Und Europas Beitrag?
Dass zur Europa-Architektur von oben ganz zentral ein Abbau parlamentarischer Rechte und eine neue Militarisierung gehören, spricht sich trotz der PR-Maßnahmen für dieses "neoliberale" Projekt immer mehr herum. Dass sich auch Europa beim großen Ressourcenkrieg um die letzten Öl- und Gasvorräte auf der Erde nicht heraushalten will, kann man in einer wachsenden Anzahl von Dokumenten nachlesen. Die nur schlecht verhüllte europäische Assistenz bei der aktuellen Gewaltandrohung gegenüber dem Iran spricht Bände.
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| Aus Chevaliers du Ciel |
Der vom französischen Militär und Kriegsministerium unterstützte Luftwaffenfilm Les Chevaliers du Ciel/Sky Fighters (Frankreich 2005) zeigt, dass man auch im Bereich der speziellen – militärischen – Filmförderung dem Vorbild USA nacheifern möchte. Die Bundeswehr scheint sich vorerst auf die Assistenz bei Fernsehproduktionen zu beschränken, wobei es offenkundig an Transparenz mangelt.[7] Im deutschen Filmgeschehen lässt sich der Revisionismus, den Hannes Heer in seinem Buch "Hitler war’s" (2005) dargestellt hat, inzwischen kaum noch leugnen.
Auch private TV-Produktionen über die Bombenangriffe auf Dresden, Vertreibung im Osten und Widerstandsgestalten der Wehrmacht verfolgen die vom Filmproduzenten Bernd Eichinger im Untergang vorgegebene Linie einer "neuen deutschen Tragik". Beim Spaßpatriotismus im Kino dürfen Bundeswehrsoldaten selbstredend nicht fehlen. Noch deutlicher können Kulturmacher nicht mehr werden bei der Förderung einer Politik, die mit der im Grundgesetz – mit oberster Priorität – verankerten Friedensstaatlichkeit immer relativistischer verfährt und eine Militärdoktrin zugunsten ökonomischer Nationalinteressen vorlegt ("Abhängig von gesicherter Rohstoffzufuhr in globalem Maßstab").
In einem von der Bundeszentrale für politische Bildung verbreiteten Video-Interview äußert sich Wim Wenders über die "Rolle der Bilder bei der Vermittlung Europas". Sehr zu Recht beklagt Wenders in dieser kulturpolitischen Stellungnahme: "Der Friede ist leider nur halb so sexy wie der Krieg. Es gibt tausende Kriegsfilme und Gewaltfilme, und Filme über die Abwesenheit von Gewalt oder wie man anders mit Konflikten umgehen kann haben leider schlechte Presse."[8]
Diese Befunde spiegeln sich in nahezu allen Videotheken und Medienbereichen wieder. Wenn bellizistische US-Blockbuster im Vergleich zu Produktionen aus Europa und anderen Kontinenten viel billiger im Masseneinkauf zu haben sind, ist die Entscheidung im kommerziellen Vertrieb schon gefallen. Mit der "neoliberalen" Doktrin wird man Kulturmacherinnen und Kulturmachern, die attraktive Kunstformen zugunsten des Friedens entwickeln möchten, kaum eine Chance eröffnen. Allerdings fragt man sich, welchen nennenswerten Beitrag Europa oder die Bundesrepublik in kulturpolitischer Hinsicht zu der eingangs erwähnten UNO-Dekade für eine Kultur des Friedens überhaupt vorzuweisen haben. Vielleicht ist der "europäische Traum" von Frieden schon längst ausgeträumt?
Der Krieg ist in den Augen der allermeisten Menschen noch immer das unattraktivste Produkt einer aggressiven Wirtschaftsordnung. Für das massenhafte Abschlachten von Mitgliedern der menschlichen Familie und die schier unvorstellbare Verschwendung von Ressourcen der Gesellschaft, so meinen Norman Solomon und Reese Erlich, braucht man deshalb – mehr als überall sonst – ein äußerst cleveres Marketing. Angesichts der Allgegenwärtigkeit des Kriegsmarketings ist es ermutigend, wie viele Menschen dem Programm "Krieg" noch immer ablehnend gegenüberstehen. Mehr als Zweidrittel der Bundesbürger lehnen z.B. die jüngst vom deutschen Parlament abgesegnete Entsendung von Tornados nach Afghanistan ab. Sie teilen die Anschauung des CDU-Parlamentariers Willy Wimmer, die Bundeswehr dürfe nicht noch mehr in völkerrechtswidrige Kriegsabenteuer der USA und der Nato verstrickt werden. Was wir brauchen, ist also mehr Demokratie, die diesen Namen auch verdient. Vonnöten sind ebenfalls Abrüstungsexperten für den Sektor "Massenkultur" und Räume für eine Kultur, die das globale Gemeinwohl der Menschheit auch als künstlerische Herausforderung begreift.
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Der Verfasser ist kath. Theologe und arbeitet als freier Publizist in Düsseldorf. Im letzten Jahr wurde er für seine umfangreiche Studie "Kino der Angst – Terror, Krieg und Staatskunst aus Hollywood" (Stuttgart 2005) mit dem Bertha-von-Suttner-Preis in der Kategorie "Film und Medien" ausgezeichnet. Soeben ist in der Telepolis-Reihe sein neues Buch Bildermaschine für den Krieg erschienen.
Die Unterhaltungsindustrie als Rüstungssektor
Der film- und medienwissenschaftliche Diskurs
Auch die Rechtswissenschaften sind herausgefordert
Und Europas Beitrag?
http://www.heise.de/tp/artikel/25/25002/1.html- Re: (17.4.2007 10:46)
- alter hut (6.4.2007 18:16)
- ja wie? jetzt nicht? (6.4.2007 9:39)
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