Singvögel in Städten werden nachtaktiv

Florian Rötzer 25.04.2007

Britische Wissenschaftler führen die Veränderung des Kommunikationsverhaltens von Rotkehlchen auf die Anpassung an den steigenden Verkehrslärm in Städten zurück

Singvögel verändern aufgrund neuer Einflüsse aus der Umwelt ihren Gesang und entwickeln so beispielsweise in Städten oder an Straßen mit hohem Lärm einen neuen Dialekt (Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstadtvögel zur Paarungszeit). Der Druck ist groß. Vögel, die ihre Kommunikation nicht den Umweltgeräuschpegel anpassen können, werden an solchen Orten geringere Überlebenschancen haben.

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Britische Forscher haben nun herausgefunden, dass Rotkehlchen einen schlauen Weg gefunden haben, um trotz der hohen Geräuschkulisse in Städten weiterhin miteinander kommunizieren zu können. Der Gesang dient Vögeln dazu, ihr Territorium zu markieren, Sexualpartner anzulocken oder vor Gefahren zu warnen. Schon länger hatte man beobachten können, dass die Singvögel in Städten seltsamerweise zunehmend Nachts zu zwitschern beginnen.

Zunächst war man davon ausgegangen, dass womöglich die helle Straßenbeleuchtung ein Grund dafür sein könnte. Die Vögel, so die Hypothese, könnten Tag und Nacht nicht mehr unterscheiden. Bei Untersuchungen an vielen Stellen in und um Sheffield stellte sich die These von den lichtverwirrten Rotkehlchen (Erithacus rubecula) jedoch als falsch heraus, wie die Wissenschaftler vom Institut für Tier- und Pflanzenforschung der Sheffield University in den Biology Letters berichten.

Die Wissenschaftler hatten über mehrere Monate hinweg an 121 Stellen Aufzeichnungen gemacht. Während des Tages sangen die Vögel an 67 Orten, an 18 in der Nacht. Die Hintergrundgeräusche am Tag waren hier mit 10 Dezibel deutlich höher als an den anderen Stellen. In der Nähe einer Autobahn, wo der Lärm tagsüber auf 67 Dezibel ansteigt, fanden sie ein Rotkehlchen, das ausschließlich Nachts sang. Die Helligkeit an den Orten wurde gemessen, hatte aber auf das Verhalten der Vögel nur eine geringe Auswirkung. Wie auch schon andere Forscher herausgefunden hatten, liegt die Tonhöhe des Vogelgesangs ein weniger über der des Verkehrslärms, aber diese mögliche Anpassung reiche nicht aus, um in einer zunehmend lauteren Geräuschkulisse hörbar zu bleiben.

Der Versuch, sich den Bedingungen des Großstadtlebens durch Nachtarbeit anzupassen, könnte aber nicht nur Vorteile besitzen. Richard Fuller, einer der Wissenschaftler, sieht in der Studie einen Beleg dafür, dass "die Verstädterung subtile Folgen hat und dass Vögel ihr Verhalten anpassen, um einige dieser Probleme zu lösen". Er geht aber auch davon aus, dass die Vögel dafür einen Preis zahlen müssen. Mit den durchwachten Nächten verbrauchen sie mehr Energie und sind dadurch höherem Stress ausgesetzt.

http://www.heise.de/tp/artikel/25/25145/1.html
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