Westerwelle-Wegschaltquote

13.03.2007

Möglichkeiten der sekundengenauen Zuschauerauswertung

Nicht nur Sendungen haben Einschaltquoten - auch Ereignisse, Personen und Bilder. Die von der GfK aufgenommenen Daten und Auswertungssoftware wie pc#tv ermöglichen nicht nur eine Aufbereitung der Quoten nach Sendungen, sondern auch die sekundengenaue Ermittlung, an welchen Stellen Zuschauer wegschalten. Telepolis fragte Andreas Kühner, Director Communication bei SevenOne Media, dem TV-Vermarkter der ProSiebenSat.1 Media AG, zu den Möglichkeiten und Auswirkungen

Foto Medientage München

Herr Kühner, man kann mit Hilfe der GfK-Daten und pc#tv herausfinden, ob ein Ereignis während einer Sendung Zuschauer aus der Zielgruppe eher am Kanal hält oder ob es sie eher zum Umschalten anregt.

Andreas Kühner: Man kann sich den Programmverlauf anschauen und sehen, wie sich die Reichweite während der Ausstrahlung des Programms verändert hat. Das kann jeder Sender, und das nutzt man natürlich auch zur Optimierung von Programmen.

Und die so gewonnenen Informationen werden dann an Produktionsfirmen weitergegeben?

Andreas Kühner: Das ist dem Sender überlassen, wie er die Kommunikation mit den Produktionsfirmen regelt. Wenn das eine Auftragsproduktion ist, die rausgegeben wird, dann ist der Sender natürlich bemüht, die Sendung optimal gestalten zu lassen, so dass die Akzeptanz beim Zuschauer möglichst hoch ist. Und da werden sicherlich alle Möglichkeiten einbezogen, die ein Sender hat, um das Programm gegebenenfalls zu optimieren. Ein Sender kann Produktionsfirmen dann Informationen geben, welche Sachen erwünscht sind und welche Sachen nicht erwünscht sind - bei den Sendungen die er produziert. Aber so einfach ungefiltert weitergegeben werden diese Informationen nicht.

Nun hörte man von einem Sender, der sich selbst eher als Männer-affin definiert, dass es dort eine Direktive gab, die im Abendprogramm Aufnahmen von Frauen mit Kind verbot, weil man festgestellt hatte, dass die Quoten sofort um 50.000 runter gehen, wenn man so etwas zeigt.

Andreas Kühner: Das ist doch völlig normal. Explizit auf die männliche Zielgruppe zugeschnittene Sender wie DSF oder DMAX müssen natürlich dafür sorgen, dass bei dem, was sie ausstrahlen, die Zielgruppe auch wirklich erreicht wird. Wenn ein Programm eher für eine männliche Zielgruppe gemacht wurde und bestimmte Inhalte einer Sendung vielleicht dieser Zielgruppe widersprechen, dann ist man als kommerzieller Sender sicherlich angehalten, das Programm zu optimieren.

Gibt es da nicht eine gewisse Gefahr dass das Fernsehen auf Dauer immer gleichförmiger werden könnte?

Andreas Kühner: Im Gegenteil. Es wird grade nicht gleicher, sondern unterschiedlicher. Es wird immer differenzierter, weil man sich bei 52 Sendern, die ein deutscher TV-Haushalt derzeit empfangen kann, natürlich extrem absetzen muss, wenn man Gehör finden will - sieht man mal von den großen Vollprogrammen ab.

Ein Sender mit - sagen wir mal - fünf oder sechs Prozent Marktanteil am Nachmittag hat ungefähr 300.000 Zuschauer. Jetzt sollen die GfK- Daten aber eine Fehlerquote von 100.000 aufweisen ...

Andreas Kühner: Die Zahl kenne ich nicht. Die GfK-Daten gelten weltweit als die härteste, valideste Quotenmessung. Insofern leben wir da alle extrem gut damit: Die Programme, der Vermarkter, die Werbewirtschaft, die Kunden. In Amerika wird nicht mal der Werbeblock gemessen, sondern nur die Programmreichweite - insofern ist das alles gar kein Thema.

Was hat sich eigentlich genau verändert, seit die Quoten sekundengenau ausgewertet werden? Gibt es Sachen, die man seitdem weniger oder gar nicht mehr im Fernsehen sieht? Guido Westerwelles Medienpräsenz ist ja in letzter Zeit auffällig zurückgegangen - liegt das vielleicht an einer Westerwelle- Wegschaltquote?

Andreas Kühner: Nein. So etwas ist mir nicht bekannt.

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