Zensur ist gar nicht so einfach

Ernst Corinth 23.05.2007

In der letzten ARD-Talkshow "Beckmann" machte es plötzlich piep!

Wenn es bei Beckmann pfeift, dann muss das kein Zufall sein. Ein Pfeifton war nämlich am vergangenen Montagabend kurz zu hören, als Reinhold Beckmann in seiner ARD-Talkshow sich mit dem Ex-Radprofi Bert Dietz unterhielt. Ein Gespräch, das immer noch für Aufregung sorgt, weil der 38-Jährige darin zugab, jahrelang gedopt zu haben. Angeblich mit Wissen des damaligen Telekom-Radstalls und mit tatkräftiger Unterstützung der damaligen Team-Telekom-Ärzte Lothar Heinrich und Andreas Schmid. Inzwischen hat noch ein weiterer Ex-Telekom-Fahrer ein Doping-Geständnis abgelegt.

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So weit, so professionell. Und für viele kaum überraschend. Doch während der Sendung wurde ein kleiner Teil des Gesprächs von einem Pfeifton überdeckt. Was der Betreiber des Blogs Allesaussersport ein wenig komisch fand. Genauso seltsam fand er, dass die geplante Wiederholung der Talkshow bei 3Sat inzwischen abgeblasen und dass das Gespräch nicht wie sonst üblich als Video on Demand ins Netz gestellt wurde.

Ein Nutzer des Blogs, der den Text in "Allesaussersport" gelesen und die Sendung aufgenommen hatte, schritt dann schnell zur Tat, filterte den Pfeifton mit einem Equalizer kurzerhand weg und protokollierte danach, was Dietz gesagt hatte. Und ausgerechnet in der verpfiffenen Passage sind nun angeblich schwere Vorwürfe gegen den damaligen Leiter von Team Telekom Walter Godefroot zu hören, aber natürlich nur für den, der die entsprechende technische Ausrüstung hat und das nötige Know-how besitzt.

Inzwischen hat der zuständige NDR auf die Vorwürfe reagiert und, wie im Blog zu lesen ist, zugegeben, dass der Pieps-Ton keine technische Panne gewesen ist, "sondern vom Sender aus juristischen Gründen in Absprache mit allen Beteiligten nachträglich draufgelegt worden" ist. Die Sendung wird nämlich in der Regel vorher aufgezeichnet, um dann am späten Abend erst ausgestrahlt zu werden.

Nun mag es ja durchaus gute juristische Gründe für eine solch nachträgliche verpfiffene Zensur geben, dennoch ist der Vorgang mehr als komisch. Schließlich ist die ARD als übertragender TV-Sender ein Sponsor der Tour de France und verdient damit auch Geld. So kosten 30 Sekunden TV-Werbung, die während der Übertragung der Radtour ausgestrahlt werden, zwischen 6.200 und 17.400 Euro. Und natürlich fragt man sich auch, warum der Sender die kritische Passage nicht einfach herausgeschnitten hat, sondern es stattdessen so laut pfeifen ließ, dass ein findiger Blogger etwas gemerkt hat, ja, merken musste. Aber wenn bei uns Zensur immer so dilettantisch daherkommt, dann hat das ja auch was Gutes.

http://www.heise.de/tp/artikel/25/25347/1.html
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