeboten werden etwa umweltfreundliche Solarvibratoren, die sich mit Solarenergie aufladen lassen.

Das seit 2004 bestehende Webmagazin Treehugger setzt auf das neue Geschäft mit dem Umwelt- und Klimaschutz. Man will es konstruktiv, mit positiven Initiativen und vor allem schick haben. Vor kurzem wurde der Ratgeber How to green your sex life online gestellt. Angeblich sollen weltweit mindestens 20 Prozent bereits einen Vibrator benutzt haben. In den USA sollen es gar 43 Prozent aller Menschen sein. Tipp 1 ist also der Rat, möglichst keine Sex Toys mit bedenklichen Chemikalien zu benutzen. Für Kondome gibt es keinen wirklichen Rat, für Geschenke werden biodynamischer Wein, Fair Trade-Schokolade oder organische Massageöle angeführt, schön sei es auch, selber zu kochen. Davor oder danach ist anstatt Baden Duschen zum Wassersparen angesagt, die Heizung kann man herunterdrehen, davor sei ein Fahrradausflug zum Stimulieren nicht schlecht, Essen bei Kerzenlicht sei sowieso romantischer und spare zudem Strom.

Empfohlen werden Leintücher aus Bambus (supersexy, antibakteriell, erneuerbare Ressource). Bei (Unter)Kleidung ist natürlich sowieso alles öko, weniger Fleischverzehr ist auch angesagt (da schlechte Gerüche fördernd), für Aphrodisiaka gäbe es genügend Natürliches auf dem Markt, und für den grünen Sex soll man doch die entsprechenden Märkte, Geschäfte, Restaurants aufsuchen, um den geeigneten "green lover" zu finden. Aber man kann natürlich auch eine "green sex toy party" veranstalten: "Dildos are the new Tupperware. Get your friends together, get over your inhibitions, and trade ideas about healthy and eco-friendly sex and sex products." Datingseiten wie Green Singles gibt es zwar schon lange, aber sie könnten ja jetzt noch besser kommen, wenn man unter sich bleiben und keinen umweltverschmutzenden Sex machen will.

Für die ganz strengen Veganer ist VeggieLove eingerichtet worden. Wer die Wälder mit umweltschützendem Porno retten will, für den gibt es zum Anschauen oder zum Mitmachen Fuck for Forest. Eine ganze Reihe Blogs haben sich bereits dem Thema bzw. der offenbar vielversprechenden Nische zugewandt: Making Love sustainable, Style will save us oder Green Fertility.

Vorreiter waren allerdings bereits die alten Ökokämpfer von Greenpeace. Dort ging man bereits 2002 unter dem Slogan "You can be a bomb in bed without nuking the planet" ans Thema. Beim umweltfreundlichen Sex, so heißt es, kann man das Licht auslassen, wenn man den Partner sehen will, soll man es halt tagsüber machen. Warum man gentechnikfreie Lebensmittel im Zusammenhang mit Sex essen soll, verraten uns die Umweltschützer nicht. Anstatt Austern oder ähnlichen Aphrodisiaka aus den verschmutzten und ausgeräuberten Meeren zu essen, soll man lieber Drinks aus Guaraná oder Caju von Projekten im brasilianischen Regenwald zu sich nehmen. Natürlich rät auch Greenpeace, auf PVC zu verzichten und auf Leder oder Gummi umzusteigen. Um in Stimmung kommen und gleichzeitig Ressourcen zu sparen, wird empfohlen, gemeinsam unter die Dusche zu gehen. Das sei sowieso ein Luxus, den viele Menschen gar nicht haben können. Und schließlich: "Make love, not war." Aber das ist ja schon ziemlich alt.

x
Fehler melden
Telepolis zitieren
Vielen Dank!
Kommentare lesen (53 Beiträge) mehr...
Anzeige
Anzeige
Hellwach mit Telepolis
Anzeige
Cafe
Telepolis-Cafe

Angebot des Monats:
Kaffee und Espresso aus Nicaragua in der Telepolis-Edition für unsere Leser

Cover

Aufbruch ins Ungewisse

Auf der Suche nach Alternativen zur kapitalistischen Dauerkrise

Anzeige
Cover

Die Form des Virtuellen

Vom Leben zwischen den Welten

Machteliten

Von der großen Illusion des pluralistischen Liberalismus

bilder

seen.by

Mit dem Schalter am linken Rand des Suchfelds lässt sich zwischen der klassischen Suche mit der Heise-Suchmaschine und einer voreingestellten Suche bei Google wählen.

Tastenkürzel:

ctrl-Taste:
Zum Wechseln zwischen Heise- und Google-Suche

esc-Taste:
Verlassen und Zurücksetzen des Eingabe-Felds

Buchstaben-Taste F
Direkt zur Suche springen

SUCHEN

Mit dem Schalter am linken Rand des Suchfelds lässt sich zwischen der klassischen Suche mit der Heise-Suchmaschine und einer voreingestellten Suche bei Google wählen.

SUCHEN

.
.