Sucht nach Fernsehsignalen außerirdischer Herkunft!
Harvard-Astronomen regen an, im Rahmen der SETI-Programme zusätzlich nach extraterrestrischem Radio- und Fernseh-Emissionen zu suchen, die uns zufällig erreichen
Bislang hielten SETI-Forscher nur Ausschau nach simplen Funk- oder Lasersignalen außerirdischer Herkunft, die – versehen mit einer interplanetaren Botschaft – absichtlich ins All gesendet wurden. Warum aber startete noch keiner mithilfe leistungsfähiger moderner Radioteleskope den Versuch, nach Spuren außerirdischer Fernseh- und Radiosendungen zu fahnden, die uns nur zufällig erreichen? Diese Frage stellen sich zwei Harvard-Physiker und warten dabei mit einem Vorschlag auf, wie dies konkret umgesetzt werden könnte. Hierbei könnten zwei neue Radioteleskop-Anlagen eine Schlüsselrolle spielen, von denen die erste bereits nächstes Jahr in Westaustralien, die andere ab 2012 (teilweise) in Deutschland in Betrieb gehen soll.
Jenseits der von der Wissenschaft gänzlich ignorierten kontroversen UFO-Problematik und abseits aller abenteuerlichen Hypothesen Erich von Dänikens existiert (erst) seit knapp 47 Jahren eine wissenschaftlich inzwischen anerkannte Teildisziplin der Exobiologie, die sich voll und ganz außerirdischen Intelligenzen verschrieben hat.
![]() |
|
| Der Blick den Sternen bzw. dort vermutenden Exoplaneten zugewandt, geht die Suche von SETI auf allen Ebenen weiter. Bild: NASA |
Kreativität gefragt
Zu Anfang noch mit dem Stigma des Unseriösen behaftet, hat sich der aus der Radioastronomie hervorgegangene Zweig mit dem Kürzel SETI (Search for Extraterrestrial Intelligence – Suche nach außerirdischen Intelligenzen) in der Science Community längst etabliert. Heute kann SETI auf mehr als Hunderte verschiedener Projekte zurückblicken, die nach extraterrestrischen Funksignalen Ausschau halten, vereinzelt sogar nach Laserblitzen außerirdischer Hochkulturen.
![]() |
|
| Frank Drake – der Mann, der 1960 mit dem Ozma-Projekt das SETI-Abenteuer initiierte. Bild: SETI-Institut |
Dessen ungeachtet ist es bis auf dem heutigen Tag noch keinem SETI-Angler vergönnt gewesen, die lang ersehnte interplanetare Flaschenpost aus dem kosmischen Ozean zu fischen. Während Optimisten sich sicher sind, dass die SETI-Akteure am richtigen Küstenabschnitt zum rechten Zeitpunkt auf das unbekannte Strandgut warten, glauben Pessimisten indes, dass die Meereswelle im elektromagnetischen Ozean, in der die interplanetare Flaschenpost treibt, niemals gefunden wird.
|
|
Trotzdem entwickeln die SETI-Akteure fortwährend neue Ideen und Konzepte und optimieren ihre technischen Apparaturen und Software-Programme mit großem Eifer. Auf dem Weg zum Erfolg ist schließlich Kreativität gefragt, sind neue Einfälle und Ansätze unabdingbar. Und daran mangelt es sowohl den praktisch als auch theoretisch orientierten SETI-Protagonisten beileibe nicht.
![]() |
|
| Während wir noch nach Aliens im Kosmos Ausschau halten, warten im maritim-irdischen Kosmos noch viele unbekannte Aliens darauf, entdeckt zu werden. Dieser außerirdisch anmutende Octopus ist allerdings schon seit einigen Jahren bekannt. Bild: Howard Hall |
Zufälliger Fernsehempfang
Einen neuen Einfall haben der Harvard-Professor und theoretische Astrophysiker Abraham Loeb und sein Assistent, Matias Zaldarriaga auf dem diesjährigen Treffen der American Astronomical Society (AAS) in Seattle (USA/Bundesstaat Washington) während einer Pressekonferenz und in dem ArXIv-Online-Ableger als Aufsatz bereits zum Besten gegeben. Obwohl inhaltlich brisant, wurde deren Idee von der Presse bislang kaum kommentiert. Dabei wissen die Autoren durchaus Interessantes zu vermelden.
Was spräche dagegen, so fragen sich beide Forscher, mithilfe neuartiger Radioantennen, die einen sehr engen Frequenzbereich abdecken, nach Spuren von Radio- oder TV-Sendungen außerirdischer Kulturen zu suchen, die schlichtweg als Radiomüll ins All hinausgetrieben worden sind? Schließlich zählen neben militärischen Radarsignalen insbesondere Fernseh- und Radioprogramme zu den stärksten Emissionen, die unseren Planet tagtäglich verlassen. Angenommen, Außerirdische operierten mit ähnlicher Technik wie auf der Erde, müssten deren TV- und Radiosignale, die ihren Planeten "tagtäglich" verlassen, aufgrund ihrer Intensität mit einem sensiblen, im niederfrequenten Bereich operierenden Radioteleskop theoretisch im Radiospektrum aufzuspüren sein. "Dies ist Radio-SETI, aber auf einer Frequenz, die bisherige SETI-Programme nicht untersucht haben. Allein das ist Grund genug, um hier eine Suche zu empfehlen", glaubt Seth Shostak vom SETI-Institut im Pasadena (Kalifornien).
Loeb und Zaldarriaga sehen sogar Grund zum Optimismus: "Die Frequenzen überlappen sich mit denen von unseren Radiosendungen, die zwischen 50 und 400 Megahertz liegen. Durch einen glücklichen Zufall könnten diese Antennen empfindlich genug sein, um genau jene Radiowellen in diesem Frequenzbereich aufzufangen, die eine Zivilisation ohne Absicht ins All aussendet", erklärt Abraham Loeb, der bei alledem schon zwei neuartige Teleskope im Auge hat.
![]() |
|
| 350 Kilometer im Durchmesser - das ist die geplante räumliche Ausdehnung des LOFAR-Teleskops. Bild: LOFAR |
LOFAR-Armada und LFD-MWA-Flotte
Für eine solche Observation geradezu prädestiniert wäre Loebs Ansicht nach das leistungsstarke Radioteleskop LOFAR http://www.lofar.org/, an dem europäische Ingenieure im Norden Hollands seit 2004 werkeln. Das kreisförmige Riesenauge, das sich über eine Region von 350 Kilometern bis nach Deutschland, wo zwölf Stationen angelegt werden, ausdehnen soll, geht 2012 offiziell in Betrieb. Zusammen mit den niederländischen Stationen avanciert LOFAR dann zur größten über Datenleitungen vernetzten Teleskopanlage der Welt.
![]() |
|
| LOFAR-Antennen für Radio-Wellenlängen von ein bis drei Metern. Bild: ASTRON, Dwingeloo, Niederlande |
Als revolutionäres Radioteleskop der nächsten Generation angekündigt, soll LOFAR später einmal aus 25.000 einfachen Radiosensoren bestehen, die mit einem zentralen Supercomputer verbunden sind. Ein besonderer Vorzug dieser Anlage ist ihre Mobilität: Binnen weniger Sekundenbruchteile kann die Teleskop-Phalanx ihre Sehrichtung beliebig ändern und sogar in mehrere Richtungen gleichzeitig blicken, womit zeitgleich sogar mehrere Astronomenteams mit Daten versorgt werden können. Die Vorteile für SETI liegen auf der Hand. Anstatt viel Geld in neue Teleskope zu investieren, können die SETI-Forscher bei LOFAR – dem Prinzip der parasitären Suchweise folgend – parallel mit anderen Forschungsgruppen arbeiten. Während Radioastronomen sich den klassischen Himmelskörper widmen, könnte zeitgleich die Fahndung nach ET und Co. gemäß Loebs und Zaldarriagas mutigen Vorschlag auf Hochtouren laufen.
![]() |
|
| Mit dem "Optical SETI Telescope" des Oak Ridge Observatoriums in Harvard, Massachusetts suchen die SETI-Anhänger gezielt nach Laserblitzen ferne Zivilisationen. Bild: Harvard University |
Während LOFAR in einem relativ bevölkerungsreichen und somit "radioverschmutzten" Gebiet in fünf Jahren seine Arbeit aufnehmen soll, geht bereits nächstes Jahr abseits der Zivilisation, inmitten der westaustralischen Wüste, eine ähnlich sensible Antennenarmada in Betrieb: der "Log Frequency Demonstrator" der "Miluera Wide-Field Array" (LFD-MWA). "Das LFD-MWA wird in einer radioarmen Zone gelegen sein, in einer Region namens Miluera", erklären Loeb und Zaldarriaga. Fernab störender irdischer Signalquellen widmet sich die aus 8.000 Antennen bestehende Anlage ganz dem Frequenzbereich von 80 bis 300 Megahertz, um weit entfernte Junggalaxien zu observieren. Parallel hierzu könnten die Teleskope auch Ausschau nach Radioabfällen nichtirdischer Zivilisationen halten.
"Das MWA ist sensibel genug, um eine erdähnliche Zivilisation im Umkreis von 30 Lichtjahren aufzuspüren. In dieser Region befinden sich 1000 Sterne", so Loeb. Aber in naher Zukunft sei es sogar möglich in einem Umkreis von 1.000 Lichtjahren nach Spurenresten außerirdischen Radio- und Fernsehkonsums zu forschen, sofern die Geräte ständig optimiert werden.
![]() |
|
| Hier ein Bild des LFD-MWA, von dem die ersten Einheiten bereits im März 2005 installiert wurden. Bild: Harvard Smithsonian CfA |
Gestreckte Radiowellen
Die meisten SETI-Projekte suchten bislang nach Radiowellen auf der 21-Zentimeter-Wasserstofflinie. Diese gilt als kosmische Standardfrequenz schlechthin, auf der außerirdische Intelligenzen theoretisch senden könnten, weil auf dieser Wellenlänge das im Universum am häufigsten vorkommende Element strahlt: der neutrale interstellare Wasserstoff. Außerirdische müssten die Bedeutung der 21-Zentimeter-Linie kennen, so die Überlegung der Optimisten unter den SETI-Forschern.
![]() |
|
| Irgendeine Galaxie, die dort lebende Zivilisationen aus dieser Perspektive mit großer Wahrscheinlichkeit nicht sehen werden. Dafür können diese theoretisch unsere Galaxis aus einer Perspektive sehen, aus der wir unsere Milchstraße nicht so schnell zu Gesicht bekommen. Bild: Kanadische Weltraumbehörde |
Problematisch ist nur, dass diese Frequenz im Zuge des immer noch weiter expandierenden Universums auf eine Wellenlänge von mehreren Metern gestreckt wurde. Hier kann LOFAR Abhilfe schaffen. Es ist in der Lage, selbst jene langwellige, aus der Urzeit des Kosmos stammende Radiostrahlung von Wasserstoffgas exakt messen, die durch die Expansion des Kosmos von ursprünglich 21 Zentimeter auf etwa die zehnfache Wellenlänge "auseinander gezogen" wurde.
Sollten Astronomen im Radiospektrum die Signatur einer extraterrestrischen Fernsehsendung ausmachen, wäre es nach Ansicht von Loeb und seinem Harvard-Kollege Matias Zaldarriaga möglich, die Doppler-Verschiebung des Signals messen, die beim Umlauf des fernen Exoplaneten um sein Heimatgestirn zum Tragen kommt. "Das würde uns dann erlauben, die Oberflächentemperatur des Planeten abzuschätzen und zu bestimmen, ob dort beispielsweise flüssiges Wasser vorhanden sein könnte."
![]() |
|
| Computergenerierter Sonnenuntergang, so wie er auf einem fernen Exoplaneten aussehen könnte. Auch in Doppelsternsystemen könnten technologisch hoch entwickelte Lebewesen eine Nische gefunden haben. Bild: NASA/JPL-Caltech/Univ. of Ariz. |
Da aber auf bzw. über der Erde sehr viele "hausgemachte" Signale dazwischen funken, dürfte die größte Schwierigkeit darin liegen, aus den zahlreichen irdischen Frequenzbereichen, die global genutzt werden, die lang ersehnte Alien-Botschaft herauszufiltern. "ET von der BBC zu unterscheiden, dürfte eine echte Herausforderung werden", vermutet der bekannte Radioastronom und SETI-Forscher Seth Shostak.
Kein rosiges Psychogramm der Menschheit
Abraham Loeb und sein Kollege sehen sich einer weiteren Herausforderung gegenüber. Sie wissen, dass ihre These nur dann greift, wenn in relativer Erdnähe mindestens eine intelligente Lebensform existiert, die eine erdähnliche Technologie herangebildet hat. So unwahrscheinlich dieses Szenario auch ist – Loeb ist in dieser Hinsicht optimistisch:
Es wäre das erste Mal in der Geschichte, dass Menschen imstande sind, eine Zivilisation wie die Unsrige im All zu finden. Eine Vorhersage darüber, wie ein Signal einer anderen Zivilisation aussehen mag, ist nicht leicht. Es wird auf jeden Fall anders sein, als wir uns dies vorstellen.
![]() |
|
| SETIs Traum: Radioteleskope auf der Rückseite des Mondes. Hier wäre ein störungsfreies Empfangen und Senden garantiert. Bild: SETI |
Bleibt nur zu hoffen, dass der Informationsmüll, mit dem unsere Zivilisation seit Anfang des letzten Jahrhunderts das Weltall verschmutzt, erst gar nicht auf fremde Augen und Ohren – sofern vorhanden – trifft. Eine hoch stehende außerirdische Kultur, die sich dem Universum verbunden fühlt und mit unseren Radio- und Fernsehabfall bereits vorlieb nehmen musste, diesen überdies entschlüsseln und einordnen konnte, würde garantiert einen empfindlichen interplanetaren Kulturschock erleiden. Denn unsere elektromagnetische Visitenkarte liefert bekanntlich kein rosiges Psychogramm der Menschheit. Gewalt, Macht- und Besitzgier, Mord, Unterdrückung sowie unsinnige Streitereien um unsinnige, aus kosmischer Sicht völlig bedeutungslose Grenzen – das sind nur einige markante Merkmale, die unsere bisherige Geschichte charakterisieren. Dass daher fremde Zivilisationen den Glauben an die Menschheit und somit das Interesse an uns längst verloren haben sollten, ist durchaus denkbar.
![]() |
|
| Die 305-Meter-Schüssel in Arecibo/Puerto Rico ist immer noch das größte unbewegliche Radioteleskop der Erde. Von hier starten SETI-Forscher unregelmäßig ihre Lauschangriffe ins All, sofern man ihnen kostbare Beobachtungszeit zur Verfügung stellt. Bild: NAIC |
Aliens ohne Radioteleskope?
Ebenso denkbar ist aber auch, dass Et & Co. von uns nichts hören oder sehen können, weil wir von ihnen nichts hören und sehen können. Schließlich könnte es sein, dass sie überhaupt keine Radioastronomie betreiben oder fernsehähnliche Geräte nutzen, weil sie sich ausschließlich für den Mikrokosmos oder für Kunst interessieren. Oder sie haben schlichtweg kein Interesse an den Sternen, da sie tief im Erdboden leben oder als Meeresbewohner naturgemäß keinen Zugang zum Sternhimmel haben.
![]() |
|
| Irreguläre Galaxie M82 (NGC 3034). Bild: NASA, ESA, and The Hubble Heritage Team (STScI/AURA) |
Vielleicht erfreuen sie sich eines nichtbiologischen Daseins und führen ein Leben jenseits der DNA und des reaktionsfreudigen Elements Kohlenstoff – eventuell sogar als rein geistige Lebensform. Träfe letzteres zu, verfügten sie wohl kaum über Technologie, geschweige denn über Radioteleskope. Denkbar ist aber auch, dass sie sich der Raumfahrt voll und ganz verschrieben und "inzwischen" konsequenterweise einen Teilbereich ihrer Galaxie besiedelt haben. Sie könnten schon zu Genüge interplanetare Verbündete und Kolonien haben. Oder sie besitzen schlichtweg keine Radioteleskope (mehr), weil sie eine völlig andere, weitaus effizientere Technik nutzen, die wir noch nicht kennen bzw. als solche erkennen.
Und wer sagt denn eigentlich, dass Radioteleskope das Nonplusultra der SETI-Idee sein müssen. Könnte es nicht genauso gut sein, dass sie uns schon seit 1000 Jahren mit telepathischen Botschaften eindecken: mit Botschaften, die keiner beantworten kann, da unser Gehirn noch 1000 Jahre braucht, bis seine Vernetzung soweit gediehen ist, solche distinguierten Nachrichten telepathisch zu empfangen und zu verstehen.
http://www.heise.de/tp/artikel/25/25322/1.html- Leben und leben lassen :-) (1.6.2007 23:48)
- sendeleistung (1.6.2007 18:11)
- antwort (1.6.2007 18:06)
Darstellungsbreite ändern
Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.
Aktive und passive Alien-Artefakte im Sonnensystem
SETA - Spurensuche nach dem extrasolaren Monolithen - Teil 2












