Die Mehrheit der Iraker sieht ihr Land (noch) nicht im Bürgerkrieg

18.03.2007

Nach einer aktuellen landesweiten Umfrage glaubt knapp die Hälfte der Iraker, dass das Land nach Abzug der Koalitionstruppen schnell sicherer werde und dass sich das Leben nach dem Sturz von Hussein verbessert habe

Zum vierten Jahrestag des völkerrechtswidrigen Einmarsches der Koalitionstruppen in den Irak gab es weltweit zahlreiche Demonstrationen. Allerdings war die Beteiligung meist nicht besonders groß. Auch in den USA kamen weitaus weniger Menschen zu den Protesten, als die Veranstalter erwartet hatten. Eine Umfrage im Irak, die vom britischen Meinungsforschungsinstitut Opinion Research Business (ORB), durchgeführt wurde, ergab, dass sich die Stimmung bei den Irakern über die Zukunft des Landes ein wenig zu verbessern scheint. Dieser Meinung ist man jedenfalls bei der konservativen britischen Sunday Times und sieht gar einen "Wendepunkt", da die Iraker der Meinung seien, dass es ihnen besser gehen werde. Genauer betrachtet, ergibt sich jedoch ein sehr uneinheitliches Bild, das keinen Anlass zur Entwarnung bietet.

Befragt wurden über 5.000 Iraker über 18 Jahre in der, wie ORB behauptet, seit 2003 umfangreichsten Meinungsumfrage, die zwischen dem 10. und dem 22. Februar durchgeführt wurde. Danach sagen trotz der täglichen Anschläge, der ethnischen Vertreibungen und der Gewalt zwischen Schiiten und Sunniten nur 27 Prozent, dass das Land sich im Bürgerkrieg befinde (bei den Sunniten sind es allerdings 41%). Dazu kommen weitere 22 Prozent, die der Überzeugung sind, dass der Irak knapp vor dem Ausbruch eines Bürgerkriegs stehe.

Insgesamt sagen 26 Prozent, dass ein Familienmitglied oder ein Verwandter, und 12 Prozent, dass ein Freund oder Kollege in den letzten drei Jahren ermordet wurde. Bei den Schiiten gaben das 36 bzw. 27 Prozent dies an, bei den Sunniten deutlich weniger (15 bzw. 15%). Auf dem Land scheint es weiterhin sicherer zu sein als in den Städten. 15 Prozent sagen, dass Familienmitglieder ins Ausland (überwiegend nach Syrien und Jordanien), 9 Prozent in die sichereren kurdischen Gebiete geflohen seien.

Nach den Gründen befragt, warum US-Präsident Bush die Truppen erhöhen will, gaben 33 Prozent an, um Frieden und Sicherheit zu bringen, allerdings sagten auch 22 Prozent, um Nachbarländer anzugreifen. Etwa die Hälfte der Befragten steht hinter der jetzigen Regierung, ein Viertel ist der Überzeugung, unter dem Hussein-Regime sei das Leben besser gewesen, für 16 Prozent hat sich nichts verändert. Wie zu erwarten, sagt die Mehrzahl der Schiiten (66%) und der Kurden (75%), dass ihre Situation jetzt besser ist, aber nur 29 Prozent der Sunniten. Über die Hälfte (bei den Schiiten sogar 60%) ist der Meinung, dass die Sicherheitssituation sich einige Wochen nach Abzug der Koalitionstruppen verbessern wird, 26 Prozent (eher Sunniten und Kurden), also deutlich weniger, fürchten das Gegenteil. 45 Prozent denken, die Regierung al-Maliki werde ihre Ankündigung, die Milizen zu entwaffnen, auch realisieren. Bei den Sunniten teilt man diese Meinung kaum.

Immerhin wollen zwei Drittel der Iraker weiterhin an einem Staat festhalten, der von einer Zentralregierung gelenkt wird. Bei den Schiiten ziehen das mit 69 Prozent mehr vor als bei den Sunniten (57%). Die Kurden neigen mit großer Mehrheit (72%) einem neuen föderalistischen System mit unabhängigen Regionalregierungen zu, wofür sich landesweit nur 21 Prozent aussprechen.

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