Das Urheberrecht ist der Schlüssel zur Vollbeschäftigung

Interview mit Walter M. Miller

Der vielfach gescholtene 2. Korb des neuen Urheberrechtes ist nach Meinung des Künstlers und Ökonoms Walter M. Miller nicht nur das "Beste, was es seit langem gab", er wird auch die Arbeitslosigkeit endgültig beenden. Telepolis gab das medienscheue Genie eines seiner wenigen Interviews.

Herr Miller, der 2. Korb des Urheberrechtes wird von vielen Seiten kritisiert. Sie dagegen sehen ihn als einen Geschenkkorb an das deutsche Volk. Warum?

Walter M. Miller: Sehen Sie, es ist typisch deutsch, ein solches Geschenk, wie es ihm hier gemacht wird, nur negativ zu sehen. Der Deutsche nörgelt gerne und sieht nicht einmal, was ihm angeboten wird. Man muss sich doch nur einmal vor Augen halten, was das neue Urheberrecht für Deutschland bringen wird: Wohlstand für die Künstler, Vollbeschäftigung, neue Konsumbereitschaft, Weiterbildung für Arbeitssuchende. Und, wenn man die Chancen richtig nutzt, auch eine Wende in der Gesundheitspolitik. Stellen Sie sich das doch einmal vor: die Arbeitslosigkeit wird mit einem Schlag auf Null reduziert.

Inwiefern?

Walter M. Miller: Lassen Sie mich von vorne anfangen. Als ich die neuen Regelungen das erste Mal las, war ich zunächst genauso schockiert wie viele andere. Doch anders als die meisten ist es mir gelungen, den ersten Eindruck nicht als geltendes Urteil zu sehen sondern habe hinter die Fassade gesehen. Und die bietet unendliche Chancen für alle. Aber außer mir scheint dies niemand zu verstehen. Denken Sie einmal an diejenigen, die Fernleihe anbieten wie Subito. Erfasst man etwa, was hier auf dem Silbertablett präsentiert wird? Nein, man lamentiert darüber, dass man demnächst keine Artikel mehr faxen kann.

Das ist nicht mehr möglich?

Walter M. Miller: Analoge Kopien sind ja weiterhin möglich, nur digitale Kopien nicht mehr. So wird jedenfalls §52 des neuen Urheberrechtes interpretiert. Also müsste Subito beispielsweise einfach jedes Mal wieder neue analoge Kopien anfertigen. Meine Vision ist, dass diese Kopien nun von den heutigen Arbeitssuchenden und Sozialhilfeempfängern angefertigt werden. Die Idee kam mir als ich einst ein Buch las, in dem Mönche Schaltpläne kopieren, die sie gar nicht verstehen. Aber sie konnten sie trotzdem kopieren. Und als ich dieses Buch las, da wusste ich: das Urheberrecht ist hier bei uns der Schlüssel zur Vollbeschäftigung. Denn die Mönche waren ja sozusagen auch arbeitslos – oder ihre Arbeit war eben das Kopieren. Warum also nicht die Arbeitssuchenden und Sozialhilfeempfänger mit dem Kopieren beauftragen? Wenn wir dies im Schichtbetrieb erledigen lassen, können wir pro Tag an nur einem Platz 3 Arbeitssuchende beschäftigen. Diese bekommen also kostenlos auch noch ein exzellentes Weiterbildungsprogramm, denn sie kennen ja viele der Artikel gar nicht und müssen diese nun abschreiben, das schult den Geist.

1-Euro-Kräfte, die wissenschaftliche Artikel abschreiben?

Walter M. Miller: Ja. Genau das ist es. Überlegen Sie einmal, wenn dies deutschlandweit durchgesetzt wird. Mit einem Schlag hätten wir Vollbeschäftigung, die beste Weiterbildung für alle Arbeitssuchenden überhaupt. Wenn dann Kopien nicht mehr erlaubt wären, würde auch die Konsumbereitschaft wieder steigen weil man sich dann eben die neue CD erneut kauft und nicht mehr auf die "Sicherheitskopie" zugreift. Dies führt zu mehr Wohlstand bei Künstlern und Verwertungsfirmen, das heißt es profitiert wirklich jeder von den neuen Regelungen.

Und wo kommt die Gesundheit ins Spiel?

Walter M. Miller: Als ich meine Vision von den modernen Mönchen meinem Kollegen Dr. Leibowitz vorstellte, war dieser überwältigt und griff diesen Faden auf, sponn ihn weiter. Daher möchte ich hier kurz eine Art Lobgesang auf Leibowitz anstimmen, indem ich sage: Diesen Mann müsste man selig sprechen. Zusammen überlegten wir, wie wir z.B. die Fernleihe auch noch weitgehend von der Technik unabhängig gestalten könnten. Sicher, einige technische Geräte benötigt man, aber auf viele kann man verzichten indem man auf die Distribution der Artikel wieder enttechnisiert.

Enttechnisieren?

Walter M. Miller: Selbstverständlich. Sehen Sie – nicht alle Arbeitssuchenden und Sozialhilfeempfänger werden wir für das Schreiben benötigen. Also kann man doch dank eines ausgeklügelten Logistiksystemes einfach auch für die Distribution diese Menschen einstellen. Sehen Sie – diese Menschen sehnen sich nach einer Aufgabe, sie vegetieren zuhause vor sich hin. Wir bieten Ihnen die Chance, etwas zu tun – für die Kultur und ihr Land. Wir haben bereits mit einem Anbieter für Logistiksysteme Kontakt aufgenommen und eine kostengünstige Lösung gefunden. Sämtliche Mitarbeiter werden mit einem Sender ausgestattet so wie man es jetzt schon bei LKWs macht. Über diese Sender kann man punktgenau verfolgen, wo welcher Mitarbeiter ist und auch in kürzester Zeit bei Problemen reagieren. Jeder Arbeitslose muss ja den Artikel auch nur ca. eine halbe Stunde lang befördern, dann übernimmt jemand. Aber falls jemand zu langsam ist oder sich verletzt… dann muss man schnell umdisponieren können. Daher werden alle Mitarbeiter mit einem kleinen Navigationssystem ausgestattet, welches gleichzeitig als Kommunikationssystem dient. So kann jeder Mitarbeiter seinerseits den Disponenten erreichen, wenn er beispielsweise einen Unfall hatte.

Ihre Vision heißt also: 1-Euro-Kräfte schreiben Artikel ab und transportieren diese?

Walter M. Miller: Richtig. Weg von der Technik, zurück zum Menschen, zum Wohle des Menschen. Bessere Gesundheit durch stete sportliche Ertüchtigung und frische Luft, kulturelle Weiterbildung durch wissenschaftlich anspruchsvolle Artikel, die kopiert werden müssen – wann hatten es die Arbeitslosen zuletzt so gut? Wissen Sie, ich bin manchmal ein wenig von mir selbst überzeugt, aber in diesem Fall weiß ich: meine Vision ist die Zukunft.

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