Die herkömmliche Gewaltdebatte verstellt den Blick für medienpädagogische und politische Beiträge zur Kultur des Friedens

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Der öffentliche Diskurs ist leider sehr weitgehend auf Themen der herkömmlichen Mediengewaltdebatte fixiert. Das behindert die politische und ästhetische Kritik des "massenkulturellen Krieges" sehr. Einerseits können im Einzelfall auch Gewaltdarstellungen ein wertvoller Beitrag auf dem Weg zu einer Kultur des Friedens sein. Andererseits sind – abgesehen von den Indoktrinationen der patriotischen Seifenoper – gerade die vermeintlich sauberen bzw. unblutigen Szenarien des "virtuellen Krieges" ein Hauptsektor der banalen Militarisierung. Mit Gewalt haben sie vordergründig oft gar nichts zu tun. Nötig wäre also ein ganz neuer Begriff von Verrohung, der das scheinbar Harmlose im modernen Militarismus nicht außer Acht lässt.

Die Fähigkeit zum kritischen Umgang mit Militainment-Produkten kann ohne politische Kritik und einen Blick auf die Anbieterseite kaum gefördert werden. In der "neoliberal" kontaminierten Medienpädagogik gibt es aber Tendenzen, formalästhetische und technische Kompetenzen höher zu schätzen als die Fähigkeit zur Ideologiekritik. Dass Schüler z.B. die Werbung für "Militäreinsätze im Dienste von Menschenrechten" einmal mit dem realen Einsatz der am besten gerüsteten Staaten für die sozialen Menschenrechte auf dem Globus vergleichen, ist im Lehrplan nicht vorgesehen. Die Medienproduzenten selbst gelangen mit ihren Angeboten (z.B. in Form von Unterrichtsmaterialien) in den schulischen Bereich. Auch deshalb wäre es zu wünschen, dass Schüler lernen zu fragen, wer jeweils die Produzenten von Medienangeboten sind und welche Interessen sie verfolgen. Zur Medienpädagogik gehört auch Aufklärung darüber, dass das Militär in den USA und anderswo eigene Filmbüros betreibt und dass Medienkonzerne durchaus mit der Rüstungsindustrie verflochten sein können.

Schreckensbilder sind kein sicherer Hinweis auf ein kritisches Kriegskino. Dieses Szenenbild aus dem vom Pentagon unterstützten Film "Rules Of Engagement" (USA 2000) zeigt – ein Jahr vor dem 11.9.2001 – einen Soldaten auf dem Dach der US-Botschaft im Jemen, der auf eine Menge mit 83 toten arabischen Demonstranten herabblickt. Das Drehbuch entwickelt schrittweise eine Rechtfertigung für dieses US-amerikanische Massaker an demonstrierenden Zivilisten in einem anderen – islamischen – Kulturkreis. (Still: Archiv P. Bürger)

Für den gesetzlich verankerten Jugendmedienschutz stehen jenseits der platten Gewaltdebatte durchaus Kriterien für eine Kritik der militarisierten Kultur zur Verfügung, z.B. bezogen auf Geschichtsrevisionismus, Kriegsverherrlichung, eine ästhetische Überhöhung von Massenvernichtungstechnologie oder die Abenteuerwerbung für den Krieg. Es verwundert deshalb, dass auf Seiten der Politik öffentlichkeitswirksam immer nur pauschal von besonders gewalttätigen bzw. brutalen Medienprodukten die Rede ist.

Ernsthafte Ansätze, das Thema "Kultur und Medien" zum Gegenstand friedenspolitischer Bemühungen zu machen, kann ich nicht erkennen. Es gäbe – sehr einfach umzusetzende – Möglichkeiten, zumindest den guten Willen unter Beweis zu stellen. Ich erinnere nur an meinen schon mehrfach publizierten Vorschlag, die Beteiligung von militärischen oder sonst kriegsinteressierten Stellen an Filmproduktionen zum Schutz der Verbraucher mit einer Nachweispflicht auf Medienverpackungen zu beantworten. Vor allem wären die antimilitaristischen Kriterien des Jugendmedienschutzes auch restriktiv auf die Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr anzuwenden.

Die Unterhaltungsindustrie als Rüstungssektor

Der "neoliberale Rezensent"

Der film- und medienwissenschaftliche Diskurs

Die herkömmliche Gewaltdebatte verstellt den Blick für medienpädagogische und politische Beiträge zur Kultur des Friedens

Auch die Rechtswissenschaften sind herausgefordert

Und Europas Beitrag?

http://www.heise.de/tp/artikel/25/25002/1.html
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