Der Lohn der Söldner

Thomas Pany 19.06.2007

Irak: die Privatisierung des Krieges

Am Anfang hatte die ArmorGroup, ein britisches Security-Service-Unternehmen, 20 Angestellte und eine "Handvoll SUVs" im Irak. Mittlerweile beschäftigt die Firma 1.200 Angestellte im Land, verfügt über eine ansehnliche Flotte von 240 gepanzerten Lastwagen und erzielt dort beinahe die Hälfte ihres Umsatzes weltweit. Das Geschäft solcher Sicherheitsfirmen im Irak floriert. Mehr als 100 Security-Companies sind dort tätig. Über ihre Tätigkeit, die in einer rechtlichen Grauzone stattfindet, ist nicht allzu viel bekannt. Nun präsentiert die Washington Post erstmals Opferzahlen der Söldner, die laut Bericht zunehmend in Kämpfe mit Guerillas verwickelt werden.

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Die Arbeit der Sicherheitsunternehmen habe sich seit dem Irak-Krieg völlig verändert und werde nie mehr so sein wie zuvor, zitiert die amerikanische Zeitung den Kommandeur einer Truppe von 500 kurdischen Söldnern. Er ist, wie die meisten anderen westlichen "private contractors", ein ehemaliger Soldat im Staatsdienst, in dem Fall ein ehemaliger Offizier einer Special Operations Einheit. Mit 135.000 Dollar gibt die Washington Post den jährlichen Durchschnittsverdienst eines westlichen Söldners an, angeblich das gleiche Gehalt wie ein amerikanischer Zwei-Sterne-General; Iraker bekommen etwa ein Zehntel davon.

Zwischen 8.000 und 12.000 Dollar verlangt die ArmorGroup nach Informationen der Zeitung von ihrem Vertragspartner pro Konvoi, die Preise sind z.B. vom Umfang des Konvois, der gesichert werden soll, und vom Risiko, dem er ausgesetzt ist, abhängig. Solche Fahrzeugkolonnen, wichtig für den Nachschub, sind auf zehn Sattelzüge begrenzt. Diese sollen von mindestens vier gepanzerten Fahrzeugen und zwanzig Bewachern begleitet werden: vier Westler, "vehicle commanders", bewaffnet mit M-21-Sturmgewehren und 9mm Glock Pistolen und 16 Iraker, die mit Kalaschnikows ausgestattet sind.

Das US-Militär, und damit den amerikanischen Steuerzahler, kostet dies augenscheinlich größere Summen. 20.000 bis 30.000 "private contractors" im Irak sollen aus der Staatskasse bezahlt werden: für den Schutz von logistischen Operationen, Gebäudeschutz, Personenschutz und, wie es im Washington-Post-Artikel heißt, zur Gewinnung von "intelligence" für die Armee. Für das letztere, das umstrittenste Aufgabengebiet (die "Privaten" waren auch in Folterskandale verwickelt - vgl. Der letzte Tropfen) von rechtlich ohnehin sehr heiklen Einsätzen, sollen Verträge für das laufende Jahr in Höhe von 475 Millionen Dollar in Planung sein (Anteile von diesem Auftrag sollen auch dem Personenschutz von Mitgliedern des U.S. Army Corps of Engineers zugute kommen). Insgesamt will die amerikanische Militärführung laut Informationen der Zeitung dieses Jahr Verträge im Wert von 1,5 Milliarden Dollar vergeben.

Man habe nun auch getestet, ob nicht nur Nachschubtransporte von Materialien, die für den Wiederaufbau gedacht sind, von Söldnern bewacht werden, sondern auch reine Miltärkonvois – damit würde das so genannte "Outsourcing" eine neue Dimension erhalten. In England wird schon seit einiger Zeit von manchen der Verdacht geäußert, dass die Regierung den Krieg "privatisieren" und den möglichen Ausstieg englischer Truppen mit einem größeren Outsourcing-Programm tarnen wolle.

Angesichts dieser Dimension ist der Ausdruck "Privatisierung des Krieges" (vgl. Profitieren von Unsicherheit und Krieg) nicht unberechtigt. Dass davon nicht allzu viel an die Öffentlichkeit gerät, dafür hat, so Quellen der Washington Post, die US-Militärführung gesorgt: Jahrelang hätten höhere Stellen sich geweigert, Statistiken über Verluste von "private contractors" oder die Anzahl der Anschläge auf Konvois, die von ihnen bewacht wurden, zu veröffentlichen.

Nach längeren Protesten seitens des "Reconstruction Logistics Directorate of the Corps of Engineers" hat man diese Politik jetzt geändert und Informationen des "Logistics Directorate" für die Öffentlichkeit freigegeben. Demnach sind seit Herbst 2004 132 Söldner und Lastwagenfahrer getötet worden und 416 verwundet (indes berichtet CNN von einer offiziellen Statistik mit weitaus mehr Todesopfern: "Official figures show that 916 civilian contractors died from the beginning of the U.S.-led war in March 2003 to April 2007"). Vier "security contractors" und ein Lastwagenfahrer werden nach Angaben der Washibton Post noch vermisst, 208 Fahrzeuge wurden zerstört. Da bei dieser Statistik nur die Konvois, die beim "Logistics Directorate" registriert waren, zugrunde gelegt wurden, dürfte die Gesamtzahl der Verluste allerdings um einiges höher sein. Doch auch die unvollständigen Zahlen zeigen einen beachtlichen Anstieg: Sind 2005 nur 5,4 Prozent der registrierten Konvois überfallen worden, so waren es 2006 schon 9,1 und im Mai dieses Jahres 14,7%.

Nach ihren eigenen Statistiken bewachte die ArmorGroup im letzten Jahr 1.184 Konvois; 450 Angriffe, "meist Straßenbomben, Feuer aus kleinkalibrigen Waffen und Mörser", wurden 2006 verzeichnet. In den ersten vier Monaten in diesem Jahr waren es 293:

Jedes Mal, wenn ich mir vorstelle, wie das am Anfang war, als ich hier ankam mit einem Koffer und tausend Dollar, kann ich das gar nicht glauben. Niemand konnte sich vorstellen, dass die privaten Security-Unternehmen offen von Aufständischen ins Visier genommen werden.

Cameron Simpson, Irak-Manager der ArmourGroup
http://www.heise.de/tp/artikel/25/25529/1.html
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