Passwort: Polizei

Der Hack privater Polizeiseiten gibt Einblicke in das Datenschutz- und Sicherheitsbewusstsein der Teilnehmer

Die Veröffentlichung der Daten des privaten Forums german-police.org zieht weiter Kreise. Angesichts der Funde stellt sich jedoch nicht nur die Frage, ob manche Einträge nicht auf bedenkliche Ansichten der Strafverfolger hinweisen - es zeigt sich auch ein bemerkenswert gering entwickeltes Datenschutz- und Sicherheitsbewusstsein (Polizeiforum als Protest gegen Polizeirazzien gehackt). Obwohl die Außenwirkung der veröffentlichten Beiträge für die Betroffenen noch kein Thema zu sein scheint.

Massenhafte Urheberrechtsverletzungen bei den Polizistenavataren - ob sich der Abmahnanwalt da wohl rantraut?

Die Frage, ob das Veröffentlichen auch privater Daten aus dem Forum german-police.org mit der Hackerethik zu vereinbaren ist, wird derzeit auf diversen Mailinglisten kontrovers diskutiert. Während die einen in der Veröffentlichung eine angemessene Methode sehen, Einblicke in die Gedankenwelt von (u.a.) Polizisten zu erlangen, halten die anderen dies für eine Verletzung der Privatsphäre der Nutzer des Forums. Diese Frage beherrscht die Auseinandersetzung um den "Hack", während andere Themen außen vor bleiben. Dabei sind die Fragen, die aufgeworfen werden, durchaus vielschichtiger.

"Man muss doch auch den Mund aufmachen dürfen – ist doch Meinungsfreiheit"

Was von Nutzern des Forums, welche sich teilweise auch im Forum Copzone treffen, neben dem Amüsement oder der Verurteilung der "Scriptkiddies" vorherrscht, ist eine Nonchalance gegenüber den im Forum german-police (gp) geäußerten Meinungen und Ansichten. Da ja "die Linken" und "die bei Indymedia" schließlich auch so manches Mal Gewalt befürworten würden, so der Tenor, sei es doch auch in Ordnung, wenn solcherlei Ansichten nun auch von Polizeibeamten vertreten werden. Auch die Bewertung von Demonstrationsteilnehmern als Dreckspack sei insofern doch durchaus nichts Schlimmes.

Witzig für mich ist nun daß gerade die Leute, welche selbst immer in Gossensprache von der Polizei und auch vom normalen Bürger reden - Leute die fremdes Eigentum besetzen und auch beschädigen - nun als die Moralapostel auftreten wollen und mit Finger auf die Mitglieder des GP-Forums zeigen und diese als Unmenschen in Uniform hinstellen wollen - nur weil Teile der Leute im GP - MICH EINGESCHLOSSEN - in derselben Sprache redet wie sie selbst!

schreibt Swat-Cop und verteidigt, obwohl er nach eigenen Angaben nicht bei der Polizei ist, die Ansichten gleich munter weiter:

Ticca, Klemmi und der Rest des Haufens [vom gp] würden alle lieber auch mit Grillzeug um n Feuer sitzen wie ihr auch - aber nein, sie stehen wenn andere feiern von einem Objekt, hängen im GruKW ab oder spielen Katz und Maus mit Antifa oder den Rechten [...] sie alle haben ein Recht auf ihre private Meinung, ihre Privatsphäre und ihre Scherze, Ansichten und Gedanken [...].

Damit hat Swap-Cop sicherlich Recht. Bei all der hehren Verteidigung der privaten Ansichten und Gedanken wird aber außer Acht gelassen, dass hier mit zweierlei Maß gemessen werden muss, weil nur die eine Seite über ein staatlich garantiertes Gewaltmonopol verfügt. Diese Seite muss zwangsläufig integrer sein als die andere, muss sich nicht durch Vorurteile oder Lust an der Gewalt blenden lassen, sondern neutral handeln, weil ihre Verantwortung weitaus höher ist. Der randalierende Demonstrant kann und darf kein Grund für den randalierenden Polizisten sein - allein dashalb, weil der Polizist kraft seines Amtes weitreichendere Befugnisse hat. Natürlich hat jeder Polizist ein Recht auf private Ansichten und Gedanken - wenn diese jedoch darauf hindeuten, dass sie ihn während der Ausübung seiner Tätigkeit behindern, indem sie ihn nicht mehr neutral handeln lassen, dann muss dies bewertet und kritisiert werden.

Der überwiegende Teil der Threads in den gehackten Foren sind nachdem, was ich so mitbekommen habe absolut nachvollziehbar und IMHO völlig in Ordnung, aber wenn ich Äusserungen von einem Polizeibeamten lese, der die 'genetische schlacke mit großer fresse und wenig deutschkenntnissen' aus der Umgebung entfernen will und eine 'ethnisch homogenere gegend' bevorzugt, sowie, anhand seiner Aussagen, grundsätzlich Gewaltanwendung dem Dialog vorzieht, dann muss doch die Frage gestattet sein, ob solche Leute in den Polizeidienst gehören und ob da nicht offensichtlich gewisse Auswahlverfahren in Leere gelaufen sind.

schreibt CtV denn auch sehr zutreffend in der Copzone.

Von "den Linken" wird zur Zeit in den Medien mehr oder minder direkt eine Distanzierung von den gewaltbereiten G8-Kritikern gefordert. Eine nicht erfolgte Distanzierung wird quasi als Gewaltbefürwortung gewertet. Legt man diese Maßstäbe an, so wäre es sinnvoll, wenn sich die Nutzer von Copzone und gp von Meinungen wie den obigen - so sie von Polizisten kommen - ebenfalls distanzieren würden, um den derzeit ohnehin angeschlagenen Ruf der Polizei nicht weiter zu beschädigen. Stattdessen wird das Ganze als mehr oder minder dummer Scherz abgetan und dient höchstens dem Amüsement - eine wirkliche Auseinandersetzung mit der Frage, inwieweit sich unter den Nutzern von gp nun gewaltbereite oder gewaltbejahende Polizisten befinden und welche Folgen dies haben könnte, lässt auf sich warten.

Datenschutzbewusstsein mangelhaft

Da sich unter den Nutzern von copzone auch Nutzer von gp befinden, wurden diese gebeten, ihre Passwörter für das Forum copzone schnellstens zu ändern. Hintergrund ist, dass vielfach die gleichen Passwörter für beide Foren benutzt wurden. Da mindestens ein ICQ-Account kompromittiert wurde, ist anzunehmen, dass die Passwörter auch für andere Accounts genutzt wurden. Schon der erste Test ergab, dass als Username die Emailadresse eines Nutzers galt - das Passwort war sinnigerweise "polizei". Auch etliche andere Passwörter konnten ohne Schwierigkeiten sehr schnell entschlüsselt werden, da sie aus Geburtsdaten, Vornamen usw. bestanden.

Auch hier ist es durchaus legitim zu sagen, dass das Datenschutzbewusstsein bei vielen nicht besonders ausgeprägt ist. Passwörter wie "test", "root" oder schlichtweg einfachen Namen, die oft genug auch in Verbindung mit dem Nutzer gebracht werden können, sind eher die Regel als die Ausnahme. Doch eine Auseinandersetzung mit der Datenschutz- und Sicherheitsthematik wird derzeit weder in den Polizeiforen noch sonstwo geführt. Dabei gilt auch hier, dass es einen Unterschied macht, ob der "Normalnutzer" nun seine Accounts nicht sichert oder ob ein Polizist ein Bewusstsein für elementare Sicherheitsideen missen lässt.

Angesichts der stetig anwachsenden Befugnisse für Polizisten und der wachsenden Anzahl von Daten, die sie sammeln, speichern, auswerten oder schlicht abrufen können, ist es umso wichtiger, dass diejenigen, die mit den sensiblen Daten umgehen, hinsichtlich des Datenschutzes entsprechend vorsichtiger sind als jene, die solche Befugnisse nicht haben. So wie Unternehmen ihren Kunden gegenüber eine hohe Verantwortung haben, haben die Strafverfolger die Pflicht, sich entsprechend zu informieren und sicherzustellen, dass sie über die notwendige Sachkenntnis verfügen, um die Sicherheit der Daten zu gewährleisten.

Was passiert, wenn solch sensible Daten erst "in the wild" sind - also in die Öffentlichkeit gelangen -, konnte man jüngst sehen, als sich Einsatzprotokolle im Netz fanden, die mutmaßliche Gesetzesverstöße zusammen mit den Klarnamen der Tatverdächtigen auflisteten. Obgleich die Protokolle schnellstens entfernt wurden, kursieren sie weiterhin im Netz und werden den Betroffenen noch jahrelang Probleme bereiten.

Die Frage, ob die Veröffentlichung hinsichtlich der Privatsphäre wirklich akzeptabel ist oder nicht, muss sicherlich diskutiert werden. Die Fragen, inwiefern fehlendes Datenschutzbewusstsein und Gewaltbereitschaft bei Polizisten nicht hohe Risiken für den Bürger bedeuten, sind jedoch ebenso wichtig. Diese Fragen spielen derzeit aber kaum eine Rolle – auf keinen Fall bei copzone, wo fast ausschließlich die Verletzung der Privatsphäre bemängelt wird, ohne zu überlegen, wieso es so leicht war, einen ICQ-Account zu kompromittieren - oder wieso überhaupt derart simple Passwörter genutzt werden. Bedenkt man, welche Zugriffsmöglichkeiten durch die Antiterrordatei entstanden sind und was mit der Vorratsdatenspeicherung auf den Bürger zukommt, wäre es mehr als an der Zeit, genau diese Fragen zu erörtern, bevor sich die Vorratsdaten vieler Bürger im Netz wiederfinden – gegebenenfalls geschützt durch ein Kennwort wie "geheim".

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