Der Astronaut

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Ed Mitchell war nicht nur der sechste Mensch auf dem Mond gewesen, sondern auch auf der Erde leicht abgehoben. So machte Mitchell nie einen Hehl aus seiner Neigung zum Glauben an PSI und Ufo-Sichtungen. Während der Apollo 14-Mission hatte er heimlich ein Zufallsexperiment mit ESP-Karten durchgeführt, dessen Ergebnisse vom Parapsychologen Prof. J.B. Rhine ausgewertet und für erfolgreich befunden wurden. Die Versuchsanordnung wurde allerdings nicht präzise veröffentlicht.

Rhine, der schon seit den 40er Jahren Telepathie nachweisen wollte, hatte sich zum Gespött der Wissenschaftler gemacht, weil er bei seinen Zufallsstatistiken unerwünschte Ergebnisse nicht mitgezählt hatte und auffällig schlechte Ergebnisse als Phänomen, sogenanntes "PSI-missing", zu deuten pflegte. Rhines Pseudowissenschaft fand Niederschlag etwa in der Brockhaus-Enzyklopädie, die 1974 orakelte: "Die lange umstrittene Fähigkeit des Hellsehens gilt erwiesen."

Mitchell, der aus NASA und NAVI ausgeschieden war, finanzierte PSI-Forschungen und war mit dem Vater des Laserspezialisten Dr. Harold Puthoff befreundet, der Zimmerpflanzen an einen Polygraphen ("Lügendetektor") anzuschließen pflegte. Puthoffs Untersuchungen über TOC Gedächtnis und außersinnliche Wahrnehmung von Pflanzen wurden ernst genommen, denn Puthoff konnte sich der wissenschaftlichen Autorität eines Arbeitgebers rühmen, der zu den renommiertesten Forschungseinrichtungen der Welt gehörte: dem Stanford Research Institute International, Kalifornien.

Stanford Research Institute (SRI)

Aus der Stanford-Universität, wo 1971 das berühmte Stanford Prison-Experiment über das Sozialverhalten von Wächtern und Gefangenen durchgeführt sowie die Computer-Mouse erfunden wurde, war eine gut situierte private Forschungseinrichtung ausgegliedert worden, die eng mit der Rüstungsindustrie und den Geheimdiensten zusammenarbeitete.

Im September 1972 traf Geller ein und unterzog sich sechs Wochen lang den angeblich wissenschaftlichen Untersuchungen, was nach PR-Maßstäben schon Erfolg genug war: Alleine aus Gellers Bereitschaft hierzu und aus dem Interesse von renommierten Wissenschaftlern folgerten Fans auf Gellers Echtheit. Bei den Experimenten, in denen Geller psychokinetische Fähigkeiten wie das unnatürliche Verbiegen oder Bewegen von meist metallischen Gegenständen gelang, ließen die Wissenschaftler durchaus SkePSIs erkennen. So wurden Gellers Hände vor der Beeinflussung einer Kompassnadel mit einer Magnetsonde abgesucht. Die Wissenschafter kamen in einer Nachbetrachtung zu dem Schluss, dass selbst ein normales Metallteil die Ablenkung der Magnetnadel bewirkt haben konnte. Viele Bewegungseffekte passierten nicht kontrolliert, sondern unangekündigt oder waren nur durch ihr Ergebnis erkennbar. Geräte brannten durch, ein Verkehrsschild bei Gellers Haus war verbogen usw. Während Geller versuchte, eine von Mitchell auf dem Mond zurückgelassene Kamera zur Erde zu teleportieren, verschwand aus einer Laborkamera ein Rädchen, das anderntags in einer Dunkelkammer wieder aufgefunden wurde.

Da eine gemäß dem wissenschaftlichen Kodex erforderliche Wiederholbarkeit eines Experiments in den wenigsten Fällen möglich war, wurden die Psychokinesefälle und Teleportationen nicht als wissenschaftlich bestätigt gewertet, trotzdem jedoch in den Bericht aufgenommen. Erfolgreich verliefen jedoch die ESP-Experimente: Geller war mit unglaublicher Treffsicherheit in der Lage, die Ergebnisse eines Würfelexperiments vorauszusagen. Am meisten beeindruckte ein Test, bei dem eine von mehreren Aluminiumfilmdosen mit Wasser gefüllt war. Geller fand jedes Mal die Dose in einem Selektionsprozess, obwohl er die Dosen nie berührte und brillierte mit seiner Fähigkeit, Zeichnungen durch Gedankenübertragung zu duplizieren.

In ihrem Buch "Mind Research - Scientists Look at Psychic Ability" (1977, deutsche Ausgabe: "Jeder hat den sechsten Sinn") schildern Puthoff und sein Kollege, der Plasmaphysiker (und Amateurzauberer!) Russel Targ, ihre durchgeführten Untersuchungen nicht allzu wissenschaftlich, sondern im Stil eines Erlebnisberichts, was in US-Publikationen durchaus üblich ist. Aber auch die offiziellen SRI-Berichte ließen zu wünschen übrig, enthielten zum Teil nicht einmal ein Datum. Von den Tests wurde ein Pressefilm zusammengeschnitten.

Time Magazine

Die Forscher waren begeistert und sahen die Stunde gekommen, ihre Ergebnisse nun stolz der Weltöffentlichkeit zu präsentieren. Puharich stellte seinen "wissenschaftlich getesteten" Wundermann dem renommierten "Time Magazine" vor und vereinbarte einen Termin, bei dem Geller seine Fähigkeiten demonstrieren sollte. Die Redaktion konsultierte den Zauberkünstler Charles Reynolds, der über falsche Hellseher geschrieben hatte. Gemeinsam mit seinem kanadischen Freund Randall Zwinge, der sich Puharich auch unter seinem zutreffenden Namen vorstellte, gaben sie sich als Fotografen aus.

Die Effekte, die Geller vor Ort zum besten gab, vermochten seine Kritiker nicht im Ansatz zu beeindrucken: Geller bat die Anwesenden, an eine Hauptstadt zu denken, wobei er suggestiv einige ausschloss und auf einem Zettel mehrdeutige Antworten weissagte, darunter auch zutreffend die nicht gerade originelle Auswahl "Paris". Zwinge meinte hinterher, diesen durchsichtigen Trick einmal als Kind auf der Rückseite einer Müsli-Packung gelesen zu haben. Zudem befand sich in Zwinges Tasche ein Bericht über die SRI-Untersuchung, bei der Geller genau das gleiche Experiment gezeigt hatte - ebenfalls mit "Paris". Das Filmdosenexperiment misslang völlig.

Zwinge hatte Puharich schon früher öffentlich kritisiert, und Puharich erkannte ihn schließlich auch und sprach Zwinge nach der missglückten Show verärgert mit dessen Künstlernamen an: James Randi. Randi hatte für das beschriebene Filmdosenexperiment zunächst keine Erklärung. Die Filme waren ihm aber auch vorenthalten worden. Das Urteil des Time Magazine-Komitees fiel vernichtend aus und Randi glaubte, von diesem Hochstapler nie wieder etwas zu hören. Es war der größte Irrtum seines Lebens.

Puharich versuchte, den Abdruck des Time Magazine-Artikels zu verhindern, indem er beim Herausgeber anrief, einem Schirmherrn des SRI - vergeblich. Um Gellers Ruf zu retten, organisierte Puharich eine pressure group aus halbwegs prominenten Fürsprechern sowie einen wohlwollenden Bericht im konkurrierenden Magazin Newsweek, das Gellers Kräfte zwar nicht ausdrücklich bestätigte, aber für absatzfördernde Sensationsmeldungen offenbar mehr Sinn hatte.

Geller chauffierte mit verbundenen Augen Journalisten, bei denen er angeblich durch die Augen des Beifahrers sehen konnte. Er unternahm eine Vortragsreise, die ihn durch TV-Studios und Universitäten führte. Der öffentliche Meinungskampf um den Glauben an Gellers Fähigkeiten, der bereits in Israel 1970 getobt hatte, erfuhr in den USA eine Neuauflage. Geller brachte es auf nahezu alle Titelseiten.

Beginn einer Wunder-vollen Feindschaft

Aus gutem Grund hatte man Randi die SRI-Videos vorenthalten und sie vorzugsweise aufgeschlossenen Wissenschaftlern und Journalisten gezeigt. Auf verschlungenen Pfaden kam Randi dennoch an einige der Bänder und verspottete fortan Targ und Puthoff als Laurel and Hardy of PSI.

Die Versuchsanordnungen waren eine Farce. So waren etwa Symbole, die Geller erraten sollte, an einer Pinnwand in einem Raum ausgestellt, zu dem Shipi Shtrang vor Beginn des Experiments Zugang hatte. Beim Würfelexperiment hatte Geller den Kasten mit den Würfeln selbst handhaben dürfen. Sein Insiderwissen bezog Randi von einer Gruppe von Wissenschaftlern des SRI unter dem Pseudonym "Broomhilda", die über die pseudowissenschaftlichen Forschungsmethoden von Targ und Puthoff verärgert waren.

Johnny Carson Show

Geller sagte sich Mitte 1973 beim damals prominentesten Talkmaster Johnny Carson an, einem ehemaligen Bauchredner und Zauberkünstler, der zu Gellers Pech mit Randi befreundet war. Randi sorgte nun hinter den Kulissen für ernsthafte Testbedingungen, welche die als möglich erkannten Tricks ausschlossen.

22 Minuten lang wollte dem überraschten Geller kein einziges Experiment gelingen, während Carson den Unbedarften gab. Randi legte nun in Massenmedien Tricks offen. Geller lehnte fortan Auftritte in Anwesenheit von Zauberkünstlern ab und weigerte sich, etwa das Filmdosenexperiment unter verschärften Kontrollbedingungen auszuführen. Geller-Fans bewerteten sein erfolgloses Bemühen als Indiz dafür, dass er keine Tricks anwende, denn die hätten ja funktioniert.

Der Schein trügt

Im November 1973 soll laut "Todays Health" Geller bei einer "Astralleibprojektion" seinen Körper spirituell verlassen haben. So lag er in New York auf der Couch von Puharich und materialisierte gleichzeitig in Rio de Janeiro. An der Copacabana habe der mittellose Uri einen Passanten um Geld angesprochen, worauf dieser ihm eine brasilianische 1.000-Cruzeiro-Note in die Hand gedrückt habe. Als Geller wieder in seinem eigenen Körper inkarnierte, habe er den Geldschein zum Beweis seines Trips mitteleportiert, wofür es fünf anonyme Zeugen gäbe. Sand in den Schuhen hatte er auch.

Ein aufmerksamer Kritiker wies süffisant darauf hin, dass Gellers Banknote auch ohne Materialisation ein dreifaches Wunder sei: Die 1.000er-Banknoten waren 1963 aus dem Verkehr gezogen worden, ein Geldschein hätte das brasilianische Klima nicht zehn Jahre lang so unversehrt überstehen können wie Gellers glattes Exemplar, und ein Brauch, an Fremde Geld zu verschenken, sei in Brasilien unbekannt.

Von Eigenteleportationen nahm Geller fortan Abstand, da diese ihm zu anstrengend seien. Puharich erinnerte sich an einen ähnlichen Vorfall, bei dem Geller beim Versuch, eine Münze zu verbiegen, diese versehentlich aus seiner Faust teleportiert habe. Die Münze erschien später ebenfalls wieder. Puharich vermutete, die Münze sei während ihrer Abwesenheit bei "IS" gewesen.

Großbritannien

Nicht per Teleportation, sondern mit herkömmlichen Verkehrsmitteln reiste Geller im November 1973 nach Großbritannien, wo man traditionell jedem Spleen aufgeschlossen war. Die von der esoterischen Fachpresse auf Geller eingeschworenen Fans genügten ihm nicht, auch hier mussten es Massenmedien und prominente Wissenschaftler sein wie etwa der Sience Fiction-Autor Arthur C. Clarke ("2001") - der allerdings mit Randi in Kontakt stand. Auch die Zauberkünstler Ihrer Majestät sparten nicht mit Kritik.

Wenig hilfreich war ein übereifriger Journalist, der behauptete, Geller habe an seinen Fingern eine Chemikalie, mit der er Metall weich machen könne. Eine solche Chemikalie ist nicht bekannt. Dieses Scheinargument spielte Geller in die Hände, da er durch vorheriges Händewaschen seinen Kritiker mundtot machen konnte. In TV-Shows gelang es Geller, die Zeiger einer von mehreren Uhren zum Rasen zu bringen. Als man die Uhr später sehen wollte, fehlte sie. Nun reiste ihm auch noch Randi persönlich hinterher und stahl ihm die Show, indem er sich erfolgreich der Prüfung eines mit Nobelpreisträgern prominent besetzten Wissenschaftlerteams unterzog.

Randi verzweifelte jedoch an dem für die Berechnung von Schwarzen Löchern bekannten Astrophysiker Prof. John Taylor, der sich die von Randi nachgeahmten Geller-Effekt nicht erklären konnte, bei Geller jedoch als authentisch wertete und lebenslang an dieser Überzeugung festhielt. Geller überwarf sich mit Puharich, angeblich wegen geschäftlicher Differenzen, und versuchte es erneut in Deutschland.

Wie Uri Geller den Dritten Weltkrieg verhinderte

Der Astronaut

Comeback in Deutschland

Halbgötterdämmerung II

CIA-Zauberer?

Business as (un)usual

PSI-Missings

http://www.heise.de/tp/artikel/24/24973/1.html
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