Chinas Super-Bubble

20.05.2007

Ein Crash ist nur noch eine Frage der Zeit

Wenn das Ende eines Bubbles kommt, sind die Marktteilnehmer meist völlig überrascht. Am Schluss sagen alle, dies hätte man wissen können, doch die menschliche Gier lässt vor dem Tag des Erwachens meist die Furcht verblassen. Ausufernde hohe Bewertungen mit Kursgewinn-Verhältnissen von über 50, die anziehende Inflation und die nicht zu verhindernde Aufwertung der chinesischen Währung dürften den aktuellen Suber-Bubble in Bälde zum Platzen bringen. Der chinesische Aktienmarkt hat in die Schallmauer der Anstiege von großen Indizes längst durchbrochen. Wenn ein Index an einem Tag so schnell steigt wie manche Aktienmärkte in einem Jahr, dann kann trotz existierender Marktdynamik nur eine Milchmädchenhausse die Grundlage für derartige Übertreibungen bieten. Und in der Tat sind in China die Taxifahrer und die Besitzer von Früchteläden zu den führenden Aktienexperten avanciert.

Ein Volk der Zocker

Die Chinesen sind als Volk der Spieler bekannt. Daher darf es kaum verwundern, wenn von den 16 Millionen Einwohnern Shanghais mittlerweile 11 Millionen in Aktien investiert haben. Was in China passiert, ist deshalb von so großer Tragweite, weil es auch massive Auswirkungen auf die Finanzmärkte in Übersee, vor allem in den USA, haben kann.

Der chinesische Aktienmarkt hat mittlerweile seinen 12-jährigen Aufwärtstrendkanal erreicht, was weitere verrückte Kursanstiege zwar nicht völlig ausschließt, jedoch als starke Widerstandszone begrenzen sollte. Schon die ersten Warnzeichen im Februar 2007 haben aufgezeigt, dass der amerikanische Aktienmarkt auf starke Kursabschläge in China sehr nervös reagieren kann. Das wahrscheinlichste Szenario wird sein, dass ein Crash in China die dortigen Indizes innerhalb von wenigen Tagen um bis zu 25-30% einbrechen lassen könnte.

Inwieweit der chinesische Aktienmarkt in der Lage sein wird, sehr große Handelsvolumen im Falle eines Crashes dann aufzufangen, wird sich zeigen. Eines ist jedoch sicher, nämlich dass der so genannte Kran-Indikator auch für China gilt: Dort wo besonders viele Kräne stehen, sind Aktien-Crashes vorprogrammiert. Dies konnte man letztes Jahr am Aktienmarkt in Dubai beobachten, wo die Kurse um mehr als 70% einbrachen.

Substanzlosigkeit dominiert

Die Geldversorgung in China (messbar an M2) hat mit 17.1% die Zielgröße von 16% (die bereits sehr hoch ist) deutlich überschossen. Die Geldmenge M1, welche bereits den 5. Monat infolge die Zielgrößen überstieg, wies im Monat April sogar einen Anstieg von 20% auf. Die Preise für Lebensmittel stiegen im April um 7.1%, nachdem diese bereits im März um 7.7% gestiegen waren.

Die ausufernde Geldversorgung hat zur Folge, dass selbst Chinas Schuhputzer Aktien kaufen. Die Kreditkartenrechnungen und die Beleihung von Häusern steht auf Rekordniveau, wobei 90% dieses Geldes dazu verwendet wird, Aktien zu kaufen. Doch wenn der Geldfluss aufhört, steht zwangsläufig eine harte Landung bevor. Für viele Chinesen ist der Aktienmarkt zu einer Bank avanciert, weshalb bei fallenden Kursen ein Banken-Run möglicherweise katastrophale Folgen für das Vertrauen in die Märkte hätte.

Während in den USA die Banken solide sind und ein exzellentes Kredit-Rating aufweisen, kann der Zustand in China nur als katastrophal bezeichnet werden. Die Banken sind in einem wenig vertrauenserweckenden Zustand und die meisten Unternehmen, die zu neuen Höchstkursen getrieben wurden, sind ebenso substanzlos wie die meisten Internetaktien zu Beginn des Jahres 2000. Wenn es eine geschichtliche Parallele zu Chinas aktueller Entwicklung gibt, dann ist es der Nasdaq-Bubble des Jahres 2000 und der Aktienmarkt-Crash von 1929. In beiden Fällen wurden lange Zeit alle Warnzeichen ignoriert, bis der große Crash unvermeidbar wurde.

Weltweite Rezession 2008?

Wenn Investoren glauben, dass man 100% Gewinn in einem Monat machen kann, dann hat das Fieber (siehe auch die Überhitzung des volkswirtschaftlichen Wachstums von 11,1% im 1. Quartal) bereits sehr hohe Temperaturgrade erreicht. Sollte China jedoch von der ökonomischen Grippe befallen werden, dann könnte dies sehr schnell zu einer schweren Rezession in den USA führen, die sich in viraler Weise auf den restlichen Globus ausweiten könnte. Würde China massiv den Dollar verkaufen, wären auch die USA gezwungen, massiv die Zinssätze anzuheben. Mehr als 80% des amerikanischen Budgetdefizits wird schließlich von Ausländern (vor allem von den Chinesen) finanziert. Eine weltweite Rezession im Jahr 2008 wäre zwangsläufig die Folge, die sogar zu einer Weltwirtschaftskrise führen könnte.

Dass mittlerweile selbst Emerging Markets als wenig riskant eingestuft werden, ist als deutliches Zeichen einer allgemeinen Übertreibungsphase zu sehen, die eine gefährliche Abwärtsspirale auslösen könnte. China wird gar nicht darum herum kommen, so schnell wie möglich die Zinsen anzuheben und das Geldmengenwachstum zu begrenzen, wenn es nicht wie Japan in den 90er Jahren eine schwere Depression heraufbeschwören will. China ist deshalb zu einer Zeitbombe für die internationalen Finanzmärkte avanciert, in deren Folge zahlreiche Millisekundenpleiten Billionen von Dollar in Rekordzeit vernichten können.

Dr.-Ing. Artur P. Schmidt ist Herausgeber des Finanzportals Unternehmercockpit.

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