Mit mobilen Überwachungskameras gegen "Umweltverbrecher"

Florian Rötzer 21.03.2007

Ein Council in London geht mit heimlich angebrachten Kameras gegen Müllsünder, Vandalen und Graffiti-Sprayer vor

Aufruhr hatte es bereits gegeben, als einige britische Gemeinden Chips an den Mülltonnen anbrachten, um damit das Gewicht feststellen zu können. Die Rede war damals von einem "Bin-Brother-Skandal (Der Spion in der Tonne). Jetzt gehen die Gemeinden im Kampf gegen Umwelt- und Müllsündern noch einen Schritt über verwanzte Mülltonnen hinaus und arbeiten mit heimlich angebrachten Überwachungskameras.

  • mobil
  • drucken
  • versenden

Die Umweltsünder, "envirocriminals", müssen zumindest in einem Bezirk Londons in Zukunft besser aufpassen. Der Ealing Council hat drei mobile Überwachungskameras erworben, um "Vandalen und Umwelttäter" zu fangen. Die Kameras werden getarnt und können, so das Council, in Blechdosen oder Ziegelsteinen heimlich angebracht werden. Aktiviert werden die Kameras durch Bewegungsmelder, die Bilder werden dann, wie der Council den Bürgern mitteilte, via Email an das Videoüberwachungszentrum geschickt. In anderen britischen Gemeinden wurden bereits Überwachungskameras an Mülltonnen angebracht.

Entdeckt werden sollen damit angeblich nur größere "Umweltvergehen" wie das Anbringen von Graffiti, Vandalismus oder wiederholtes illegales Abladen von Müll. Die versteckten Überwachungskameras würden nicht benutzt, so wehrt sich der Council gegen Kritik, um Bürger zu bestrafen, die ihre Müllsäcke zu früh auf die Straße stellen oder es zulassen, dass ihr Inhalt überquillt und sich auf der Straße verteilt. Möglicherweise trifft es aber doch auch Anwohner, so der britische Telegraph, die ihre Mülltonnen oder Müllsäcke nur am falschen Tag herausstellen. Zumindest wollte man das nicht ausschließen. "Menschen", so hieß es in der Mitteilung des Council aber dennoch, "die ständig ihren Müll zu jeder Tages- und Nachtzeit und an jedem Tag in der Woche abladen, handeln unverantwortlich und verschandeln die Gemeinde." Angeblich wurde die Überwachungsmaßnahme eingeleitet, bevor der Council mit der Umstellung von der wöchentlichen zur zweiwöchentlichen Müllabholung beginnt.

Zur Bekämpfung des "antisozialen" Verhaltens und der "Umweltvergehen" wie Anbringen von Graffiti oder Wegschmeißen von Abfall stellt der Council mehr Sicherheitskräfte ein. Zudem werden neuen "Trinkzonen" und sogenannte "dispersal zones" eingeführt, in denen Jugendliche unter 16 Jahren nach 21 Uhr aufgegriffen und auch mit Gewaltanwendung nach Hause gebracht werden können. Sie können überdies mit einem Verbot belegt werden, diese Zone aufzusuchen.

http://www.heise.de/tp/artikel/24/24903/1.html
Kommentare lesen (12 Beiträge) mehr...
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Aktive und passive Alien-Artefakte im Sonnensystem

SETA - Spurensuche nach dem extrasolaren Monolithen - Teil 2

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
FOTOBLOG

Der schöne Schein

Firewall mit Windows

bilder

seen.by


TELEPOLIS