Stell Dir vor, der Fernseher läuft und keiner guckt zu

Ernst Corinth 12.05.2007

Das TV-Zuschauerverhalten befindet sich im Umbruch

Dem US-Fernsehen laufen die Zuschauer weg. In den letzten beiden Monaten haben die großen TV-Stationen mehr als 2,5 Millionen Zuschauer verloren. Ein Einbruch, den es bisher noch nicht in diesem Ausmaß zuvor gegeben hat. Betroffen von diesem Negativtrend sind auch so populäre Serien wie "24", "Survivor" oder "Lost". Und dieser Trend wird natürlich auch erhebliche Auswirkungen auf die zukünftigen Werbeeinnahmen der Sender haben.

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Über die Gründe wird gerätselt und spekuliert. Mal wird der Frühling genannt, der die Leute abends eher nach draußen zieht. Andere kritisieren die Qualität der Programme. Außerdem schauen immer mehr Fernsehen via Internet, laden sich TV-Serien auf ihren iPod oder wandern gar ab in die Videoportale des Netzes. Und für Sarah Bunting, Mitbetreiberin der Netzseite Television Without Pity sind die schlechten Zuschauerzahlen sogar Ausdruck eines völlig veränderten TV-Zuschauerverhaltens.

Das heißt: man sitzt nicht mehr automatisch in der abendlichen Prime Time vorm Gerät, um sich seine Lieblingssendungen gleichsam live anzuschauen. Sondern man zeichnet sie auf, um sie sich dann, wenn es einem besser passt, anzugucken. Und da diese Zuschauer bei der Ermittlung der Einschaltquoten noch nicht komplett erfasst werden, führt dies eben zu einem starken Sinken der Quoten.

So werden zwar in diesem Jahr zum ersten Mal auch die Zuschauer bei der Ermittlung der Einschaltquoten erfasst, die das Programm mit Video- oder DVD-Rekordern aufnehmen. Gezählt wird aber nur, wenn der Zuschauer sich die entsprechende Sendung innerhalb von 24 Stunden anschaut. So guckten beispielsweise "The Office" am 5. April 5,8 Millionen Zuschauer live, während 1,8 Millionen das Programm lieber aufgezeichnet und innerhalb von 24 Stunden dann auch angeschaut haben.

Daher ist der beklagte Zuschauerschwund im Grunde wohl wesentlich geringer als befürchtet. Aber die Zeit als Fernsehen noch ein Live-Erlebnis war, die ist wohl bald vorüber. Auch das ordentlich durchstrukturierte Fernsehprogramm verliert dabei zunehmend an Bedeutung durch Video-on-Demand und vor allem durch die Möglichkeit, Sendungen zeitversetzt zu sehen. Und die Zeit, wo sich abends die ganze Familie gemeinsam vor der Glotze versammelte, die ist sowieso ja schon seit Jahren vorüber. Es sei denn, es läuft Gottschalk.

http://www.heise.de/tp/artikel/25/25266/1.html
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