Das sind begnadete Verkäufer

Rüdiger Suchsland 03.05.2007

Regisseur Alexander Adolph über seinen Film "Die Hochstapler", über die Kunst der Lüge und das Geheimnis der Märchenwelt, in der wir leben

"Die Geschichte muss einfach und logisch sein. Oder extrem unlogisch." Sie sind überaus charmant, gewinnend, Vertrauen erweckend, sie sind mutig und flexibel, sie können sich geradezu perfekt auf ihr Gegenüber einstellen. Eigentlich haben sie also alle Tugenden, die heutzutage gebraucht werden und das Tor zu einer großen Karriere öffnen. Vier Erfolgsmenschen, möchte man meinen. Aber alle vier sitzen im Gefängnis, verurteilt zu hohen bis höchsten Haftstrafen. Zumindest einer von ihnen wird wohl nie wieder herauskommen, ihm droht nach verbüßter Strafe Sicherheitsverwahrung. Der Titel von Alexander Adolphs faszinierendem Dokumentarfilm Die Hochstapler fasst ganz nüchtern, worum es geht: um Betrüger, um Straftäter. Doch hinter diesem juristischen Faktum stehen andere, nicht weniger harte Tatsachen, aber alles andere als nüchterne. Denn "Die Hochstapler" erzählt auch viel vom ganz normalen Wahnsinn des Alltags.

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Oder wie soll man die vielen, durchweg wahren Geschichten nennen, die Adolphs Film durchziehen: Vom Mann, der Top-Managern für 5 Millionen eine Ausflugsreise zum Mond verkaufte, zur Jahrtausendwende, mit einer "Millenniums-Party" auf dem Mond. Oder vom Mann, der sich als NATO-Offizier und "persönlicher Freund Joschka Fischers" ausgab und mal eben ein halbes ostdeutsches Dorf anmietete, um dort "einfach so" eine NATO-Sicherheitskonferenz zu organisieren.

Bilder: Majestic Filmverleih

Ein glänzender, überaus unterhaltsam gemachter Film, voller überraschender Geschichten. Adolph (geb. 1965) studierte zunächst Jura. Nach seinem zweiten Staatsexamen begann er aber als Filmemacher und Autor zu arbeiten. Unter anderem entwickelte er die ZDF-Serie "Unter Verdacht". Für seine Drehbücher gewann er zwei Grimme-Preise und den deutschen Fernsehpreis. Sein Film "Die Hochstapler" kommt jetzt ins Kino.

Mich hat interessiert, was die Lüge aus einem macht

Das Plakat zu "Die Hochstapler" zeigt einen stilisierten Pfau. Warum? Was hat ein Hochstapler mit einem Pfau zu tun?

Alexander Adolph: Das Entscheidende ist in diesem Fall das Bild, die Metapher: Das Gesehen-Werden. Der Pfau hat mit seinem Rad natürlich erst einmal eine andere Bedeutung. Der Hochstapler möchte im Blick der Anderen etwas sein, was er nicht ist. Er zeigt etwas, was er nicht ist, und was doch etwas von ihm ist.

Wenn der Hochstapler etwas von sich zeigen würde, wäre das eine Wunschvorstellung? Oder ein Traum? Landläufig würde man ja sagen: Es geht um Täuschung, er zeigt, was er nicht ist...

Alexander Adolph: Ja. Aber eine Wunschvorstellung von sich, auch eine Lüge über sich sagt ja etwas über einen selbst. Das ist ja immer so. Als ich anfing, die Hochstapler für den Film zusammenzusuchen, habe ich ihnen gesagt: Es geht um die Märchenwelt, die ihr erzählt. Und an der Art der Märchen, die sie suchen, erkennt man auch, was für Märchen sie selbst mögen, was für eine Märchenfigur sie selbst sind.

Wenn man die Hochstapler nicht Hochstapler nennen würde - was wäre das andere Wort dafür?

Alexander Adolph: Man kann sie als Kriminelle bezeichnen, man kann sie als Straftäter bezeichnen, man kann sie als Schuldige bezeichnen, im juristischen Rahmen. Das sind aber alles Dinge, die mich nicht interessiert haben. Mich hat interessiert, was die Lüge mit einem macht. Das das jetzt Hochstapler sind, dass der Film "Hochstapler" heißt, dient vor allem auch der Einschätzung der Zuschauer. Damit sie wissen, was sie bekommen. Wichtig ist, dass es sich hier um Menschen handelt, die etwas anderes vorgegeben haben zu sein, als sie sind, und das auch wirklich sein wollten. Und die etwas verkauft haben, was es nicht gab. Das unterscheidet sie, das gibt ihnen im Segment der Betrüger auch noch mal einen ganz besonderen Anstrich.

Ist diese Hochstapelei ein allgemeiner Zug der Menschheit oder unserer Gesellschaft, die hier nur in einer gesteigerten Form auftritt und in diesem besonderen Fall sanktioniert wird, während andere Formen dann vielleicht nicht sanktioniert werden von der Gesellschaft? Oder ist diese Hochstapelei eine ganz eigene Verhaltensform, die nicht vergleichbar ist mit dem, was sonst passiert?

Alexander Adolph: Sowohl als auch. Das was die machen, das ist etwas Besonderes. Das kann nicht jeder. Das sind begnadete Verkäufer. Und auch Menschen, die diese Fähigkeit haben. Insofern stellt das, was die gemacht haben, etwas Besonderes dar. Die andere Seite ist sicher, dass gesellschaftlich gesehen bestimmte Eigenschaften dieser Männer genau das verkörpern, was einen Erfolgsmenschen, einen Supermanager ausmacht. Ein Top-Verkäufer in der Wirtschaft ist genau so, wie diese Hochstapler, der kann sich auch genauso gut bewegen, der kann sich auch genauso gut benehmen, der bringt auch einen Manager dazu, auf einen Stuhl zu steigen, wenn es keinen Sinn macht.

Und dann ist es natürlich auch eine gesellschaftliche Realität, dass man sich durchaus besser darstellen soll, als man ist. Dass man das Beste geben soll. Und das Beste, das ist dann manchmal nicht das, was man selber hat, sondern was man sich dazu erfindet. Das kann man in sozialen Zusammenhängen besonders offen sehen: Wenn man vor Gericht muss, sagen die Leute: "Zieh Dich doch besonders gut an, benimm Dich doch gut. Sei nicht authentisch!" Da wird Authentizität eher bestraft. Genauso ist es bei Prüfungen. Jeder hört davor etwas, wie man sich den Prüfern gegenüber zu verhalten habe. Das hat auch sehr viel mit einer bestimmten Form von Höflichkeit zu tun, die irgendwann dann auch in Notlügen besteht.

Wie würden Sie Ihre eigene Position, jenseits der Neugier des Dokumentarfilmers, beschreiben? Gerade auch gegenüber solchem Nicht-Authentisch-Sein. Das kann man negativ bewerten als Lüge, als Entfernung von der Natur. Und das Gebot dahinter wäre: Sei authentisch. Man kann es aber auch als Höflichkeit bewerten, man kann sagen: Der Mensch als sozialer Mensch ist ja einer, der sich anpasst, der Rücksicht nimmt. Es ist ja auch moralisch, dass man nicht authentisch ist. Zum Nicht-Authentisch-Sein gehören Manieren, das Authentische ist mitunter Grobheit, Wildheit. Man wäscht sich auch - und ist dann nicht authentisch...

Alexander Adolph: Ja gut. Manieren können natürlich auch authentisch sein. Wenn einer Manieren hat, dann ist er in diesen Manieren authentisch. Und natürlich sollte man Manieren haben. Das ist tatsächlich meine Bewertung.

Wie ist meine eigene Haltung dazu? Ich interessiere mich für die Oberfläche des Lügens. Das hängt natürlich damit zusammen, dass ich ja nicht vom Dokumentarfilm komme, sondern von der Fiktion und mir Geschichten ausdenke. Dieses Ausdenken ist sehr interessant. Das ist eine Herstellung von einer künstlichen Realität. Beim Lügen hat das eine besondere Konsequenz: Es gibt Dir erstmal eine Macht über die Leute, denen Du die Lügen erzählst. Aber auf einer anderen Ebene gibt es den Lügen wiederum eine Macht über Dich. Weil Du Dich ja an die Lügen halten musst. Genau diese Oberfläche hat mich interessiert. Auch gar nicht wertend, sondern als Phänomen. Was die mit einem macht.

Das ist auch eine dramaturgische Sache: Da ist etwas, was wir alle - wir Kinozuschauer, wir Zeitungsleser - als fröhlich konnotieren: Ein Hochstapler, jemand, der der Gesellschaft den Spiegel vorhält, ein Till Eulenspiegel, der uns zeigt, wie die Gesellschaft funktioniert. Und da ist diese tiefe Traurigkeit, die Vereinsamung, die Lüge, die einen isoliert. Das sind zwei Gefühlsstimmungen, die lösen auch eine bestimmte Temperatur aus.

Ist das Lügen für die Hochstapler wie eine Droge? Dass sie wieder hochstapeln müssen, um diese Traurigkeit zu überwinden. Dass eine neue Lüge diese Traurigkeit mal stillstellt, für eine Weile. Oder ist das der falsche Vergleich?

Alexander Adolph: Nein, durchaus nicht. Das ist eine Schlussfolgerung, die ich gut finde.

Politiker müssen lügen, um politisch zu überleben

Ich bin darauf gekommen, weil es ja - neben der wirtschaftlichen - auch andere Formen der Hochstapelei gibt. Man denke an die Politik. Man könnte natürlich sagen: Jemand wie Hitler war ein politischer Hochstapler. Ob es da auch diese Traurigkeit gibt? Und diese Hochstapler gibt es wahrscheinlich auch in demokratischen Verhältnissen.

Alexander Adolph: Es ist schwierig, dies zu übersetzen, besonders mit Ideologien und mit politischen Inhalten. Man kommt da sehr leicht in eine Bewertung von Dingen hinein. Irgendwie war Hitler auch kein Hochstapler, denn das, was er getan hat, das war sehr handfest. Es sind genug Leute dafür gestorben.

Aber Hochstapelei hat ja auch ihre Opfer. Das wird ja im Film beschrieben.

Alexander Adolph: Natürlich. Unter jedem Betrug leiden Menschen. Es ist ja auch interessant, dass es in dem Film ausgerechnet eines der Opfer ist, der den Kopf nicht hinhält. Ich habe nur Schwierigkeiten mit der Übertragung auf Politik. Für mich sind meine Protagonisten schon Leute, die tatsächlich in der angemaßten Realität nur eine zeitlang zu Gast sind.

Vielleicht sind manche Politiker - ich habe auch an Rechtspopulisten wie Haider und Berlusconi gedacht - eher Spieler. Man hat das Gefühl, die setzen auf etwas. Und wenn es nicht klappt, dann ist es folgenloser als bei Hitler.

Alexander Adolph: Das ist die Frage des Populismus: Wie man Menschen dazu bringt, dass sie gemeinsam etwas herstellen. Diese Psychologie der Massen beherrschen die Politiker, die sagen: Ich bringe Menschen dazu, dass sie mir gehorchen, ich manipuliere. Das hat natürlich auch ganz viel mit den Menschen zu tun, die einfach wollen, dass man ihnen ihre Rolle abnimmt, als Ingenieur oder als Arzt, und dafür manipulieren. Da ist dann aber auch schon Schluss. Weil die Ideologie, die ich bei meinen Personen gefunden habe, die hatte vor allem mit der eigenen Person zu tun.

Aber Populisten sind natürlich auch perfekte Verkäufer. Populismus hat sehr viel mit Verkaufen zu tun. Wenn Haider sagt: "Ich hab Euch nicht belogen", dann spielt da viel mit hinein: Die Tatsache, dass Politiker eigentlich lügen, lügen müssen, um politisch zu überleben. Interessanterweise sind dies ja alles Dinge, womit gerade die Faschisten sehr gespielt haben: Dass die anderen Lügner sind und betrogen haben. Aber es geht doch in eine andere Richtung.

Hochstapler sind Künstler

Aber es geht dann auch in einem Punkt in die richtige Richtung beim Stichwort Psychologie der Massen: Manipulation, ein Publikum, das offenbar auch belogen werden will. Wenn man die Geschichten im Film sieht, dann denkt man mitunter: Das ist der absolute Wahnsinn. Wie haben die das glauben können? Wie hat as funktioniert. Aber es hat funktioniert. Nur wie? Sie sind gute Verkäufer, ok. Aber was ist ihr Trick? Was ist es, was sie besser können?

Alexander Adolph: Ich kann und will sie nicht bewerten. Da gibt es eine Seite, die hat mit dem Verständnis der Menschen zu tun und ihrer Bedürfnisse: Dass diese Hochstapler ihrem Gegenüber genau das erzählen, was er hören will. Das hat glaube ich sehr viel mit einer eigenen inneren Offenheit zu tun. Andererseits gibt es natürlich eine Form von gemeinsamen Mythen, von einer gemeinsamen Märchenwelt. Wenn ich eine solche Märchenwelt bei einer bestimmten Sorte von Menschen aufreiße, dann wird er auch bereit sein, in sie einzusteigen. Und wenn er erstmal in diese Lügen eingestiegen ist, dann wird er auch deswegen nicht so schnell aussteigen, weil er sich ja dann selbst Lügen straft.

Das Opfer in dem Film sagt ja: "Ich konnte ihn nicht anzeigen, sonst hätte ich ja nicht mehr gewusst, was mit meinem Geld passiert." Das macht sehr viel aus. Der eine schafft eine Welt und der andere geht in diese Welt mit. Und so schaffen die beiden eine gemeinsame Lügenmärchenwelt.

Eine virtuelle Welt?

Alexander Adolph: Eine virtuelle Welt, wenn man so will. Es ist eine faszinierende Welt. Ich habe immer diese VISA-Werbespots geliebt: "Die Freiheit nehm' ich mir."

Könnte man die Hochstapler auch als Künstler begreifen?

Alexander Adolph: Eine Realität herzustellen, die so ist, dass andere Menschen sich in ihr bewegen können, das ist ein künstlerischer Akt. Ja. Ganz besonders, wenn es das gar nicht gibt. Das sind ja in meinen Fällen alles Dinge, die es gar nicht gibt.

Wenn das stimmt, dann sagt das ja auch etwas über das Wesen der Kunst. Dass Kunst auch eine schöne Lüge ist. Es steht ja schon etwas dahinter: Nicht die Wirklichkeit hinter dem Märchen, aber das Bedürfnis hinter dem Märchen...

Alexander Adolph: Ja, soweit folge ich. Ob Kunst an sich die schöne Lüge ist? Bei Filmkunst ist es so, da gibt es Kulissen, Schauspieler, Licht - nichts, eigentlich.

Ja, es ist im Kopf des Betrachters. Genauso wie auch der Roman im Kopf des Betrachters entsteht, wenn man das Buch liest. Aber zurück zum Publikum, zum Betrogenen: Gibt es denn eine Lust, ein Verlangen - entweder ein gesellschaftliches, oder sogar ein anthropologisches Verlangen -, betrogen zu werden?

Alexander Adolph: Walter Serner hat das ja gesagt: Die Welt wird sogar ernsthaft böse, wenn man es nicht tut. Ich glaube, das gibt es nur zum Teil. Man kann das auf dieser Ebene sehen: Die Leute wollten es so, die sind zu gierig. Dieser Film operiert damit. Aber es geht auch um ein Verlangen nach Zuwendung in einer Welt, die an bestimmten Zuwendungen geizt und von anderen zuviel hat. Ich glaube, dass die meisten Menschen ein Bedürfnis haben nach Wahrhaftigkeit und gleichzeitig nach Liebe. Wenn aber Wahrhaftigkeit bedeutet, dass es keine Liebe gibt, was ist dann?

In "Die Hochstapler" wird ja ganz viel über Freundschaft, Männerfreundschaft und Liebe gesprochen. Da vermischt sich was: Da will jemand geliebt werden, da will jemand, dass einem Liebe widerfährt. Wenn das Opfer erzählt, wie es ausgenommen wurde, dann erzählt es auch die Geschichte einer Freundschaft. Das ist eine unglückliche Freundschaft, aber es ist eine Freundschaft.

Haben Sie das gewusst, bevor Sie den Film begonnen haben? Oder was haben Sie sich vorgestellt?

Alexander Adolph: Ich habe erwartetet, einen bestimmten Abgrund zu sehen. Was da alles mitkommt, damit habe ich nicht gerechnet. Das waren ja so lange Gespräche. Was das mit Freundschaft, was das mit Liebe zu tun hat, das ist während des Films gekommen.

Wir funktionieren über die Oberfläche

Was hatten Sie für einen Film vor Augen?

Alexander Adolph: Ich hatte einen Film vor Augen, der zur einen Hälfte aus Gesprochenem besteht und zur anderen Hälfte aus Bildern. Ich habe dann sehr schnell gemerkt, dass das, was die Männer vor der Kamera erzählen, für sich alleine stehen kann, und dass es schlechterdings keine Bilder gibt, die dem gerecht werden können.

Ist alles im Film, oder gibt es ganz wichtige Dinge, die nicht im Film sind?

Alexander Adolph: Es gibt private Dinge, die keinen etwas angehen, die aber nicht den Film ergänzen würden. Das, was im Film drin ist, ist das, was ich und Nina Ergang - die Cutterin, die eine ganz entscheidende Rolle gespielt hat - erzählen wollen. Da fehlt nichts.

Es gibt aber eine Reihe von Randphänomenen, die nur angerissen sind. Dazu gehört sicherlich das Phänomen der Sicherheitsverwahrung: Dass bei uns in Deutschland Vermögensdelinquenten, die Wiederholungstäter sind, genauso hart bestraft werden wie irgendwelche Gewalttäter. Ich bin ja von meiner Ausbildung her Jurist und hätte mir das nicht träumen lassen. Dass einer, der 20 Mal betrogen hat, grob gesagt, im Prinzip für immer weggesperrt wird, hätte ich nicht gedacht. Aber das ist so. Thorsten, der von seiner NATO-Sicherheitskonferenz erzählt, verbüßt jetzt seine Haftstrafe, und dann sitzt er praktisch ohne Begrenzung. Alle zwei Jahre werden die eine Prognose anstellen. Und ich wüsste nicht, warum die positiv ausfallen sollte. Weil er auch keine psychologische Betreuung hat. Das beißt sich in den Schwanz. Aber das gehört in diesen Film nicht hinein, weil der Film etwas anderes erzählen soll. Das ist sicherlich ein Seitenaspekt.

Das ist ein journalistisches Thema. in sicherheitspolitisches Thema. Wir leben in einem Land, in dem Soziales mit Sicherheit aufgewogen wird: Ihr bekommt zwar nicht alle gleich viel Wohlstand. Aber ihr seid in Sicherheit. Dazu gehört, dass solche Menschen wieder weggesperrt werden. Das ist ein politisches Problem.

Viele ästhetische Theorien, sogar manche ethische beruhen auf der Lüge: "Die ganze Welt ist eine Bühne", man spielt Rollen. Unglaublich viele Philosophen haben - im weitesten Sinn - Verteidigungen der Lüge formuliert. Man könnte ja behaupten, dass die Hochstapler im Extrem nur das zeigen, was irgendwie alle machen. Ein Teil der Faszination des Films liegt darin, dass man aus ihm erfährt, wie die das machen, dass man etwas von dem Gefühl vermittelt bekommt, von der Schönheit, die auch in einem Betrug enthalten ist. Man spürt den Spaß, das Charisma der Betrüger überträgt sich durchaus. Und man sieht in den Augen immer noch ein Glitzern: Ich habe die große Welt gesehen. Man könnte ja durchaus sagen, dass alle Menschen lügen - in bestimmten Fällen. Und es ist sowieso ein moralisches Problem, wo die Lüge anfängt? Beim Verschweigen schon oder erst beim Sagen der Unwahrheit? Verschweigen tut jeder - würde ich mal behaupten. Und für alle gilt: Man tritt in irgendeiner Weise auf. Man spielt eine Rolle. Übrigens auch für sich selber.

Alexander Adolph: Natürlich, natürlich. Ich bin jetzt Regisseur, das heißt, ich spiele klarerweise eine Rolle. Der Aspekt der Handlungsanweisung - Wie machen die das? - spielt für mich schon eine Rolle. Aber man sieht auch deutlich, dass die Lüge in die Isolation führt. Man kann das moralisch sehen, man muss es aber nicht bewerten. Ich habe versucht, nur das Phänomen zu zeigen und den verschiedenen Gefühlen gewissermaßen eine Farbe zu geben. Aber das ist schon richtig und das Geheimnis der Märchenwelt, in der wir leben: Wir funktionieren über die Oberfläche, über äußere Wahrnehmung. Ich könnte ein virtueller Regisseur sein, der vom Verleih hier zum Verkauf des Films angestellt ist.

http://www.heise.de/tp/artikel/25/25143/1.html
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