Odd Couples

10.05.2007

Unterschiede zwischen den Geschlechtern erweitern den Lebensraum einer Spezies

Bei manchen karibischen Echsen unterscheiden sich Männchen und Weibchen ein- und derselben Spezies sehr stark. Sie wetteifern dadurch weniger um die selben knappen Ressourcen und können so weitaus größere ökologische Nischen einnehmen, als wenn sich Männchen und Weibchen sehr ähnlich wären. Diese Hypothese belegten Wissenschaftler jetzt erstmals anhand einer Studie, die diese Woche in der Zeitschrift Nature erscheint.

Anolis-Männchen. Bild: Wikimedia

Nicht nur Tierarten unterscheiden sich, auch Männchen und Weibchen der selben Spezies können stark differieren. Sogar stärker, als Tiere, die verschiedenen Spezies angehören. Die Verschiedenheiten können sich auf vielfältige Weise zeigen: Häufig sind die Männchen größer als die Weibchen. Aber auch der umgekehrte Fall kommt vor – zum Beispiel bei vielen Spinnenarten. Hörner sind häufig nur bei den Männchen einer Spezies vorhanden. Weitere bekannte Geschlechtsdimorphismen sind die Löwenmähne und das prunkvolle Federkleid vieler Vogelmännchen. Weniger auffällig ist der Dimorphismus bei Schweinen, wo die männlichen Tiere verlängerte Eckzähne haben. Und bei manchen Tierarten – vor allem bei Fischen - zeigt sich der Unterschied nur während der Paarungszeit.

Bisher wurden solche Ungleichheiten vor allem mit unterschiedlichen Anforderungen bei der Brutpflege und mit generationenübergreifenden Moden bei der Partnerwahl erklärt. Mit letztgenannter Theorie versucht man vor allem die Prunkunterschiede im Gefieder von Vögeln und in der Behaarung zu begründen. Während es für Weibchen, die die Brut austragen oder ausbrüten und aufziehen müssen, vorteilhaft ist, kleiner und farblich der Umgebung angepasst zu sein, verschärft das auffällige Aussehen bei den Männchen die Selektion: Da sie leichter von ihren Feinden erkannt werden, überleben nur die schnellsten und stärksten.

Darüber, dass Geschlechtsdimorphismus auch die ökologische Nische für eine Spezies vergrößert, wurde bislang lediglich spekuliert – obwohl es beispielsweise bei manchen Kolibriarten deutliche Hinweise auf solch eine Vergrößerung der ökologischen Nische gab, weil die unterschiedliche Schnabellänge die Vögel zur Nahrungssuche in unterschiedlichen Blütenkelchen prädestinierte. Nun belegt eine gemeinsam vom Harvard-Evolutionsbiologen Jonathan Losos, der Zoologin Marguerite Butler von der der University of Hawaii und dem Biostatistiker Stanley Sawyer von der Washington University in St. Louis durchgeführte Studie diese Spekulationen erstmals.

Das Team studierte dazu aber nicht Kolibris, sondern die Anolis-Echse. Insgesamt gibt es über 400 Anolis-Arten, davon sind etwa 150 in der Karibik beheimatet. Die Spezies entwickelte sich nach ihrer Ankunft auf den Inseln Kuba, Hispaniola, Jamaika und Puerto Rico sehr unterschiedlich. Auf jeder der Inseln bildeten die Echsen spezielle an die Umweltgegebenheiten angepasste Züge aus: In wenig bewaldeten Gegenden haben sie lange Beine, die einen Schnelligkeitsvorteil gewähren - in Arealen mit mehr Baumbewuchs dagegen kürzere, die es ihnen ermöglichen, schneller zwischen niedrigen Zweigen hindurchzuschlüpfen.

Die Bandbreite des Geschlechtsdimorphismus bei den Anolis-Echsen reicht von Spezies, bei denen Männchen und Weibchen gleich groß sind, bis hin zu Arten, bei denen die Männchen dreimal so schwer sind wie die Weibchen. Darüber hinaus gibt es Unterschiede zwischen den Geschlechtern in der Nutzung der Umwelt, der Ernährung und im Verhalten. Um ihre Hypothese zu überprüfen, nutzten Losos, Butler und Sawyer das Konzept des Morphospace, mit dem sie errechneten, dass der Geschlechtsdimorphismus bei den karibischen Anolis-Echsen die ökologischen Nischen um eine Größenordnung zwischen 59 % und 88 % erweiterte.

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